1. Startseite
  2. Politik

Münchener Sicherheitskonferenz: Ischinger unter „ernsten Vorwürfen“ verabschiedet

Erstellt:

Von: Marvin Ziegele

Kommentare

Wolfgang Ischinger während der Münchener Sicherheitskonferenz.
Wolfgang Ischinger während der Münchener Sicherheitskonferenz. © THOMAS KIENZLE/AFP

Die Sicherheitskonferenz in München ist zu Ende – doch der scheidende Vorsitzende sieht sich Vorwürfen ausgesetzt.

München – Die diesjährige Münchener Sicherheitskonferenz hat laut des scheidenden Vorsitzenden Wolfgang Ischinger eine Botschaft der „transatlantischen Einheit“ ausgesendet. Die Konferenz habe in einem „bedeutendem Moment europäischer Geschichte“ stattgefunden, sagte Ischinger am Sonntag (20.02.2022) in seiner Abschiedsrede mit Blick auf eine mögliche militärische Eskalation der Ukraine-Krise. Zugleich bedauerte er die Abwesenheit des Kremls in München. Es sei schade, dass Moskau seine Sicht der Dinge nicht dargelegt habe, sagte Ischinger.

„Wir leben unter der wachsenden Gefahr, dass sich die Sicherheitsordnung in Europa ändert. Ich hoffe, ich liege falsch“, sagte Ischinger weiter. Es habe schon andere gefährliche Momente in der Geschichte gegeben, die gut ausgegangen seien. „Nichts ist unmöglich.“

Münchener Sicherheitskonferenz: Wolfgang Ischinger soll privat verdient haben

Derweil sieht sich Ischinger Vorwürfen der Korruption ausgesetzt. Laut einer Recherche des Spiegel soll Ischinger privat an der Münchner Sicherheitskonferenz verdient haben. Ischinger wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe. An den Behauptungen sei „nichts dran“, sagte er am Freitag (18.02.2022) im ARD-Morgenmagazin. Zuvor wurde berichtet, Ischingers Beratungsfirma Agora Strategy Group habe Termine und Kontakte auf der Sicherheitskonferenz zum Verkauf angeboten. „Die Vorwürfe sind ernst. Und sie sollten von der MSC ernst genommen werden“, sagte der CEO der Organisation Transparency International, Daniel Eriksson, dem Bayerischen Rundfunk.

Der Spiegel berief sich auf vertrauliche Unterlagen des Unternehmens. Demnach habe Agora der deutschen Rüstungsfirma Hensoldt im Oktober 2021 angeboten, wichtige Personen „aus dem Teilnehmerkreis der MSC“ für die „Durchführung eines Side Events“ auszuwählen. Mit Side Events seien Treffen in den Hinterzimmern der Konferenz gemeint. Erst kürzlich sorgte auch ein Foto von der Münchener Sicherheitskonferenz für Ärger.

Wolfgang Ischinger: Termine und Kontakte verkauft?

Agora habe Hensoldt auch bei Geschäften in „Zielregionen“ wie Saudi-Arabien, Ägypten oder Libyen behilflich sein wollen, schrieb der Spiegel weiter. Die Offerte umfasste demnach unter anderem die „Hands-on Unterstützung bei der strategischen Positionierung der Interessen der Hensoldt AG“. Dabei sollten auch ein ehemaliger Staatssekretär im Auswärtigen Amt und ein pensionierter General zum Einsatz kommen.

Das Grundhonorar für die Beratungsleistungen insgesamt sollte monatlich 27.860 Euro betragen, hieß es laut Spiegel in den Firmenunterlagen. Weitere Leistungen wären extra abzurechnen gewesen, mit bis zu 600 Euro pro Stunde. Außerdem habe Agora im Erfolgsfall Provisionen haben wollen.

Münchener Sicherheitskonferenz: Ischinger gibt Vorsitz ab

Dem Bericht zufolge hatte Ischinger die Agora Strategy Group 2015 mitgegründet; heute sei er über einen Treuhänder mit dreißig Prozent beteiligt. Auch an Hensoldt halte er ein Aktienpaket und sitze im Aufsichtsrat. Hensoldt stellt Elektronik für den Verteidigungsbereich her.

Die Münchener Sicherheitskonferenz 2022 war Ischingers letzter Auftritt als Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz. Er übergab nach 14 Jahren die Leitung an Christoph Heusgen, den ehemaligen Vertreter Deutschlands bei der UNO und Sicherheitsberater der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). (marv mit dpa)

Auch interessant

Kommentare