Die aus zwei Bäumen bestehende Skulptur „Untitled“ von Ariel Schlesinger bestimmt den Innenhof des Neuen Jüdischen Museum in Frankfurt.
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Die aus zwei Bäumen bestehende Skulptur „Untitled“ von Ariel Schlesinger bestimmt den Innenhof des Neuen Jüdischen Museum in Frankfurt.

Ausstellungsräume

„Museum ohne Mauern“ für alle

Das Jüdische Museum Frankfurt hat sich vergrößert.

Der Baum wächst kopfüber mit den Wurzeln in den Himmel und klammert seine Äste in die Äste eines aufrecht stehenden Baumes. Aber auch der ist nicht fest im Boden verankert, er schwebt vielmehr leicht darüber. Der eine sucht seinen Halt im Himmel, der andere im luftleeren Raum über der Erde. Die Bäume stehen für das Leben der jüdischen Gläubigen, die oft verfolgt und heimatlos wurden.

Die Alu-Skulptur von Ariel Schlesinger, ein Symbol für Entwurzelung und neue Verbundenheit, steht zwischen Alt- und Neubau des Jüdischen Museums. Im Palais von 1820 wohnte einst Bankier Mayer Amschel Rothschild; dort wurde 1988 das erste jüdische Museum der Bundesrepublik eröffnet. Der Neubau verdoppelt dessen Fläche.

Der Neubau bietet eine öffentliche und kostenlose Bibliothek, Café, Veranstaltungssaal und 650 Quadratmeter Fläche für Wechselausstellungen. Ein lichtdurchflutetes Haus, das reizvolle Durchblicke erlaubt, von der Bibliothek ins Foyer, vom Café zur Skulptur. Das Gebäude ist sehr puristisch aus Beton errichtet, mit warm und hell strahlendem Eschenholz verkleidet.

Das Museum

Das Kombiticket für die Dauerausstellungen des Jüdischen Museums und des Museums Judengasse am Börneplatz kostet 12 Euro, das Kombiticket für alle Ausstellungen beider Museen 14 Euro. Für ein Familienticket sind 20 Euro zu zahlen. Ermäßigungen gibt es für Studierende, Auszubildende, Zivildienstleistende und Arbeitslose. Freien Eintritt haben Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre und Inhaber einer Museumsufercard.

Die Öffnungszeiten sind dienstags und donnerstags von 10 bis 21 Uhr, mittwochs, freitags, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr.

Das Flowdeli , das in seiner Küche osteuropäische, orientalische und israelische Einflüsse verarbeitet, hat die gleichen Öffnungszeiten. Auch die Literaturhandlung von Rachel Salamander hat die gleichen Öffnungszeiten.

Mit Öffentlichen zu erreichen ist das Museum am Berta Pappenheim-Platz 1 mit Straßenbahnen der Linien 11, 12 und 14 und den U-Bahnen U1, 2, 3, 4, 5 und 8. Haltestelle: Willy-Brandt-Platz. jg

Der Altbau wurde während der fünfjährigen Schließung aufwendig restauriert und ist nun das „erste Ausstellungsstück des Museums“, sagt Direktorin Mirjam Wenzel. So sind jetzt drei repräsentative Salons wieder in voller Pracht zu bewundern. Auch sie dienen als Ausstellungsräume, ist doch im Palais die Geschichte der Juden von 1800 bis heute zu verfolgen. Die neue Dauerausstellung beginnt in der dritten Etage mit der Gegenwart und endet mit der Zeit um 1800, als die Frankfurter Juden nicht mehr in der engen Judengasse leben mussten, sondern sich frei in der Stadt niederlassen durften.

Im Haupthaus will Mirjam Wenzel ein „Museum ohne Mauern“ bieten und es für alle Menschen öffnen, betonte sie gestern vor der Presse. Von diesem Mittwoch an ist das Haus zugänglich. Bisher war etwa ein Fünftel des Publikums jüdischen Glaubens, die anderen Besucher und Besucherinnen vertraten entweder einen anderen oder gar keinen Glauben – diese Gäste kommen mit anderen Fragen ins Haus, so Wenzel.

Das Museum wurde in den vergangenen fünf Jahren, seitdem Wenzel das Haus leitet, programmatisch erneuert. Sie setzt stärker auf die Gegenwart und will mit vielen persönlichen Geschichten die Historie der Jüdinnen und Juden erzählen. Natürlich geht es dabei auch um Anne Frank, die als 13-jähriges Mädchen im Amsterdamer Versteck ihr heute weltberühmtes Tagebuch begann. Von der Frankfurter Familie Frank zeigt das Museum nur einen Teil der 1300 eigenen Objekte. Friedrich Schafranek hat das KZ überlebt und bewahrte seine gestreifte Häftlingsjacke auf, die nun zu sehen ist.

Das Museum erzählt aber nicht nur Geschichten, die in den Vernichtungslagern endeten, sondern dokumentiert auch das neue, selbstbewusste Leben nach 1945 oder stellt Zeremonien und Rituale der jüdischen Kultur vor. Die erste Wechselausstellung vom 23. Oktober an heißt „Die weibliche Seite Gottes“. Sie zeigt, dass Göttinnen lange in den Religionen eine große Rolle spielten, bis sie verdrängt wurden.

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