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Irakische Kurden in der syrischen Stadt Arbil solidarisieren sich mit der YPG.

Nordsyrien

Moskau: Kurdenmiliz aus Nordsyrien abgezogen

Die Waffenruhe in Nordsyrien ist abgelaufen Der Bundesnachrichtendienst warnt vor Terrorgefahr.

Die bewaffnete Kurdenmiliz YPG ist nach Angaben des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu aus Nordsyrien vorzeitig abgezogen. Nun hätten dort syrische Grenztruppen und die russische Militärpolizei die Kontrolle übernommen, sagte Schoigu der Agentur Interfax zufolge am Dienstag.

Eine vereinbarte Waffenruhe sollte offiziell um 18 Uhr Ortszeit (16 Uhr MEZ) enden. Sie dürfte nun weiter gelten. Die YPG sollte sich wie vereinbart aus einem Streifen von 30 Kilometern Tiefe im syrisch-türkischen Grenzgebiet zurückziehen. Vor Ende der Frist hatte die Türkei mit der Fortsetzung ihrer Militäroffensive in Nordsyrien gedroht.

Das türkische Militär war mit verbündeten Rebellen am 9. Oktober in Nordsyrien einmarschiert. Es begann eine Offensive gegen die YPG, die sie als Terrororganisation betrachtet. Russland als Schutzmacht des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und die Türkei hatten sich dann vergangene Woche darauf verständigt, nordsyrische Grenzgebiete zur Türkei gemeinsam zu kontrollieren. Sie gaben der YPG zudem eine Frist von 150 Stunden, um sich zurückzuziehen. In dieser Zeit galt eine Feuerpause.

Bei der türkischen Offensive ist einem Medienbericht zufolge auch ein deutscher Kämpfer der Kurdenmiliz getötet worden. Der NDR berichtete am Dienstag unter Berufung auf die YPG, dass der frühere Landwirt Konstantin G. aus Schleswig-Holstein am 16. Oktober bei Kämpfen um die nordsyrische Grenzstadt Ras al-Ain ums Leben gekommen sei. Der Mann aus Kiel hatte sich demnach im Jahr 2016 der syrischen Kurdenmiliz angeschlossen, um gegen die Dschihadistenorganisation „Islamischer Staat“ (IS) zu kämpfen. Demnach beteiligte er sich auch an den Kämpfen um die syrische IS-Hochburg Raka. Das Auswärtige Amt erklärte laut NDR, keine Informationen zum Tod des Deutschen zu haben. Medienberichten zufolge haben sich etwa tausend ausländische Freiwillige der YPG angeschlossen.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) sieht nach der türkischen Militäroffensive nun auch in Deutschland eine erhöhte Gefahrenlage. Zwar sei den bekannten Kämpfern des „Islamischer Staats“ bislang offenbar noch nicht der Ausbruch aus ihrer Gefangenschaft in Nordsyrien gelungen, sagte BND-Präsident Bruno Kahl am Dienstag bei einer Anhörung im Bundestag. Doch wenn ihnen die Flucht gelingen sollte, erhöhe sich die Gefahr sehr stark, dass nach Deutschland zurückkommen könnten.

Durch die Offensive der Türkei sei in der Region der Kampf gegen den IS „nachrangig“ geworden. Der Terrororganisation sei es gelungen, „Strukturen zu festigen und die Reihen zu schließen“. Kahl äußerte sich bei der alljährlichen Anhörung des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages.

Unicef zeigt sich unterdessen besorgt über die Lage der Kinder in Nordsyrien. Rund 80 000 Mädchen und Jungen seien seit der erneuten Eskalation am 9. Oktober mit ihren Angehörigen geflohen, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen am Dienstag in Köln mit. Die humanitäre Lage in der Region habe sich weiter verschärft.

So haben viele syrische Kinder laut Unicef durch die lange Kriegszeit keinen ausreichenden Impfschutz. „In überfüllten und unhygienischen Notunterkünften sowie in Flüchtlingslagern ist die Gefahr der Ansteckung mit gefährlichen Infektionskrankheiten groß.“ Nach eigenen Angaben impft Unicef derzeit etwa 230 000 Kinder um die syrische Stadt Al Hasakeh gegen Kinderlähmung und Masern. (afp/dpa/kna)

„IS“-Anführer getötet

Ein weiterer hochrangiger Vertreter der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) ist nach Angaben von US-Präsident Donald Trump getötet worden. Trump teilte am Dienstag auf Twitter mit, es habe sich um den mutmaßlichen Nachfolger des getöteten IS-Anführers Abu Bakr al-Bagdadi gehandelt. Nähere Angaben zur Person machte er nicht. Die Kurdenmiliz YPG hatte am Wochenende mitgeteilt, auch IS-Sprecher Abu al-Hassan al-Muhadschir sei nicht mehr am Leben.

Al-Bagdadi war bei einer Operation von US-Spezialkräften in Nordwestsyrien getötet worden. Seine sterblichen Überreste wurden nach Angaben des Pentagon nun auf hoher See bestattet, Näheres wurde nicht bekannt. (afp)

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