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Moskau drängt USA zur Besonnenheit

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Putin sagt Unterstützung im Kampf gegen Terrorismus zu / Truppen in Bereitschaft versetzt

Russland hat die USA am Samstag gedrängt, die Reaktion auf die Anschläge in New York und Washington sorgfältig vorzubereiten, um die wahren Schuldigen zu finden und zu treffen. Russland versetzte seine Truppen in Tadschikistan am Sonntag in Gefechtsbereitschaft.

MOSKAU, 16. September (rtr). Nachdem der US-Kongress Präsident George W. Bush freie Hand gegeben hatte, sagte sein russischer Kollege Wladimir Putin, das Böse in der Welt müsse bestraft werden. Doch die USA dürften nicht so vorgehen wie die Täter, die vermutlich mehrere tausend Menschen umbrachten. Es sei sorgfältige Planung nötig, um präzise zuschlagen zu können, fügte Verteidigungsminister Sergej Iwanow an. Putin und Iwanow äußerten sich bei einem Besuch in Armeniens Hauptstadt Eriwan.

"Das Böse muss bestraft werden", sagte Putin. Der russische Präsident bekräftigte damit seine Zusage, den USA beim Kampf gegen den internationalen Terrorismus zu helfen. "Aber wir sollten uns nicht gemein machen mit hinterhältigen Banditen. Wir müssen unsere Entscheidungen abwägen und auf der Grundlage bewiesener Tatsachen treffen", setzte Putin hinzu.

Iwanow sagte der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass, Gewaltanwendung großen Stils, etwa Flächenbombardements, würden das Problem der Bestrafung "jener Unmenschen, die diese Terror-Angriffe ausführten", vermutlich nicht lösen. Nötig seien vielmehr sorgfältige Erörterungen, möglicherweise auch auf multinationaler Ebene, um das Ziel zu erfassen. Alles müsse sorgfältig geplant werden, um genau zu treffen.

Putin hat seit den Anschlägen mit entführten Passagierflugzeugen am vergangenen Dienstag mehrere Telefongespräche mit Bush geführt. Der stellvertretende US-Außenminister Richard Armitage will in dieser Woche Gespräche über eine Zusammenarbeit im Umgang mit dem angeblichen Drahtzieher der Anschläge, Osama bin Laden, führen. Bin Laden wird nach wie vor in Afghanistan vermutet. Russland wirft ihm vor, die aufständischen Moslems in Tschetschenien zu finanzieren.

Moskau unterhält eine beträchtliche Anzahl von Stationierungstruppen in Tadschikistan an der Grenze zu Afghanistan. Die damalige Sowjetunion benutzte 1979 Tadschikistan als Aufmarschgebiet für die Besetzung Afghanistans, von wo sie sich zehn Jahre später geschlagen zurückzog. Die Geheimdienste Russlands haben nach eigenen Angaben Kontakt mit denen der USA, aber Verteidigungsminister Iwanow hat kürzlich ausdrücklich ausgeschlossen, dass die USA Truppen im früheren sowjetischen Zentralasien stationieren. Bei den jüngsten Konsultationen ebenfalls nicht angesprochen worden sei, dass Russland Militärhilfe leiste, sagte Iwanow am Wochenende.

Wegen der sich zuspitzenden Krise um Afghanistan versetzte Russland seine 201. Armeedivision in Tadschikistan am Sonntag in Gefechtsbereitschaft. Das sagte Verteidigungsminister Iwanow nach einer Beratung mit Präsident Putin und den übrigen Sicherheitsministern in Moskau. Putin, Regierungschef Michail Kasjanow, die Minister für Inneres, Äußeres, Verteidigung sowie die Geheimdienstführung hatten nach offiziellen Angaben "über einige Probleme der Innen- und Außenpolitik des russischen Staates" gesprochen, meldete die Nachrichtenagentur Itar-Tass.

FR vom 17.09.01

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