Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Taiwan

Muskelspiele im Südchinesischen Meer

  • vonFabian Kretschmer
    schließen

Peking schickt Bomber Richtung Taiwan, Washington einen Flugzeugträger.

Zwar wartete Pekings Staatsführung nur wenige Minuten nach Joe Bidens Inauguration, um die obligatorischen Glückwünsche zu übermitteln. 12 000 Kilometer östlich begrüßte sie den neuen US-Präsidenten jedoch mit einer deutlichen Machtdemonstration: Acht Bomber, vier Kampfjets und ein U-Boot-Abwehrflugzeug hat Chinas Volksbefreiungsarmee am Samstag in die von Taiwan kontrollierte Luftraumüberwachungszone über dem Südchinesischen Meer entsandt. Am Sonntag folgte ein zweites, ähnlich prominentes Aufgebot. Dabei besteht kein Zweifel, dass der eigentliche Adressat jener militärischen Botschaft im Weißen Haus sitzt.

Der geopolitische Konflikt um Taiwan, das China als abtrünnige Provinz betrachtet und mit militärischem Zwang „wiedervereinigen“ will, lässt sich am ehesten als Tauziehen zwischen den zwei führenden Weltmächten verstehen: Sowohl Peking als auch Washington provozieren sich gegenseitig, haben aber letztlich kein Interesse an einem Krieg. Dennoch besteht aufgrund der unkalkulierbaren Eskalationsspirale die Gefahr, dass das Seil am Ende reißt. Taipeh hat sich über Jahre längst an Pekings Einschüchterungsaktionen gewöhnen müssen, doch die Provokation vom Wochenende deutet auf eine neue Dimension hin.

Auch die Antwort Bidens fällt dementsprechend deutlich aus: Die Vereinigten Staaten stünden felsenfest zu Taiwan und würden der dortigen Führung auch weiterhin bei der Selbstverteidigung helfen. China solle seinen „militärischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Druck“ auf den Inselstaat einstellen. Um dem Muskelspiel Nachdruck zu verleihen entsandte Washington den Flugzeugträger „Theodore Roosevelt“ ins Südchinesische Meer

Für Taiwans Bevölkerung, für die eine Zwangseingliederung keine abstrakte Angst darstellt, sind solche rhetorischen Beistandsbekundungen Balsam für die verunsicherte Volksseele.

Gleichzeitig darf die Frage gestellt werden, wie weit der Beistand der USA im Ernstfall wirklich reichen würde. Schließlich blieben den Amerikanern trotz aller Solidaritätsbekundungen mit der Protestbewegung in Hongkong die Hände gebunden, als Festlandchina im vergangenen Jahr die Demonstrationen – und die gesamte politische Opposition – niederschlagen ließ.

Die US-Taiwan-Allianz muss zuallererst nach dem Nutzprinzip betrachtet werden: Die Gewässer um Taiwan sind von strategisch immens wichtiger Bedeutung. Chinas Staatschef Xi Jinping hat bei dem gefährlichem Kräftemessen nie den leisesten Hauch von Schwäche erkennen lassen. Von seiner kompromisslosen Maxime wird er nicht abweichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare