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Trumpanhänger demonstrieren für Waffen in Eugene. Viele der Waffenaktivisten trugen offen halbautomatische Waffen. 

USA

Kassenschlager nach Dayton und El Paso: US-Eltern kaufen Kindern kugelsichere Schulranzen

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Kugelsichere Rucksäcke stehen zu Beginn des neuen Schuljahres ganz oben auf dem Einkaufszettel verängstigter Eltern.

Jetzt müssen auch die Kinder aufgerüstet werden. Denken sich zumindest viele Eltern in den USA. Zu Beginn des neuen Schuljahrs steht außer Stiften, Heften und Radiergummis nämlich noch ein ganz besonderes Objekt auf dem Einkaufszettel: der kugelsichere Schulranzen.

Dass viele Eltern um das wohl ihrer Kinder fürchten, ist nur allzu verständlich. Die Massaker von El Paso und Dayton haben wieder einmal beweisen, wie gefährlich das Leben in den USA inzwischen geworden ist. Immerhin hat Amnesty International vor kurzem gar eine Reisewarnung für die Vereinigten Staaten herausgegeben -. So etwa hat es zuvor noch nie gegeben. Doch ein Blick auf die Statistik beweist ja, dass El Paso und Dayton nur die Spitze eines riesigen Eisbergs sind. Zwar sind die Zahlen, die Keith Edwards am 3. August präsentiert hat, mit Vorsicht zu genießen, doch die Tendenz ist eindeutig. 

Edwards berief sich bei seiner Aufstellung auf die Daten der Nichtregierungsorganisation „Gun Violence Archives“, die Ereignisse zählt, bei denen „vier oder mehr Menschen getötet oder verletzt werden“, ohne den oder die Täter gerechnet. Das FBI dagegen rechnet anders und zählt nur Vorfälle, bei denen mindestens vier Menschen ihre Leben verloren haben, zu solchen „mass shootings“. Die Daten sind dennoch eindeutig. 

Kugelsichere Rucksäcke immer populärer

Für viele Eltern ist es deshalb nur normal, ihren Kindern Rucksäcke zu kaufen, die bei einem möglichen Amoklauf vorgeblich zumindest den Oberkörper des Kinder schützen und wie eine Rüstung wirken sollen. Kugelsichere Schulranzen verkaufen sich derzeit in den USA jedenfalls wie geschnitten Brot. Die Verkaufszahlen sind teilweise um bis zu 300 Prozent gestiegen, wie auch Roman Zrazhevskiy von ReadyToGoSurvival.com bestätigt. „Wir haben nur in den vergangenen paar Tagen 300 Rucksäcke verlauft“, so Zrazhevskiy, dreimal so viel wie sonst in einem Monat.

Populär sind auch die Rucksäcke des Unternehmens Guard Dog Security, das in diesem Jahr erstmals einen speziellen Rucksack für Kinder im schulpflichtigen Alter anbietet. Der ProShield Scout, dessen Außenhülle laut Hersteller ein Neun-Millimeter-Geschoss abhalten kann,- ist in den Farben Türkis, Pink und Schwarz erhältlich und wird für 99 bis 120 US-Dollar angeboten – unter anderem auch beim Online-Händler Amazon.

Kamala Harris will Kinder schützen

Es ist zu erwarten, dass der Verkauf kugelsicheren Schulranzen weiter ansteigen wird. Strengere Waffengesetze einzuführen, ist in den USA definitiv so gut wie unmöglich – spätestens seit dem Schulmassaker von Parkland, als ein 19-Jähriger 14 Kinder und drei Erwachsene erschoss, ist klar, dass es die Amerikaner völlig in Ordnung finden, dass auch Kinder zu den zahlreichen Opfern ihres Waffenwahns gehören. 

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Zudem hat US-Präsident Donald Trump bisher nur wenig Interesse gezeigt, der supermächtigen Waffenorganisation NRA etwas entgegenzusetzen. Dagegen findet die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris den Verkauf von kugelsicheren Schulranzen einfach nur abscheulich. „Eltern sollten den eigenen Kindern keinen kugelsicheren Ranzen kaufen müssen, nur damit sie sicher zur Schule gehen können“, schrieb Harris auf Twitter. „Ich werde Maßnahmen ergreifen, um unsere Kinder zu schützen.“

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