Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Präsident Robert Mugabe (r.) mit seiner Frau Grace.
+
Präsident Robert Mugabe (r.) mit seiner Frau Grace.

Simbabwe

Mugabe setzt Vize ab

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
    schließen

Robert Mugabe, Präsident von Simbabwe, macht sich einen langjährigen Vertrauten zum Feind.

Mit der Absetzung und dem Parteiausschluss des zweitmächtigsten Mann Simbabwes hat dessen 93-jähriger Präsident Robert Mugabe den riskantesten Schachzug seiner über fünfzigjährigen politischen Laufbahn unternommen. Mugabe hatte den 75-jährigen Emmerson Mnangagwa zu Beginn der Woche als Vize abgesetzt und sorgte am Mittwoch auch noch für dessen Ausschluss aus der Regierungspartei Zanu/PF. Der derzeitige Aufenthaltsort des bislang als möglicher Nachfolger Mugabes gehandelten Politikers ist nicht bekannt: Es heißt, Mnangagwa habe das Land verlassen und befinde sich auf dem Weg nach Johannesburg.

Die Entmachtung des wegen seiner Verschlagenheit „das Krokodil“ genannten Vizepräsidenten steht im Zusammenhang mit dem erbittert geführten Kampf um die Nachfolge Mugabes. Als Gegenspielerin Mnangagwas hat sich in den vergangenen Jahren die 52-jährige Ehefrau Mugabes, Grace, positioniert: Sie soll nun beim Parteitag der Zanu/PF Mitte Dezember zur Nachfolgerin Mnangagwas ernannt werden. Als Begründung seines Schritts warf der Präsident seinem bisherigen Stellvertreter Verstöße gegen die „Prinzipien und Werte“ der Partei vor. Außerdem habe sich Mnangagwa zu „Propheten“ begeben, um das Sterbedatum Mugabes in Erfahrung zu bringen, sagte der Staatschef: „Jetzt ist er vorher selbst gestorben“.

Mnangagwa gehörte zu den treuesten Verbündeten des ehemaligen Befreiungsführers. Er diente ihm bereits während des Kampfs gegen die weiße Minderheitsregierung in den 70er Jahren als persönlicher Assistent. Nach der Unabhängigkeit Simbabwes 1980 wurde er Geheimdienstminister und wird gemeinsam mit Mugabe für die Massaker im Matabeleland verantwortlich gemacht, wo rund 20 000 Angehörige des Ndebele-Volks ermordet wurden. Mnangagwa nahm während der bereits 37-jährigen Regierungszeit Mugabes zahlreiche Ministerposten ein – und soll vor allem durch illegale Goldgeschäfte einer der reichsten Simbabwer geworden sein.

Mnangagwas enge Beziehungen zu den Sicherheitskräften machen seine Entmachtung seitens Mugabe zu einem Vabanque-Spiel. Beobachter schließen selbst einen Militärputsch nicht aus. Vor der Presse in Johannesburg geißelte der Vorsitzende der einflussreichen Vereinigung der Befreiungskriegs-Veteranen, Chris Mutsvangwa, die Entscheidung Mugabes: „Die ganze Nation ist entsetzt. Nun hat der senile Präsident die Macht an seine schwachsinnige Ehefrau übertragen.“

Militärputsch nicht ausgeschlossen

Grace Mugabe ist in weiten Teilen Simbabwes unbeliebt: Der in zahllose Skandale verwickelten zweiten Frau des Staatschefs werden Raffgier und ein cholerischer Charakter vorgeworfen. Bereits mit der Eheschließung habe sie einen „Coup“ geplant, so Mutsvangwa: Nun müsse Mnangagwa dafür sorgen, dass „in Simbabwe wieder demokratische Verhältnisse geschaffen werden.“ In einer schriftlichen Reaktion auf seine Entmachtung kritisierte Mnangagwa diese als „Hexenjagd von Speichelleckern ohne Auszeichnung als Befreiungskämpfer“, und kündigte seine Rückkehr an: „Ich werde euch führen.“

Indessen gab Mugabe bekannt, dass nach Mnangagwa auch dessen Unterstützer aus der Partei geworfen werden sollen. Zu diesem Zweck wurde für kommende Woche eine Sitzung des Politbüros der Zanu/PF anberaumt. Außer in den Sicherheitskräften kann Mnangagwa auch in seiner Heimatprovinz Masvingo mit breiter Unterstützung rechnen. Doch dass es zu gewalttätigen Konflikten oder einem Militärcoup kommen könnte, wollte Mutsvangwa ausschließen: „Das ist ein politisches Problem. Wir sollten das nicht militärisch lösen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare