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„Mr. Gorbatschow, öffnen Sie das Tor!“

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Von: Holger Schmale

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Das Brandenburger Tor.
Das Brandenburger Tor. © dpa

Vor 25 Jahren forderte Ronald Reagan in Berlin: „Mr. Gorbatschow, öffnen Sie das Tor!“ Das interessierte damals kaum.

Als John F. Kennedy 1963 vor dem Schöneberger Rathaus seinen berühmten Satz rief: „Ich bin ein Berliner“, war das sofort eine Sensation, zumindest in der Frontstadt West-Berlin. Als Ronald Reagan an diesem Dienstag vor 25 Jahren am Brandenburger Tor seine inzwischen auch berühmten Sätze sagte: „Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein!“, nahmen davon nur wenige Notiz. Das waren Kalte-Kriegs-Sprüche, wie man sie damals in solchen Reden eben anbrachte. Das sah Reagan womöglich selbst so. Er hat die Forderung jedenfalls nie in einer seiner Verhandlungen mit den Sowjets erhoben.

Die West-Berliner Medien interessierte viel mehr die vom US-Präsidenten aufgegriffene Idee, Olympische Spiele in beiden Teilen der Stadt zu veranstalten. Reagans Worte über die Mauer aber erhielten ihre scheinbar visionäre Kraft erst im Nachhinein, mit dem tatsächlichen Fall der Grenzsperren knapp eineinhalb Jahre später.

Heute weiß man, dass Ronald Reagans Auftritt am Brandenburger Tor eine gezielte, wenn auch begrenzte Provokation der Sowjetunion war. Einige seiner Berater wollten, dass er einen ähnlich spektakulären Eindruck hinterlassen sollte wie Kennedy. „Wir wollten Drama“, sagt John Kornblum, damals Gesandter der USA in West-Berlin. Ein von den Berlinern umjubelter Auftritt wie zu Kennedys Zeiten aber war ausgeschlossen.

Zwar brachte auch Reagan Zehn Tausende auf die Straßen; aber nicht aus Begeisterung über den Präsidenten, sondern aus Protest gegen seine aggressive Großmachtpolitik. Es gab Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Polizisten, Verletzte, brennende Autos. Der Auftritt vor dem Brandenburger Tor hatte indes einen doppelten Vorteil: Er lieferte Fernsehbilder mit großem symbolischen Erkennungswert auch in den USA. Und der Ort war optimal vor Demonstranten abzuschirmen. Mit der Mauer im Rücken drohte immerhin von dort keine Störung. Eine Wand aus kugelsicherem Glas gab zusätzlich Sicherheit und gewährte doch Durchblick nach Ost-Berlin. Kornblum hatte die Sowjets auf diplomatischen Kanälen über das Vorhaben informiert, um so eine unkontrollierte Eskalation zu vermeiden.

Berlin hat Reagan die Ehrenbürgerwürde verliehen, doch das war es auch. Es gibt keine Straße, die seinen Namen trägt. Kennedy aber hat seinen Platz – vor dem Schöneberger Rathaus und im Herzen vieler älterer Berliner. Doch nun soll endlich auch an Ronald Reagan erinnert werden. Mit einer Gedenktafel am Ort seiner Rede. Immerhin.

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