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Militärputsch

„Der schwärzeste Tag seit dem Putsch“: Videos aus Myanmar zeigen verstörende Bilder

  • Friederike Meier
    VonFriederike Meier
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  • Felix Lill
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Polizei und Militär gehen in Myanmar gewaltsam gegen die Straßenproteste vor. Durch den Einsatz scharfer Waffen werden laut UN 38 Menschen getötet.

  • Myanmar: Nach dem Militärputsch in Myanmar demonstrieren Menschen für Demokratie und die Freilassung von Staatsrätin Aung San Suu Kyi.
  • Demonstrationen in Myanmar: Die UN berichten von 38 von den Sicherheitskräften erschossenen Menschen.
  • Militärputsch in Myanmar: De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi ist erneut vor Gericht.

Update vom Donnerstag, 04.03.2021, 6.47 Uhr: „Heute war der schwärzeste Tag seit dem Putsch am 1. Februar“, sagte die UN-Sonderbeauftragte Christine Schraner Burgener, angesichts von 38 Menschen, die am Mittwoch (03.03.2021) bei Protesten in Myanmar von Sicherheitskräften getötet worden sind. Auf Videos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie Polizist:innen wahllos auf Menschen zielten und Leichen über den Boden schleiften, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Auch Schraner Burgener berichtete von „sehr verstörenden“ Videos, auf denen Gewalt und das offensichtliche Erschießen eines Protestierenden zu sehen gewesen sei. „Es scheint so, dass die Polizei Waffen wie Neun-Millimeter-Maschinenpistolen, also scharfe Munition, einsetzt.“

Viele Tote gab es erneut in der früheren Hauptstadt Rangun, einem der Zentren der Proteste gegen den Militärputsch. „Etwa sechs Militärfahrzeuge sind auf eine Brücke gefahren, unter der wir uns befanden und friedlich demonstrierten“, sagte Min Han Htet, der Präsident einer örtlichen Studentenvereinigung, der dpa. „Es waren Soldaten der Armee, und sie haben einfach auf uns geschossen.“ Mehrere Teilnehmer:innen seien direkt vor seinen Augen gestorben. „Wir dachten, sie würden mit Gummigeschossen auf uns zielen, aber es war scharfe Munition“, sagte der 22-Jährige.

Auch in der Stadt Mandalay halten die Proteste gegen den Militärputsch in Myanmar weiterhin an.

Myanmar: 38 Menschen bei Protesten gegen Militärputsch getötet

Update vom Mittwoch, 03.03.2021, 18.35 Uhr: Bei Protesten gegen die Militärjunta in Myanmar sind am Mittwoch nach Angaben der UNO 38 Menschen getötet worden. Das Land habe somit den „blutigsten“ Tag seit dem Militärputsch am 1. Februar erlebt, sagte die UN-Gesandte Christine Schraner Burgener bei einer Video-Pressekonferenz. Insgesamt seien seit Beginn der Proteste mehr als 50 Menschen getötet worden.

Myanmar: Polizei geht immer härter gegen Proteste vor - asiatische Staaten üben Kritik an Militärjunta

Update vom Dienstag, 02.03.2021, 17:03 Uhr: Auch am Dienstag hat die Polizei in Myanmar wieder mit Gewalt auf die Proteste gegen den Militärputsch reagiert. Drei Demonstrierende wurden durch Schüsse lebensgefährlich verletzt, wie die Nachrichtenagentur afp berichtet. Die Polizei habe mit scharfer Munition geschossen, verlautete aus Krankenhauskreisen.

Die medizinische Lage ist dramatisch: „Wir haben nicht genug Ärzte hier“, sagte ein Arzt aus Kale im Nordwesten Myanmars am Telefon. Ein Rettungshelfer ergänzte, rund 20 Menschen seien durch scharfe Munition sowie durch Gummigeschosse verletzt worden, als Sicherheitskräfte in Kale gegen Demonstranten vorgegangen seien.

Seit dem Militärputsch Anfang Februar reißen die Proteste nicht ab. Sie fordern die Rückkehr zur Demokratie und die Freilassung der entmachteten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Die Polizei geht immer härter gegen die Demonstrationen vor. Am Sonntag wurden nach UNO-Angaben 18 Demonstrierende getötet.

Währenddessen gibt es internationale Kritik am Vorgehen der Militäjunta: Die zehn Außenminister der Asean-Staatengruppe hielten am Dienstag ein virtuelles Treffen ab, an dem auch ein Vertreter Myanmars teilnahm. Einige Teilnehmer brachen mit den Gepflogenheiten und gaben zu den Entwicklungen in Myanmar ungewöhnlich scharfe Kommentare ab. So sagte etwa Indonesiens Außenministerin Retno Marsudi nach der Konferenz, der „gute Wille“ der Asean-Staaten sei wertlos, wenn Myanmar „seine Tür nicht öffnet“. Sie forderte die Freilassung der politischen Häftlinge.

Nach Militärputsch in Myanmar: 18 Menschen bezahlen Widerstand mit ihrem Leben

Update vom Montag, 01.03.2021, 09.30 Uhr: In Myanmar sind bei landesweiten Protesten gegen den Militärputsch mindestens 18 Menschen getötet und mehr als 30 weitere Personen verletzt worden. Dies gaben die Vereinten Nationen in einer Mitteilung am Sonntag bekannt. Es ist der tödlichste Tag, seit das Militär sich am 1. Februar an die Macht geputscht hat. Nach Angaben der UN schossen Sicherheitskräfte in den beiden größten Städten Rangun und Mandalay sowie in Dawei, Bag, Myeik und Pokokkuo mit scharfer Munition auf Menschenmassen. 

Derweil wurde Myanmars entmachtete De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi am Montag vor Gericht wegen zwei weiterer Vergehen beschuldigt. Die Friedensnobelpreisträgerin solle wegen „Anstiftung zum Aufruhr“ und wegen eines Verstoßes gegen ein Telekommunikationsgesetz angeklagt werden, sagte ihr Anwalt vor Reportern in der Hauptstadt Naypyidaw. Die 75-Jährige, die seit ihrer Festnahme beim Militärputsch am 1. Februar nicht in der Öffentlichkeit zu sehen war, war per Video in den Gerichtssaal geschaltet worden.

„Wir können nicht mit Sicherheit sagen, wieviele weitere Verfahren Aung San Suu Kyi erwarten werden“, sagte ihr Anwalt Khin Maung Zaw. „Alles kann in diesem Land in dieser Zeit passieren.“ Die nächste Anhörung wird am 15. März erwartet.
 

Lage in Myanmar eskaliert: Mehrere Tote nach Polizeieinsatz

Update vom Sonntag, den 28.02.2021, 11.55 Uhr: Die Zahl der Todesopfer bei den heutigen Demonstrationen in Myanmar hat sich auf sechs erhöht. In der südlichen Küstenstadt Dawei wurden drei Männer erschossen, als neben Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschossen auch scharfe Munition eingesetzt wurde, wie der Sanitäter Pyae Zaw Hein der Nachrichtenagentur AFP sagte. 

In der Stadt Bago wurden nach Angaben eines Rettungswagenfahrers zwei Jugendliche erschossen. Auch Lokalmedien meldeten den Tod der beiden 18-Jährigen. Ein weiterer Mensch wurde in der Wirtschaftsmetropole Rangun getötet, wie ein Abgeordneter der durch die Streitkräfte abgesetzten Regierung im Online-Dienst Facebook mitteilte.

Auch in anderen Städten berichteten Augenzeugen von der zunehmenden Brutalität der Einsatzkräfte gegen friedliche Demonstranten.

Update vom Sonntag, den 28.02.2021, 09.00 Uhr: Am Wochenende gingen erneut Tausende Menschen in Myanmar auf die Straße, um gegen den Militärputsch in Myanmar zu demonstrieren. Nach Angaben der Agence France-Press setzte die Polizei Gummigeschosse und Tränengas gegen Demonstrant:innen in Yangon ein. Laut Informationen der Afp und lokalen Medien zufolge starben infolge der Einsätze gegen Demonstrationen in Myanmar drei Männer in der südlichen Stadt Dawei, zwanzig weitere Menschen wurden verletzt. Ein weiterer Mann wurde in Yangon, der größten Stadt in Myanmar, bei dem Polizeieinsatz gegen Demonstrant:innen getötet sowie Dutzende Menschen verletzt.

Demonstrationen gegen Militärputsch in Myanmar: Vier Tote infolge von Polizeieinsätzen

In den Sozialen Medien kursierten Videoaufnahmen von verletzten Demonstrant:innen in Myanmar. Es seien mehr als 140 Menschen festgenommen worden, wie es aus Polizeikreisen hieß. Unter den Festgenommenen sollen laut Afp auch zwei Reporter der Agenturen Associated Press und Myanmar Pressphoto sowie ein Videojournalist von Myanmar Now sein. Zuvor hatte der Botschafter Myanmars bei den Vereinten Nationen, Kyaw Moe Tun, an die Weltgemeinschaft appelliert, entschlossen zu handeln, um die Militärregierung in Myanmar zu beenden.

Die Gewalt der Polizei in Myanmar eskaliert immer mehr.

Militärputsch in Myanmar: Der Buddhismus in Myanmar und Gewalt im Namen der Spiritualität

Erstmeldung vom Freitag, den 26.02.2021, 09.00 Uhr: Rangun - Buddhistische Nationalistinnen und Nationalisten unterstützen offen das Putschregime in Myanmar. Sie sprechen von einer Bedrohung des Spirituellen durch die Demokrat:innen. So plädieren Vertreter:innen einer Glaubensrichtung, die anderswo für ihren Pazifismus geschätzt wird, auch für Gewalt.

Mittlerweile gehen in dem Land Millionen Menschen gegen den Putsch in Myanmar auf den Straßen. „Rettet Myanmar“ fordern ihre Plakate und: „Lasst Aung San Suu Kyi frei.“ Sie marschieren, fahren auf Mopeds, treffen sich als Berufsgruppen oder in den Fakultäten ihrer Unis, bilden so Demonstrationsblöcke. Auch durch die festen Bande sozialer Zugehörigkeiten schafft es die Demokratiebewegung in Myanmar, seit Wochen immer mehr Demonstrierende zu mobilisieren. Was sie wollen, ist klar: die Anerkennung der Wahl vom November, als die Demokratie-Ikone und Staatsrätin Aung San Suu Kyi gut 80 Prozent der Stimmen in Myanmar gewann.

Myanmar: Das Militär in Myanmar putschte sich an die Macht

Doch das Militär in Myanmar, das sich Anfang Februar mit einem bisher nicht weiter konkretisierten Vorwurf des Wahlbetrugs an die Macht putschte, will davon nichts wissen. Seit mehr als drei Wochen befindet sich das südostasiatische Entwicklungsland im Ausnahmezustand. Panzer rollen, Schüsse fallen, Menschen sterben. Einige Gebäude brennen, andere schließen, Informationskanäle werden gekappt. Und eigentlich dürfte das Militär in Myanmar langfristig kaum eine Chance haben: Schließlich ist offensichtlich eine erdrückende Mehrheit gegen eine weitere Ära der Diktatur mit Waffengewalt in Myanmar.

Doch im 54-Millionen-Land hat auch das Militär Sympathisant:innen. Nachdem Ende Januar der Oberste Befehlshaber Min Aung Hlaing einen Putsch nicht mehr hatte ausschließen wollen, waren rasch buddhistische Mönche auf die Straßen in Rangun gestürmt, der größten Metropole von Myanmar, um die Absetzung der demokratischen Regierung zu fordern. Schließlich sei unter Aung San Suu Kyis Partei NLD (Nationale Liga für Demokratie) der „nationale Geist“ nicht geschützt. Unter dem Militär, deren Würdenträger buddhistische Nationalisten zuvor hofiert hatten, würden die Aussichten besser.

In Myanmar fanden erneut Demonstrationen gegen den Militärputsch statt. Fünf Menschen starben nach dem Einsatz der Polizei gegen Demonstranten in Myanmar.

Militärputsch in Myanmar: Welche Rolle spielt der Buddhismus in Myanmar

Myanmar ist ein diverses Land, ist Heimat mehrerer Religionen und Kulturen. Allerdings fühlen sich rund 90 Prozent der Menschen dem Buddhismus zugehörig, den man in westlichen Ländern meist mit Pazifismus und Toleranz in Verbindung bringt. Schließlich gilt als oberstes Ziel in der buddhistischen Denkweise das Ablegen jedes Verlangens. In Myanmar aber wird der Buddhismus nicht nur als Anleitung für ein individuelles Leben verstanden, sondern auch als identitätsstiftend für das ganze Land.

Der nationalistische Teint des Buddhismus in Myanmar wird auch mit der britischen Kolonialherrschaft im Land erklärt, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert begann und nach einer kurzen Unterbrechung durch japanische Dominanz 1948 endete. Zur Sicherung der Kontrolle im damaligen Burma brachte die britische Krone indische Muslim:innen und Hindi ins Land, die im Dienst des Kolonialreichs arbeiten sollten. Dort wurden besonders die muslimischen Gläubige als Bedrohung für die burmesische Lebensweise angesehen. Auf das Ende der britischen Herrschaft folgten vermehrt bewaffnete Konflikte zwischen ethnischen Gruppen.

LandMyanmar
HauptstadtNaypyidaw
Staats- und RegierungsformRepublik mit parlamentsgebundener Exekutivgewalt
Bevölkerung: 53,71 Millionen

Myanmar: 1962 übernahm das Militär in Myanmar schon einmal die Macht

Als 1962 das Militär in Myanmar die Macht übernahm und für ein halbes Jahrhundert regieren sollte, wurden zwar auch Buddhist:innen kleingehalten. In den letzten Jahren aber, als im Zuge der Demokratisierung in Myanmar auch die Presse- und Meinungsfreiheit gestärkt wurde, gewannen insbesondere nationalistische Buddhistinnen und Buddhisten an Aufmerksamkeit. Die Hardliner unter ihnen riefen zur gewaltsamen Unterdrückung und Vertreibung der muslimischen Minderheit der Rohingya in Myanmar auf, im Einklang mit dem Militär. Zuletzt wurde der Oberste Befehlshaber Min Aung Hlaing, der für die Unterdrückung der Rohingya maßgeblich verantwortlich ist, auch mit einem Orden einer nationalistischen buddhistischen Organisation ausgezeichnet.

Dabei sind die Vertreter des Buddhismus in Myanmar nicht per se auf der Seite des Militärs. Unter den Gegner:innen des Putsches in Myanmar befinden sich dieser Tage auch Mönche. Und sie marschieren nicht zum ersten Mal für Demokratie. Schon bei Protesten im Jahr 2007, die später als Safran-Revolution bezeichnet wurden und maßgeblich zur Demokratisierung von Myanmar beitrugen, spielten buddhistische Mönche eine zentrale Rolle. Heute halten sie in rote Gewänder gekleidet Schilder auf Englisch hoch: „Reject Military Coup“: Wir lehnen den Militärputsch ab.

Militärputsch in Myanmar: Demonstrationen für die Freilassung von Aung San Suu Kyi

Die Annahme aber, dass andererseits die nationalistischen Buddhisten in Myanmar eine international einmalige Kombination von Buddhismus und Gewalt darstellen, wäre ebenso ein Irrtum. So nahmen buddhistische Mönche zum Beispiel eine wichtige ideologische Rolle in der japanischen Expansionsstrategie während des Zweiten Weltkriegs ein.

Und in Myanmar? „Der Oberste Befehlshaber könnte die nationalistischen Buddhisten an die Macht bringen“, schätzt Soe Myint, Gründer und Chefredakteur des unabhängigen Medienunternehmens „Mizzima“, das seit dem Putsch in Myanmar aus dem Untergrund berichtet. Die nationalistische Spielart des Buddhismus werde in Myanmar zwar nur von einer kleinen Minderheit unterstützt. Aber die Erzählung der durch die Demokratinnen und Demokraten bedrohten Spiritualität des Landes könne dem Putsch, für den ansonsten wenig Legitimität zu finden ist, auch einen ideologischen Anker geben. (Felix Lill, mit afp)

Rubriklistenbild: © Kaung Zaw Hein/imago

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