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Militärputsch in Myanmar

Myanmar: Viele Tote, zahlreiche Menschen auf der Flucht - Kriegsrecht in Yangon

Die Militärjunta in Myanmar verhängt in Teilen von Yangon das Kriegsrecht. Während die Zahl toter Demonstrant:innen wieder steigt, fliehen viele aus der Stadt.

  • Seit Februar 2021 regiert in Myanmar eine Militär-Junta.
  • Aung San Suu Kyi, die unter Arrest stehende Regierungschefin soll erneut vor Gericht gehört werden.
  • Die Gewalt gegenüber Demonstrant:innen in Myanmar nimmt weiterhin zu.

Update vom Dienstag, 16.03.2021, 9.20 Uhr: Aufgrund des immer gewaltsameren Vorgehens der Militärjunta gegen die Proteste in Myanmar haben am Dienstag (16.03.2021) zahlreiche Bewohner:innen die Stadt Yangon verlassen. Die Zeitung „The Irrawaddy“ veröffentlichte Fotos von Einwohner:innen, die auf Pritschenwagen und Tuk-Tuks aus dem verarmten Arbeiterviertel Hlaing Tharyar flohen. Der „Democratic Voice of Burma“ zufolge handelte es sich vor allem um Wanderarbeiter:innen, die in ihre Heimatregionen zurückkehrten. Die Militärjunta hatte erst kürzlich für Hlaing Tharyar und fünf weitere Viertel Yangons das Kriegsrecht verhängt.

Bei der Niederschlagung von Protesten im gesamten Land war es erst am Sonntag (14.03.2021) zum bislang blutigsten Tag seit Beginn des Putsches gekommen. Laut der Hilfsorganisation für politische Gefangene AAPP seien dabei insgesamt 74 Menschen getötet worden. Viele der Toten stammten aus dem Arbeiterviertel Hlaing Thary. Bei weiteren Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften am Montag (15.03.2021) seien AAAP zufolge mindestens 20 weitere Menschen gestorben.

Demonstrierende gegen den Putsch der Militärjunta in Myanmar sitzen am Sonntag auf einer Barrikade in Yangon.

Blutigster Tag in Myanmar mit 59 Toten - Kriegsrecht in Teilen Yangons

Erstmeldung vom Montag, 15.03.2021, 10.27 Uhr: Yangon - Nach dem brutalen Durchgreifen von Militär und Polizei gegen Demonstrationen am Wochenende spitzt sich die Lage in Myanmar weiter zu. Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPP und lokalen Medien zufolge sollen die Einsatzkräfte allein am Sonntag (14.03.2021) mehrere Dutzend Menschen getötet haben. AAPP sprach von mindestens 38 Opfern, viele Beobachter bezifferten die Zahl am Montag aber noch weit höher.

Myanmar: Gewalt gegen Demostrant:innen nimmt zu

Unter Berufung auf drei Krankenhäuser schrieb das Nachrichtenportal Myanmar Now auf Twitter von 59 Toten und 129 Verletzten allein in der ehemaligen Hauptstadt Yangon (früher: Rangun). Dort verhängte das Militär in mehreren Stadtteilen das Kriegsrecht, wie das staatliche Fernsehen mitteilte.

Die Gewalt gegen Demonstrant:innen in Myanmar nimmt weiter zu.

Auslöser könnten Brandanschläge auf mehrere chinesische Textilfabriken in Yangon sein. Zahlreiche chinesische Arbeiter seien dabei verletzt worden, teilte die chinesische Botschaft auf Facebook mit. Sie forderte die Behörden in Myanmar auf, chinesische Geschäfte und chinesische Staatsbürger zu beschützen. Unklar ist noch, wer für die Brandanschläge verantwortlich war. Mit der Verhängung des Kriegsrechts müssen Soldaten bei Einsätzen nicht mehr auf einen Befehl der Militärführung warten, sondern können in den betroffenen Vierteln schießen oder Häuser besetzen, wenn sie dies für richtig halten.

LandMyanmar
HauptstadtNaypyidaw
Staats- und RegierungsformRepublik mit parlamentsgebundener Exekutivgewalt
Unabhängigkeit4. Januar 1948
StaatsoberhauptMin Aung Hlaing (faktischer Machthaber), Myint Swe (kommissarisch)
Regierungschef:invakant
Einwohner:innen54,0 Millionen

Myanmar: Das Militär hat Angst vor Peking

„Das Militär hat Angst vor der chinesischen Regierung, deshalb will es Eigentum Chinas beschützen, nicht aber die Leben von uns Zivilisten“, sagte Nay Min Khant, ein Bürger aus Yangon, der dpa. Der Demonstrant Htoo Htoo betonte: „Die Zahl der Toten von gestern liegt viel höher, als wir bisher wissen. Einige Leichen wurden in Krankenhäuser gebracht, andere haben die Familien mit nach Hause genommen.“

Die Militärjunta hatte nach dem Putsch vom 1. Februar 2021 einen einjährigen Ausnahmezustand verhängt. Die Demonstrant:innen fordern ihrerseits die Rückkehr zu demokratischen Reformen, die Freilassung der unter Hausarrest gestellten Regierungschefin Aung San Suu Kyi und die Wiedereinsetzung ihrer zivilen Regierung. Die 75-Jährige hatte die Parlamentswahl im November 2020 klar gewonnen. Der UN-Berichterstatter Tom Andrews äußerte sich bezüglich der Junta-Führer in Myanmar. Diese gehörten „nicht an die Macht, sie gehören hinter Gitter“.

Suu Kyi in Myanmar in Hausarrest: Anhörung vorerst verschoben

Eine für Montag geplante neue Anhörung Suu Kyis musste derweil wegen fehlenden Internet-Zugangs auf den 24. März verschoben werden, wie das Portal Eleven Myanmar unter Berufung auf den Anwalt der Politikerin schrieb. Das Militär hatte das Internet zu Wochenbeginn in weiten Landesteilen sperren lassen, das Netz funktionierte etwa in Yangon nur sporadisch.

Suu Kyi wird bei ihren Anhörungen jeweils per Video dem Gericht zugeschaltet. Ihr werden mehrere Vergehen zur Last gelegt, darunter Verstöße gegen die Außenhandelsgesetze des Landes. Bei den ersten beiden Justizterminen war kein Anwalt zugelassen. (ktho mit dpa)

Rubriklistenbild: © Thuya Zaw/imago

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