+
Tino Chrupalla (M), AfD-Bundessprecher, gratuliert hinter Alexander Gauland, Fraktionsvorsitzender der AfD, Dirk Nockemann, AfD-Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl, in der Bundespressekonferenz.

Nach Hanau

AfD mach in „Selbstreflexion“

  • schließen

Die Rechten sehen die Morde von Hanau nicht in Zusammenhang mit ihrer Politik.

Am Tag nach der Hamburg-Wahl will die AfD-Spitze die Partei neu ausrichten. So klingt es zumindest zunächst. Man wolle stärker auf die Wortwahl der Funktionäre achten. „Auch wir haben uns manchmal in der Wortwahl vergriffen“, sagte der Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alexander Gauland. Doch die AfD kann nicht einfach selbstkritisch sein, sie verweist auch auf die Attacken gegen ihre Vertreter. „Alle müssen verbal abrüsten, sonst mache ich mir Sorgen um die Demokratie.“

Nur knapp schaffte es die AfD zurück in die Hamburgische Bürgerschaft. Spitzenkandidat Dirk Nockemann machte bereits am Wahlabend die radikalen Äußerungen aus anderen Landesverbänden mitverantwortlich für das schlechte Ergebnis. Den Namen Björn Höcke nennt er dabei nicht. Doch bei der Hamburg-AfD war man wenig begeistert, dass Höcke während des Wahlkampfs im Norden zu Pegida fahren musste. Man wolle auch in Zukunft eine „deutliche Sprache sprechen“, aber auf drastische Rhetorik verzichten, die „unsere politischen Gegner gegen uns instrumentalisieren können“, sagte er jetzt am Montag.

„Auch wenn’s schwerfällt“

Parteichef Chrupalla sagte, er wolle einen „Prozess der Selbstreflexion“ anstoßen. Die AfD-Mitglieder müssten sich fragen, „warum es der politische Gegner so einfach hat, uns in die rechte Ecke zu stellen“. Das war bereits die Leitfrage eines Mitgliederbriefs am Sonntag, in dem die beiden Parteichefs Chrupalla und Jörg Meuthen die Morde von Hanau erstmals als „rassistisches Verbrechen“ bezeichneten. „Wir als AfD müssen uns fragen, warum wir mit Hanau in Verbindung gebracht werden. Auch wenn’s schwerfällt“, kommentierte Chrupalla. Die beiden Parteichefs wollten Klartext: „Wer sich rassistisch und verächtlich über Ausländer und fremde Kulturen äußert, handelt ehrlos und unanständig und damit gegen Deutschland und gegen die AfD“, postulierten sie.

Auch mal ohne Hammer

Wie ernst aber meint es die Partei mit der rhetorischen Abrüstung? Nockemann kritisierte Begriffe wie „Messermänner“, die unter anderem Bundestags-Fraktionschefin Alice Weidel in einer Rede verwendete. „Man muss nicht immer rhetorisch wie Hammer auf Amboss auftreten“, meint er. Bis sich diese Auffassung in der Partei durchgesetzt habe, brauche es aber noch Zeit.

„In der AfD gibt es keine Rechtsextremen“, behauptete Chrupalla und prophezeite: „Die Ausgrenzung der AfD wird nicht gelingen.“ Er warf den anderen Parteien eine Instrumentalisierung der Hanauer Morde vor und meinte: „Für das aufgeheizte Klima ist nicht die AfD verantwortlich, sondern zunächst die etablierten Parteien.“ Es sei ja fast schon wie der DDR, wo man nicht seine Meinung frei habe äußern können. Solche Sätze kennt man von Chrupalla. Vom angekündigten Kurswechsel ist in ihnen nur wenig zu spüren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion