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FDP-Chef Christian Lindner.

FDP

Zerknirschung ja, Depression nein

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Direkt nach Thüringen schien es, als sei alles möglich, was die Zukunft oder Nicht-Zukunft von Lindner in der FDP angeht. Die Bürgerschaftswahl in Hamburg macht es nicht einfacher.

Bei der FDP in der Hansestadt nahm das Desaster existenzielle Züge an. „Die FDP muss zittern“, heißt es bei der ersten Prognose, die über die Fernsehbildschirme läuft. Und doch gibt es im Hans-Dietrich-Genscher-Haus, der FDP-Zentrale, recht wackeren Applaus, wohl auch, weil die AfD schlechter liegt. FDP-Chef Christian Lindner wird bald darauf einräumen, dass das Ergebnis auf jeden Fall eine Niederlage ist. Und sich bei den Wählern bedanken, die in einer schwierigen Situation bei der FDP geblieben sind. Das Motto: Zerknirschung ja! Aber jetzt nicht in eine Depression verfallen!

Lindner hatte sich in Folge der Ereignisse von Thüringen zuletzt in Schadensbegrenzung versucht. Der wichtigste Auftritt Lindners vor den Bürgerschaftswahlen in Hamburg fand nicht im Wahlkampf vor Ort, sondern im Deutschen Bundestag in Berlin statt. „Wir sind beschämt“, sagte FDP-Chef Christian Lindner dort mit Blick auf die Wahl von Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten. Beschämt, weil man der AfD ermöglicht habe, die FDP und darüber hinaus die Demokratie zu verhöhnen.

Gerade die Wahlkämpfer in Hamburg sahen wegen des öffentlichen Protests gegen die FDP nach den Ereignissen von Thüringen nämlich ihre Chancen schwinden. In vielen Städten wurde vor FDP-Geschäftsstellen demonstriert. An der Elbe wurden FDP-Plakate beschmiert. Alle in der Partei gingen davon aus: In Hamburg würde es eng für die Partei werden.

Lindner war in Folge der Thüringer Ereignisse jedenfalls unter Druck geraten. Denn auch in den eigenen Reihen fanden viele, dass sein erstes Statement direkt nach der Wahl Kemmerichs nicht klar genug war. Als Lindner Kemmerich dann einen Tag später zum Rückzug bewegte, war der Schaden für das Ansehen der FDP längst immens und der Glaubwürdigkeitsverlust riesengroß. Andererseits lag die FDP auch vor den Ereignissen von Thüringen in einer Umfrage bei fünf Prozent. Und das, obwohl die Spitzenkandidaten Anna von Treuenfels als Wahlziel ein zweistelliges Ergebnis ausgegeben hatte.

Was bedeutet das alles für Parteichef Christian Lindner? Im Fall Guido Westerwelles hat sich gezeigt, dass der Machtverfall von einstmals unumstrittenen Vorsitzenden in der FDP extrem schnell gehen kann. Direkt nach dem Vorfall von Thüringen schien es, als sei alles möglich, was die Zukunft oder Nicht-Zukunft von Lindner in der FDP angeht. Lindner musste sich in einer Sondersitzung des Vorstands viel Kritik anhören. Er ließ sich dort aber auch das Vertrauen aussprechen. Seine Strategie, schnell die Vertrauensfrage zu stellen, ist offenbar aufgegangen.

Zuletzt sah es nämlich nicht so aus, als gäbe es in der Partei jemanden, der den Machtkampf mit Lindner wagen will. Diejenigen, deren Namen oft als mögliche Parteichefs genannt wurden – der Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff und der nordrhein-westfälische Parteichef Joachim Stamp – haben klar dementiert, sie könnten Lindner ablösen wollen. Auch am Wahlabend gab es aus der Partei Signale, die lauten: Zusammenstehen! Es wurde nicht erwartet, dass jemand Lindner in den kommenden Tagen in den Gremien herausfordern würde.

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