Kostenlose Bahnfahrten

Ruf nach „freier Fahrt für Freiwillige“ wird lauter

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SPD und Linkspartei fordern, dass auch Menschen, die sich engagieren, gratis mit der Bahn fahren können - und nicht nur Soldaten.

In der Debatte um kostenlose Bahnfahrten für Bundeswehrsoldaten unterstützen SPD und Linkspartei die Forderung, das Angebot auch auf Teilnehmer von Freiwilligendiensten auszuweiten. „Freie Bahnfahrt für Freiwilligendienstleistende – das wäre ein großartiges Zeichen der Deutschen Bahn als Anerkennung des bürgerschaftlichen Engagements, das junge Menschen tagtäglich mit einem FSJ, FÖJ oder Bufdi leisten“, sagte der familienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sönke Rix.

Für die Linke im Bundestag kritisierte der Parlamentarische Geschäftsführer, Jan Korte, die Regierungsentscheidung, ausschließlich uniformierten Soldaten die Gratisfahrten zu ermöglichen: „Dass Polizisten in Uniform kostenlos fahren dürfen ist sinnvoll, wenn sie in der Bahn auch Ansprechpartner für Sicherheitsfragen sind“, sagte er.

Wenn Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer die Regelung zur Bundeswehr jedoch mit Anerkennung für die Soldaten begründe, müsse man das Angebot ausweiten: „Anerkennung verdienen auch Bundesfreiwilligendienstleistende, weil sie eine wichtige Arbeit für die Gesellschaft leisten, ebenso übrigens wie die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehren, des THW oder das Pflegepersonal in Krankenhäusern und Pflegeheimen“, sagte Korte. „Deren Einsatz für die Gesellschaft würde von staatlicher Seite auf respektlose Art relativiert, wenn den einen Freifahrten zugestanden werden, den anderen aber nicht.“

Giffey kündigt Gespräche an

Die Grünen betonten, nicht Gratisfahrten für bestimmte Gruppen, sondern günstigere Tickets für alle hätten „höchste Priorität“. So könne der Umstieg vom Auto auf die Bahn für möglichst viele Menschen gelingen, sagte der Sprecher für Bahnpolitik der grünen Bundestagsfraktion, Matthias Gastel. Deshalb müssten schnell die Mehrwertsteuer auf Bahnfahrkarten im Fernverkehr und die Trassenpreise für Bahnunternehmen sinken.

Die für den Bundesfreiwilligendienst zuständige Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) erklärte am Nachmittag schließlich, sie unterstütze die Forderung nach „freier Fahrt für Freiwillige“. Zum Anfang sehe ihr Konzept für ein neues Jugendfreiwilligenjahr vor, beim Freiwilligenjahr einen Zuschuss für das Ticket im öffentlichen Nahverkehr vom Wohnort zur Einsatzstelle einzuführen. Sie setze sich dafür ein, das entsprechende Geld aus dem Bundeshaushalt zur Verfügung gestellt zu bekommen und werde mit der Deutschen Bahn darüber sprechen, „wie kostenfreie Bahnfahrten auch für die 80 000 Freiwilligendienstleistenden im Jahr ermöglicht werden könnten“, so Giffey.

Angesichts der jüngst beschlossenen Einführung kostenloser Bahnfahrten für Bundeswehrsoldaten ab 1. Januar 2020 hatte zuvor der Paritätische Gesamtverband Freifahrten für alle verlangt, die einen Freiwilligendienst leisten. „Wenn schon von Freifahrten gesprochen wird, sollte die Bundesregierung ihren Blick besser auf die 100 000 überwiegend jungen Menschen in den Freiwilligendiensten richten, die hier für ein Taschengeld von maximal 400 Euro im Monat echten Einsatz für unser Gemeinwesen leisten“, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die Freiwilligen hätten eine solche Anerkennung mehr als verdient. „Und sie könnten auch materiell die Befreiung von ihren Fahrtkosten dringend brauchen.“

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