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Proteste

Ausschreitungen in Myanmar: Erstes Todesopfer – Symbolfigur der Protestbewegung stirbt

  • vonFelix Lill
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Die Menschen wehren sich auf der Straße und mit Hacker-Angriffen gegen die Militärputschisten. Die setzen viel daran, das Internet abzuriegeln.

  • Die Unruhen in Myanmar nehmen kein Ende.
  • Nun gab es ein erstes Todesopfer.
  • Darüber hinaus spielt sich der Kampf auch im digitalen Raum ab.

Update vom Freitag, 19.02.2021, 13.50 Uhr: Bei den Protesten nach dem Militärputsch in Myanmar gibt es ein erstes Todesopfer. Mehr als eine Woche, nachdem ihr bei einer Demonstration in Naypyidaw in den Kopf geschossen worden war, starb eine 20-Jährige jetzt im Krankenhaus. Die junge Mya Thwate Thwate Khaing war seit dem Vorfall zu einer Symbolfigur der Proteste geworden. Ihr Tod löste große Anteilnahme im Land aus.

Die Leiche der jungen Frau sei zur Obduktion geschickt worden, sagte ein Krankenhausarzt. Da ihr Tod durch einen „Akt der Rechtlosigkeit“ verursacht worden sei, werde der Fall untersucht. „Bitte schließt euch alle der Protestbewegung an, damit wir mehr Erfolg haben. Das ist alles, was ich sagen will“, sagte die Schwester der Toten, Poh Poh.

Die junge Verkäuferin war zu einer Symbolfigur der Protestbewegung geworden. Im Internet kursiert ein Video von dem Vorfall, der den Zorn vieler Menschen erregt hat. Ein 15 Meter großes Plakat der 20-Jährigen, das den Moment zeigt, in dem sie angeschossen wurde, hängt wie ein Mahnmal über einer Brücke in der einstigen Hauptstadt Rangun.

Myanmar: So wird der Kampf digital ausgetragen

Erstmeldung vom Donnerstag, 18.02.2021, 17.05 Uhr: Mandalay – Zweieinhalb Wochen nach dem Militärputsch spielen sich die Unruhen in Myanmar längst nicht mehr nur auf den Straßen ab, sondern auch im digitalen Raum. Mal wird das Internet abgestellt, im Gegenzug werden Regierungsseiten gehackt. Ein Cyberkrieg hat begonnen.

Myanmar: Soldaten reagieren mit Wasserwerfern und Schüssen

Weiterhin prangt auf den Schildern, die zwischen Zehntausenden Demonstrierenden auf den Straßen in die Luft gestreckt werden, Sprüche wie: „Stop military dictatorship“ (Stoppt die Militärdiktatur) oder „Save Myanmar“ (Rettet Myanmar). Ihnen gegenüber stehen bewaffnete Soldaten, die mal mit Wasserwerfern reagieren, mal mit Schüssen. Gewalt liegt in der Luft. Seit sich in der Nacht zum 1. Februar das Militär an die Macht des südostasiatischen Landes putschte, nehmen die Unruhen im Land kein Ende. Die Demokratieikone und erst im November als Staatsrätin wiedergewählte Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi wird festgehalten. Neben dem Vorwurf der Wahlfälschung, für den das nun machthabende Militärregime bisher keine Beweise vorgelegt hat, wird sich Suu Kyi für weitere vermeintliche Vergehen vor Gericht verantworten müssen.

Ziel von Hackern: der Staatssender MRTV, hier ein Sprecher Anfang Februar.

Allerdings genießt Aung San Suu Kyi im 54-Millionen-Land enormen Rückhalt – im Gegensatz zum Militär. Auch deshalb versuchen sich die derzeitigen Machthaber zudem durch gezielte Nutzung der Medien die Kontrolle zu sichern. So dient der staatliche TV-Sender MRTV seit Anfang Februar als Sprachrohr des Obersten Befehlshabers Min Aung Hlaing. MRTV hat durch seine Berichte zunächst den Eindruck vermittelt, im Land gebe es kaum Unruhen. Später wurde mit deutlichen Reaktionen gegen die gedroht, die sich der Macht widersetzen. Mittlerweile sollen Medien im ganzen Land die Putschisten nicht mehr als solche bezeichnen, sondern als die reguläre Regierung.

Myanmar: Kampf wütet in digitalem Raum

Längst wütet der Konflikt nicht mehr nur auf den Straßen des Entwicklungslandes, sondern auch in dessen digitalem Raum. Mehrmals hat die Regierung das Internet abgeschaltet. Vor allem auf die auf den Straßen stark vertretene junge Generation hat sie damit abgezielt. Denn die Proteste unter freiem Himmel hängen nicht unwesentlich davon ab, dass die Menschen online informiert sind. So werden über soziale Medien Aufnahmen von Schüssen der Soldaten wild geteilt. Ebenso kursiert aber seit Tagen auch das Gerücht, das Militärregime arbeite an einer neuen Firewall, die das Internet kontrollieren soll.

Dass Hilfe hierfür aus China komme, hat die chinesische Botschaft in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw diese Woche dementiert. „Völliger Unsinn und lachhaft“ seien solche Unterstellungen. Zugleich ist es zumindest kein Zufall, dass unter den Demonstrierenden on- und offline dieser Verdacht entsteht. China ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner für Myanmar. Die beiden Länder teilen sich 2000 Grenzkilometer. Auch deshalb nimmt Myanmar in Chinas globalem Infrastrukturprojekt der „Neuen Seidenstraße“ eine wichtige Rolle ein.

Myanmar: Der Kampf um Demokratie wird auch als Cyberkrieg ausgetragen

Zudem kontrolliert Chinas Regierung die Öffentlichkeit daheim mit einer Firewall. Und anders als demokratische Staaten hat sich China bisher nicht klar gegen den Militärputsch positioniert.

Gegen die zunehmenden Kontrollversuche des digitalen Raums wehren sich jedenfalls diejenigen, die die Rückkehr zur Demokratie und die Freilassung von Aung San Suu Kyi fordern. So wurden am Donnerstag die Websites der Zentralbank, des Militärs und des TV-Senders MRTV zu Zielen von Cyberattacken. Die Organisation Myanmar Hackers hatte über eine Website Links verschickt, mit denen durch viele Aufrufe Denial-of-Service-Attacken ausgelöst wurden, was die entsprechenden Websites alle zum Kollabieren brachte.

Auf seiner Facebookseite erklärte Myanmar Hackers: „Wir kämpfen für Gerechtigkeit in Myanmar. Es ist wie Massenproteste vor einer Website der Regierung.“ Seit Anfang der Proteste hat auch die Regierung schon versucht, soziale Medien zu sperren. Allerdings haben es Aktivist:innen immer wieder geschafft, diese zu umschiffen. (Felix Lill)

Rubriklistenbild: © YE AUNG THU/AFP

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