Hat die Bundeswehr noch den Überblick über ihre Waffenlager? Munitionsdepot in Köppern. 
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Hat die Bundeswehr noch den Überblick über ihre Waffenlager? Munitionsdepot in Köppern. 

Überblick verloren

Munitionsklau bei der Bundeswehr

  • Jörg Köpke
    vonJörg Köpke
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Das Verteidigungsministerium gibt zu: Beschlagnahmte Waffenteile im Fall Franco A. gehörten zum Armeebestand.

Dem Verteidigungsministerium fehlt der Überblick über den Verbleib von Munition und Waffenteilen nach Übungen der Bundeswehr. Die im Zuge von Terrorermittlungen im Fall des unter Terrorverdacht stehenden Bundeswehroffiziers Franco A. bei einem weiteren Beschuldigten „gefundenen Gegenstände wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit bei unterschiedlichen Ausbildungs- und Schießvorhaben unter fälschlicher Angabe des Verbrauchs entwendet, so dass im Rahmen des Nachweises kein offenkundiges Fehl aufgetreten ist und diese Gegenstände dementsprechend auch nicht als vermisst gemeldet wurden“, heißt es in einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vorliegt.

Laut Verteidigungsstaatssekretär Hans-Georg Engelke wurde anhand der Losnummern festgestellt, dass Teile der später gefundenen Munition „aus Beständen der Bundeswehr stammten“.

Fall Franco A.: Hunderte Schuss Munition sichergestellt

Eine handschriftlich ausgefüllte Liste des Bundeskriminalamtes, die dem RND vorliegt, umfasst vier Seiten. Unter anderem mehrere Hundert Schuss Munition, Zünder und Übungshandgranaten stellten die Ermittler im April 2017 bei dem damaligen Studenten Mathias F. sicher. Eine Holzkiste mit 480 Schuss Scharfschützenmunition war noch originalverpackt. Sie stammte laut Aufschrift aus dem Depot Wulfen in Nordrhein-Westfalen – einem der vier Munitionsversorgungszentren der Bundeswehr.

Linken-Innenexpertin Martina Renner forderte das Verteidigungsministerium auf, die Kontrollmechanismen zu verschärfen und nicht ausschließlich auf die Aussagen von Soldaten nach Übungen zu vertrauen. „Zwei Dinge müssen sich grundlegend ändern: Jede Waffe, jede Granate und jede relevante Menge Munition, die bei der Bundeswehr entwendet wird, muss angezeigt und Polizei sowie Staatsanwaltschaft müssen tätig werden“, sagte Renner dem RND. „Bei Ermittlungen wegen Vorbereitung eines terroristischen Anschlags darf die Frage der Tatmittel nicht so vernachlässigt werden, wie dies im Fall Franco A. offenbar wird.“

Ermittler hatten im April 2017 das Zimmer von Mathias F. in einem hessischen Studentenwohnheim durchsucht und dabei die Kisten der Bundeswehr gefunden. Mathias F. sagte, dass er sie nur für einen Freund verwahre und – wenig später – dass dieser Freund Franco A. heiße. Dem Oberleutnant der Bundeswehr wird von der Bundesanwaltschaft vorgeworfen, als falscher syrischer Asylbewerber Anschläge geplant zu haben, um sie anschließend Flüchtlingen anzulasten.

Prozess gegen Franco A. startet in Kürze

Im September dieses Jahres wurde der inzwischen 27-jährige Mathias F. zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Die Richter urteilten, er habe mit dem Besitz der beschlagnahmten Munition und Waffenteile gegen das Waffengesetz, das Sprengstoffgesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen. Schon bei seiner ersten Vernehmung sagte Mathias F. aus, er habe die Kisten und Kartons für Franco A. aufbewahrt, dem in Kürze der Prozess wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat gemacht wird. 

Franco A. bestreitet den Vorwurf, Mitglied eines rechtsextremen Netzwerkes in der Bundeswehr zu sein. Mathias F. äußerte sich mehrfach in Chats auf drastische Weise rassistisch und antisemitisch. Beide sind seit ihrer Jugend miteinander befreundet. Mathias F. wurde inzwischen auch zu einer Geldstrafe von 2500 Euro verurteilt.

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