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Offizielle grüßen Präsident Mohammed Mursi, nachdem er sein eigenes Freitagsgebet beendet hat.
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Offizielle grüßen Präsident Mohammed Mursi, nachdem er sein eigenes Freitagsgebet beendet hat.

Ägypten

Mursi legt Amtseid auf Tahrir-Platz ab

  • Julia Gerlach
    VonJulia Gerlach
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Einen Tag vor seiner geplanten Vereidigung hat Ägyptens gewählter Präsident Mohammed Mursi entgegen der Anordnung des regierenden Militärrats auf dem Kairoer Tahrir-Platz den Amtseid abgelegt. Tausende Menschen feiern mit ihm.

„Ich schwöre bei Gott, dass ich Ägyptens Gesetze achten, den Frieden wahren und die Verfassung schützen werde“, rief Mohammed Mursi ins Mikrophon und erntete gewaltigen Jubel von mehreren Zehntausend Menschen auf dem Tahrir-Platz. Sie freuten sich nicht nur darüber, dass sie jetzt zum ersten Mal in der Geschichte einen frei gewählten Präsidenten haben. Sie feierten auch, dass Mursi sich traut, der Militärregierung die Stirn zu bieten. Eigentlich war sein Amtseid nämlich erst für diesen Samstag geplant, vorm Verfassungsgericht. Seit Tagen wurde darüber verhandelt, wie und wo der neue Präsident eingeschworen wird und in welcher Form der Militärrat ihm die Macht übergibt. Eigentlich hätte Mursi den Eid im Parlament leisten sollen, doch das wurde vorvergangenen Woche aufgelöst. Deshalb das Verfassungsgericht.

Dies wurde allerdings von vielen Revolutionären wie von den Muslimbrüdern abgelehnt, weil es einer Anerkennung der Parlamentsauflösung gleichgekommen wäre. Und nicht nur das: Mursi erkenne auf diese Art auch die Verfassungsergänzung an. Sie wurde von den Generälen am Tag der Wahl erlassen und sie beschneidet stark die Macht des Präsidenten.

„Es hat lange Verhandlungen gegeben und dann wurde der Kompromiss gefunden, dass Mursi zwar am Samstag vor dem Verfassungsgericht vereidigt wird, aber zuvor, am Freitag auf dem Tahrir seine Rede hält“, erklärt Mahmoud Fahmy, Richter am höchsten Verwaltungsgericht.

Aber Mursi ließ sich den Moment des Triumphes nicht nehmen: „Es gibt keine Macht, die über Eurem Willen steht! Und niemand außer Euch kann meine Macht einschränken“, rief er den Menschen zu. Er versprach, die Interessen der Ägypter über alles andere zu stellen. Freiheit, soziale Gerechtigkeit und die Würde Ägyptens sollten sein Handeln bestimmen. Er schickte die schwer bewaffneten Republikanischen Garden weg, die seit dem Wahlsieg für seine Sicherheit zuständig sind und zeigte den Menschen, dass er anders als Husni Mubarak keine Panzerweste trägt. „Ich fürchte mich nicht, und meine Tür ist immer für Euch offen.“

Mursi kündigte an, internationale Verträge einzuhalten und sich um gute Beziehungen mit der Weltgemeinschaft zu bemühen. Allerdings dürfe dies nicht zu Lasten der Interessen Ägyptens gehen. Er sprach nicht davon, dass er das Land islamisieren wolle, aber ganz am Ende seiner Rede machte er offensichtlich ein Zugeständnis an seine Unterstützer aus dem radikal-islamischen Lager. Er versprach, den seit 1993 wegen Terrorverdacht in den USA inhaftierten blinden Scheich Omar Abdel Rahman nach Ägypten zurückzuholen.

Mit dieser Rede hat sich Mursi zum Präsidenten gemacht. Lange wirkte er nur wie ein Kandidat wider Willen, allein aus Machttaktik aufgestellt. Nun wird er mit Gamal Abdel Nasser und anderen Helden der ägyptischen Geschichte verglichen.

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