Wie viele „Kuckuckskinder“ es in Deutschland gibt, ist unklar. Studien schätzen: bis zu zehn Prozent aller Kinder.
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Wie viele „Kuckuckskinder“ es in Deutschland gibt, ist unklar. Studien schätzen: bis zu zehn Prozent aller Kinder.

Schein-Vaterschaft

Mutter, Vater, Kuckuckskind

  • Melanie Reinsch
    vonMelanie Reinsch
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Ein Gesetz soll die Rechte von „Scheinvätern“ stärken. Experten halten es für angemessen und gerecht.

Eine Frau, sie ist gerade schwanger geworden, heiratet ihren Freund. Doch schon kurze Zeit später trennt sich das Paar. 2007 wird das Kind geboren, der Mann erkennt die Vaterschaft an, kommt für den Unterhalt des Kindes auf – er denkt, es sei sein eigenes Kind. Die Ehe wird geschieden. Drei Jahre später gesteht die Frau ihrem Ex-Mann, dass er nicht der leibliche Vater sei. Der „Scheinvater“ will sein Geld zurück – vom leiblichen Vater. Schon seit 2007 gibt es dazu ein Gesetz. Doch dazu muss der Erzeuger erst einmal bekannt sein. Der „Scheinvater“ versucht, von seiner Ex-Frau zu erfahren, wer der wirkliche Vater ist. Doch die schweigt.

Das schleswig-holsteinische Oberlandesgericht will die Mutter dazu verpflichten, ihrem Ex-Ehemann den biologischen Vater des Kindes zu nennen. Die Frau klagt dagegen. Und gewinnt: Das Bundesverfassungsgericht entschied 2015, dass die Mutter nicht dazu verpflichtet sei, den Namen des biologischen Vaters zu verraten. Begründung: Die Regressansprüche des Vaters wiegen weniger schwer als die Persönlichkeitsrechte und die Intimsphäre der Frau. Für diese Auskunftspflicht sei außerdem eine gesetzliche Grundlage nötig, die es im deutschen Recht aber bisher so nicht gebe. Das Urteil wurde als herber Rückschlag für Männer mit „Kuckuckskindern“ aufgenommen.

Nun hat das Bundeskabinett am Mittwoch einen Gesetzesentwurf von Justizminister Heiko Maas (SPD) beschlossen, der die Rechte dieser Männer stärken soll: Frauen sollen demnach verpflichtet werden, den Namen des Erzeugers ihres Kindes zu nennen. Unterhaltsnachzahlungen können aber nur für zwei Jahre geltend gemacht werden.

Fälle landen selten vor Gericht

Eva Becker, Rechtsanwältin und Mitglied im Deutschen Anwaltsverein, hält das Gesetz von Maas für angemessen und gerecht. Denn eine Frau würde mit einem „Kuckuckskind“ viel Verantwortung und Unterhaltsverpflichtungen in eine Beziehung tragen – auch wenn die Zahl der Fälle, die vor Gericht landen, „verschwindend gering“ sei. Auch eine Begrenzung dieser Zahlung auf zwei Jahre hält Becker für gerecht. Rückzahlungen über mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte könnten einen Mann finanziell in große Not bringen. Denn dieser habe ja im Zweifel nicht mal gewusst, dass er Vater sei. Mit dem Gesetz seien alle Interessen berücksichtigt, sagt Becker. Die Anwältin hat in den vergangenen Jahren allerdings nur etwa zwei vergleichbare Fälle erlebt.

Denn solche „Kuckuckskinder“-Fälle kämen selten ans Licht. Wie viele es in Deutschland gibt, ist unklar. Angaben in Studien schwanken zwischen unter vier und bis zu zehn Prozent aller Kinder. Meist kämen solche Fälle durch medizinische Untersuchungen heraus oder wenn das Kind äußerlich ganz anders aussehe als die Eltern, sagt Becker: „Man kann sich daher natürlich schon fragen, wie relevant dieses Gesetz nun ist. Nur: Wenn es einen ‚Scheinvater‘ trifft, kann das sehr heftig für ihn werden. Zu Recht fragt der Gesetzgeber nicht, ob er nun ein Massenphänomen regelt oder nur Inselprobleme aufgreift. Das ist gesellschaftspolitisch eben schon ein relevantes Thema.“

Wenn eine Frau die Auskunftspflicht verweigert, kann ein Ordnungsgeld drohen. „Bis zu 25 000 Euro in Extremfällen“, sagt Becker. Kann das nicht gezahlt werden, wäre theoretisch in Einzelfällen auch eine Ordnungshaft möglich. Eine Frau darf die Auskunft verweigern, wenn die Nennung des Namens des leiblichen Vaters für sie „unzumutbar“ sei, wie es im Entwurf heißt.

Das kann der Fall sein, wenn sich die Frau dadurch „selbst der Strafverfolgung aussetzen“ würde – zum Beispiel, wenn sie das Kind mit ihrem Bruder gezeugt hat. Oder wenn der „Scheinvater“ vorher schon zu erkennen gegeben hat, dass er die Vaterschaft ohnehin aufrechterhalten will.

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