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Nach fünf Jahren Verzögerung: Sunak will Konversionstherapien verbieten

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Schluss mit Konversionstherapien: Großbritanniens Premier Rishi Sunak will der vermeintlichen Behandlung von Homosexuellen ein Ende setzen. Die Zeit drängt.

London – Wie britische Medien berichten, will Premierminister Rishi Sunak einer diskriminierenden und höchst unwissenschaftlichen Form pseudo-medizinischer Praxis auf der Insel ein Ende setzen: sogenannten „Konversionstherapien“, denn die sind in Großbritannien immer noch legal. Die vermeintliche „Behandlung“ zielt darauf ab, Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender-Personen zu „heilen“, sprich ihre Geschlechtsidentität oder ihre Sexualität zu verändern. Die Prämisse: Es handele sich um Krankheiten. Bei den Tories zieht sich der Prozess für ein entsprechendes Gesetz seit Jahren – das hat auch mit Boris Johnson zu tun.

Rishi Sunak will Konversionstherapien in Großbritannien verbieten

Großbritanniens Premierminister Rishi Sunak will Konversionstherapien auf der Insel ein Ende setzen, berichtet kreiszeitung.de. Der Sender ITV berichtet, noch in dieser Woche solle ein Gesetz verkündet werden, das Versuche die Sexualität oder Geschlechtsidentität einer Person zu verändern verbietet. Früher hatte die Partei noch erklärt, man wolle Konversionstherapien im Bereich der Transsexualität von einem Verbot ausnehmen. Über Parteigrenzen hinweg hatte es deutliche Forderungen nach einem generellen Verbot gegeben – auch aus der konservativen Partei selbst. Diesen Forderungen geben Sunak und sein Kabinett nun nach, so ITV.

Rishi Sunak, Frau mit queerer Flagge. Wie Rishi Sunak zu queeren Themen steht, ist nicht ganz klar.
Rishi Sunak will Konversionstherapien ein Ende setzen. (Symbolbild) © Stefan Rousseau/ dpa/ Cavan Images/ Imago/ Collage/ BuzzFeed News Deutschland

Innerhalb der eigenen Partei sollen einige Funktionärinnen und Funktionäre gegenüber der Führung deutliche Positionen vertreten haben: Laut UK Daily News drohten einige Parteivertetende damit, sich bei Änderungen auf die Seite der Labourpartei um Keir Starmer zu schlagen, sollten Transgender-Personen keine Berücksichtigung finden. Mit Erfolg – nach Jahre langem hin und her, scheint sich etwas zu tun.

Rishi Sunak und das Ende der Konversionstherapie in Großbritannien: Welche Rolle spielte Boris Johnson?

Das Vorhaben, Konversionstherapien ein Ende zu setzen, steht – zumindest theoretisch – schon lange auf dem politischen Tableau der Konservativen. Allerdings: Fast fünf Jahre hat es gedauert, bis es wirkliche Fortschritte zu verzeichnen gibt. Eine schlechte Figur macht in diesem Prozess einmal mehr Rishi Sunaks Vor-Vorgänger Boris Johnson. ITV berichtet von einem im letzten März zugespielten Dokument, das belegen soll, Johnson habe als Premier seinerzeit vorgehabt, Pläne für ein entsprechendes Gesetz stillschweigend fallen zu lassen.

Zuerst hatte Theresa May 2018 ein Verbot versprochen, doch nicht realisiert. Die genaue Ausgestaltung des neuen Gesetzes ist derweil offenbar weiterhin nicht klar. Damit zusammenhängend steht bisher auch nicht fest, bis wann die Regelung konkret in Kraft treten soll – ihre Ankündigung ist nur ein erster Schritt. Laut ITV will die Regierung um Rishi Sunak zusichern, das Gesetz noch vor den nächsten Wahlen zu verabschieden. Es ist ein langer Prozess für die Tories, auch wegen Boris Johnson.

Premier Sunak stand in der Vergangenheit wegen transfeindlicher Aussagen in der Kritik

Großbritanniens Premierminister Rishi Sunak hatte in der Vergangenheit mit Äußerungen zum Thema Transsexualität für Aufsehen gesorgt, wie buzzfeed.news berichtete. Im öffentlichen Fernsehen hatte Sunak auf die Frage, ob trans* Frauen auch Frauen seien, klar mit „Nein“ geantwortet. Diese Einschätzung hatte er auch bei anderer Gelegenheit geäußert. Im Wahlkampf hatte der spätere Premier laut buzzfeed.news hingegen selbst erklärt, er wolle Großbritannien in den „freundlichsten, sichersten und lebendigsten Ort der Welt für LGBT+“ verwandeln. Ein Ende von Konversionstherapien ist auf diesem Weg noch ein sehr kleiner Schritt – und einer der spät kommt.

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