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Patt-Situation für Putin: Russlands Krieg kommt zum Erliegen

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Von: Sandra Kathe

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Am 25. Tag nach Kriegsbeginn sind die meisten Ziele des russischen Militärs noch immer in weiter Ferne. Militärfachleute erhoffen nun einen möglichen Stillstand.

Kiew – Die Entwicklungen der vergangenen Tage im Ukraine-Krieg* stellen die russischen Truppen und damit auch Russlands Machthaber Wladimir Putin* vor eine Patt-Situation. Tausende getötete russische Soldaten, massenhaft zerstörtes Kriegsgerät und zahlreiche von ukrainischen Soldaten und Zivilkämpfern eroberte Fahrzeuge zeigen Berichten von Fachleuten zufolge, dass die russischen Streitkräfte nur schlecht auf den Krieg vorbereitet waren.

Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der russischen Truppen, die teils bereits Wochen vor dem Angriff auf die Ukraine* in den Grenzgebieten in Russland* und Belarus stationiert waren, kamen die Angreifer in den letzten Tagen kaum vorwärts – immer wieder wird von der Front von fehlender Verpflegung berichtet und über russische Soldaten, die auf Beutezug nach Essbarem gehen.

Nach Einschätzung zahlreicher Militärexperten hatte das russische Militär nicht mit der Gegenwehr der Ukrainer gerechnet. (Archivfoto)
Nach Einschätzung zahlreicher Militärexperten hatte das russische Militär nicht mit der Gegenwehr der Ukrainer gerechnet. (Archivfoto) © Sergei Supinsky/AFP

Ukraine-Krieg: Gegenwehr der Ukrainer überraschte Angreifer aus Russland

Auch Einschätzungen von Fachleuten des US-amerikanischen Thinktank Institute of the Study of War (ISW) sagen voraus, dass der Krieg in der Ukraine kurz vor einem Stillstand stehen könnte: „Die ukrainischen Kräfte haben die ursprüngliche russische Kampagne dieses Krieges besiegt“, heißt es in einer Stellungnahme des Instituts vom Samstag, über die die US-Zeitung Washington Post berichtet.

Offizielle und Fachleute seien sich einig, dass die russischen Truppen, die damit gerechnet hatten, als Befreier aufgenommen zu werden, von der heftigen ukrainischen Gegenwehr überrascht worden seien. Auch darum sei der Angriff, der von vier Stellen auf die Ukraine zu kam, nun zum Erliegen gekommen. Experten es sehen zum Beispiel als erwiesen an, dass es eines der ersten Ziele des Kriegs war, binnen weniger Stunden die zweitgrößte ukrainische Stadt Charkiw einzunehmen, die Hafenstadt Odessa mit der besetzten Donbass-Region zu verbinden und auch auf die ukrainische Hauptstadt Kiew mindestens zu umzingeln. Nichts davon ist bisher gelungen.

Ukraine-Krieg: Berichte von Tausenden toten russischen Soldaten

Laut der Einschätzung von Ex-US-Marine Rob Lee vom geopolitischen Forschungsinstitute Foreign Policy Research Institute kämen derzeit täglich zahlreiche russische Soldaten ums Leben oder würden verletzt, so viele, dass bereits etwa ein Drittel der in der Ukraine eingesetzten Kräfte außer Gefecht gesetzt sein könnten. Offizielle russische Angaben gibt es nach der Meldung von knapp 500 gefallenen Soldaten in der ersten Kriegswoche keine mehr, doch nach Schätzungen sei laut Lee von mindestens 7000 gefallenen Russen und 20.000 Verletzten auszugehen.

Ukrainische Quellen wie das Nachrichtenportal Kyiv Independent berichteten am Montag (21.03.2021) sogar von 15.000 gefallenen russischen Soldaten und massiven Schäden an Ausrüstung und Kriegsgerät. „Das sind große Verluste, die sich nicht einfach mal eben ersetzen lassen“, sagte Lee der Washington Post und erklärte, dass Russland zwar zahlreiche weitere Reservisten einziehen könnte, was jedoch die Gesamttruppenstärke langfristig massiv beeinflussen würde, „und das ist nicht im Interesse von Russland.“

Stillstand beim russischen Angriff: Die nächsten zwei Wochen sind im Ukraine-Krieg entscheidend

Entscheidend sei nun, was in den kommenden zwei Wochen passiert, sagt der britische Forscher Jack Watling vom Royal United Services Institute in London. Denn je länger der Krieg andauere, desto länger hätte die russische Militärführung Zeit, ihre anfänglichen Fehler doch noch zu korrigieren: „Der Grund, dass das russische Militär seine Ziele nicht erreicht, ist größtenteils die eigene Inkompetenz und die fehlende Koordination“. Dass der Krieg in zwei Wochen vorbei ist, glauben Watling und die anderen Expertinnen und Experten jedenfalls nicht.

Auch wenn die ukrainischen Streitkräfte nicht die Stärke hätten, die russischen Angreifer aus den bereits eroberten Gebieten zu verdrängen, gäben ihnen die Schwierigkeiten der Russen die Möglichkeit, einen Stillstand im Krieg herbeizuführen und so eine mögliche Verhandlungsbasis zu schaffen, auf die viele Militärfachleute nun hoffen. (ska) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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