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„Was ist hier falsch?“: Foto von CEO-Lunch auf Münchner Sicherheitskonferenz sorgt für Ärger

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Von: Delia Friess

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Das Foto von der Münchner Sicherheitskonferenz sorgt für Ärger im Netz.
Das Foto von der Münchner Sicherheitskonferenz sorgt für Ärger im Netz. © Michael Bröcker/dpa

Ein Foto von der Münchner Sicherheitskonferenz sorgt derzeit für Kritik im Netz. Es zeigt mächtige „alte, weiße Männer“ bei einem Treffen – keine Frau oder Person of Color ist dabei.

München – Auf dem Foto, das gerade viral geht, sind die Wirtschaftsspitzen am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz bei einem Mittagessen im Bayerischen Hof zu sehen. An dem CEO-Lunch der Münchner Sicherheitskonferenz nahmen dem Foto zufolge etwa dreißig Personen teil. Das Auffällige: Nur Männer sind zu sehen. Keine einzige Frau oder Person of Color sitzt mit am Tisch. Michael Bröcker, Chefredakteur von The Pioneer, schoss das Foto und postete es anschließend auf der Social-Media-Plattform Twitter. Dort sorgte es für viele Reaktionen und Kommentare, die die mangelnde Gleichstellung und Diversität kritisieren.

Als Reaktion auf das Foto schrieb die SPD-Politikerin Sawsan Chebli auf Twitter: „Dieses Bild ist wie aus einer anderen Welt. Es ist aber keine andere Welt. Es ist Realität im Jahr 2022. So sieht das CEO Lunch auf der #MSC2022 aus. Hier ist Macht und hier fehlen Frauen. Wir haben noch sehr viel zu tun.“ Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) twitterte: „Unglaublich! Dass es solche Bilder heute immer noch gibt! #MSC2022 hat da noch viel zu tun.“ Internationale Aktivistinnen, darunter auch das Centre for Feminist Foreign Policy in Deutschland, fordern seit langem eine feministischere Außenpolitik.

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj klare Forderungen an den Westen: „Wir brauchen eure Sanktionen nicht mehr, wenn Bomben fallen.“

Münchner Sicherheitskonferenz: Foto von CEO-Lunch zeigt nur „alte, weiße Männer“

Die irische Forscherin Dr. Jennifer Cassidy schrieb: „Das ist der CEO-Lunch auf der ‚MSC2022. Das ist Realität. Hier liegt die Macht. Hier werden einige der weitreichendsten Entscheidungen getroffen. Die Woche hatte eine Frau die Kühnheit mich zu fragen: ,Sie fokussieren sich zu sehr auf Gender in der Außenpolitik. Das ist doch kein Problem mehr.‘ Das ist falsch.“

Michael Bröcker, der das Foto geschossen hatte, schrieb im Anschluss auf Twitter noch: „45 Prozent der Speaker/Panelists auf der @MunSecConf sind Frauen. Immerhin. Vielleicht ist eher die deutsche Wirtschaft das Thema.“ Joe Kaeser, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Siemens, nahm auch an dem Treffen teil. Kaeser reagierte auf die Kritik und schrieb als Reaktion auf die vielen Kommentare: „Das ,vielleicht‘ kann man streichen! Nächstes Jahr machen wir das besser. Ich werde das morgen bei der Feedback Sitzung des MSC Advisory Committees ansprechen. W. Ischinger [Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Anm. d. Red.] hat Großartiges geleistet. Aber man [kann] alles verbessern. Wer noch Feedback zur MSC hat, bitte gerne melden.“

CEO-Lunch von Münchner Sicherheitskonferenz wirft Fragen nach Gleichstellung auf

Auch die Virologin Sandra Ciesek teilte das Foto auf Twitter und schrieb darunter: „Finde den Fehler beim CEO Lunch auf der MSC 2022.“ Im Anschluss erstellte sie eine Umfrage, die wohl auch auf das Fehlen von Masken und Abstandsregeln zum Schutz vor dem Coronavirus anspielte und fragt: „Was ist hier falsch? Keine Maske? Kein Abstand? Keine Frauen? Alles?“

Der Ex-Siemens-Chef Kaeser äußerte sich auch zu den Vorwürfen, keine Abstands- und Maskenregeln eingehalten zu haben: „Es herrscht 2G+ und PCR-Test jeden Morgen VOR Beginn der Sitzungen. Sonst wäre das tatsächlich verantwortungslos.“

Das Foto dürfte das darstellen, was unter der Macht von „alten, weißen Männern“ zu verstehen ist. Personen, die durch Geschlecht und Hautfarbe, aber auch oft Klassismus, Vorteile in der Gesellschaft und dadurch Macht erlangen und diese häufig wieder an ihresgleichen weitergeben. Dabei geht es nicht nur um Macht, sondern auch um Perspektiven, die durch solche Strukturen – gerade im Kontext von wichtigen Entscheidungsprozessen – nicht gesehen oder gehört werden. (df)

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