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Moscheen sind Männerhäuser

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Mazar-i-Sharif in Afghanistan - Blaue Moschee.
Mazar-i-Sharif in Afghanistan - Blaue Moschee. © ddp

Moscheen sind in der islamischen Tradition keine heiligen Stätten, sondern der Ort, an dem sich die Männer der Gemeinde zum Gebet und Geschäft versammeln. Von Necla Kelek

Von Necla Kelek

Die Islamvereine wollen als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt werden. Damit würden sie bestimmte Privilegien erhalten, unter anderem beim Bau von Moscheen. Die Vereine fordern, dass die Muslime ungehindert Moscheen errichten wollen. Sie sprechen von "Gotteshäusern" und setzen Moscheen den Kirchen gleich. Nur verschweigen die Vereine, dass Moscheen traditionell ganz andere Aufgaben haben als Kirchen.

Moscheen sind in der islamischen Tradition keine heiligen Stätten, sondern der Ort, an dem sich die Männer der Gemeinde zum Gebet und Geschäft versammeln. Die Moschee ist in der Tradition ein sozialer und kein sakraler Ort.

Die Moschee ist in soweit heilig, wie alles im religiösen Leben der Muslime "heilig" d.h. als unantastbar erklärt wird. Nicht mehr und nicht weniger. Der Koran erwähnt Moscheen nur in einem Vers: "? in Häusern, für die Gott erlaubt hat dass sie errichtet werden und dass darin seines Namens gedacht wird. Ihn preisen darin, am Morgen und am Abend, Männer, die weder Handel noch Kaufgeschäft ablenken vom Gedenken Gottes, das Gebet zu verrichten und die Almosensteuer zu geben, und die sich auf einen Tag gefasst machen, an dem den Menschen Herz und Gesicht umgedreht werden".

Die Moscheen sind nach der islamischen Auffassung die Öffentlichkeit. Und selbst Mohammed traf sich dort mit seinen Getreuen, und sie erfüllten wie der Islamwissenschaftler Peter Heine in seinem Islam-Lexikon schreibt, administrative Funktionen: "Hier fanden die Sitzungen des Stammesrates statt, und sie (die Moscheen) waren Versammlungsorte, wenn sich die Männer zu einem Kriegszug aufmachten." In der Moschee versammelt sich die Umma, die männlichen Mitglieder der Gemeinde zum Gebet und zum Geschäft. Es sind keine Sakralbauten, die ausschließlich zum Gebet genutzt werden, sondern soziale und politische Orte, Versammlungsorte.

Dagegen ist im Prinzip nichts zu sagen, aber sie sind eben keine Kirchen und deshalb auch nicht so wie sie zu behandeln. Ob eine Moschee gebaut werden kann, ist eine politische Frage. Und ein Kriterium für die Genehmigung ist deshalb, dienen sie der Integration, werden dort die Gesetze eingehalten. Und da sind Zweifel angebracht. So wie in vielen Moscheen in Deutschland Islam praktiziert wird, haben sie sich zu einem Hindernis für die Integration gemacht und sich zu Keimzellen einer Gegengesellschaft entwickelt. Vor allem die größeren Moscheen in Deutschland entwickeln sich zu "Medinas", zu Zentren in dem wie in einer kleinen Stadt alle Bedürfnisse abgedeckt werden. So finden sich meist in unmittelbarer, oft in örtlicher Einheit , Koranschule, koschere Lebensmittelläden, Reisebüros, Friseur, Beerdigungsinstitut, Restaurant, Teestuben etc. eben alles was ein Muslim braucht, der nichts mit der deutschen Gesellschaft zu tun haben will.

Ich mache dies an einem weiteren konstitutionellen Fakt deutlich. Moscheen sind Orte, an denen sich Männer versammeln. Moscheen waren und sind Männerhäuser. Frauen sind meist nur in separaten Räumen geduldet.

Eine demokratische Gesellschaft lebt aber davon, dass Männer und Frauen gemeinsam in der Öffentlichkeit Verantwortung tragen, gleiche Rechte haben und auch gleich behandelt werden. Die Trennung der muslimischen Gemeinde in die Männer, die in der Moschee sitzen, beten und ihre Geschäfte machen und die der Frauen, die in ihre Wohnungen verbannt sind, kann kein Integrationsmodell sein.

Solange in den Moscheen die Frauen gar nicht oder nur hinter dem Hijab beten dürfen, solange sie dort nur geduldet sind nicht gleichberechtigt in diesen Häusern nicht sein dürfen, solange die Moscheen nicht das partnerschaftliche Miteinander pflegen, sondern archaische und patriarchalische Strukturen befördern, solange sind solche Häuser für mich nicht akzeptabel. So wie in Deutschland die Moscheen mehrheitlich betrieben werden, sind sie nicht nur Männerhäuser, sondern auch die Initiationsorte einer muslimischen Parallel- und Gegengesellschaft. Und diese Gesellschaft ist nicht nur von der deutschen Gesellschaft weitgehend getrennt, sondern trennt auch die islamische Gesellschaft vertikal, in Männer und Frauen.

Außerdem wissen wir viel zu wenig darüber, was in den Moscheen gepredigt wird, in welchem Sinne die Koranschulen unterrichten. Und wir wissen nicht, von welchen Kräften die Moscheen finanziert werden und was sie finanzieren.

Die türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion (Ditip) wird von der türkischen Regierung finanziert und angeleitet. Seine Imame sind Angestellte des türkischen Staates. In der Türkei betreibt die Regierungspartei eine massive Islamisierung des Landes durch die Förderung des Baus von Moscheen. Selbst dort, wo zum Beispiel mehrheitlich Aleviten leben, wird der Bau von Moscheen vorangetrieben. Der Moscheebau ist zu einem politischen Instrument geworden. Das gilt auch für Deutschland. Darin steckt nicht nur türkisches , sondern auch für saudi-arabisches Geld.

Für mich ist der Versuch der muslimischen Organisationen in Deutschland so viele Moscheen wie möglich zu errichten, kein Beitrag zur Integration, sondern der Versuch der Missionierung durch Steine. Die Muslime fordern den Moscheebau als Teil der "Bewahrung der eigenen kulturellen und religiösen Tradition" ein.

Insgesamt zielen die Thesen des Mitte April gegründeten Koordinierungsrats islamischer Verbände auf die "Einbürgerung" des Islam. Das ist im Prinzip zu begrüßen. Bezeichnenderweise werden aber hauptsächlich Forderungen an die aufnehmende Gesellschaft gestellt. Es sei für die Muslime eine "Selbstverständlichkeit die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik anzuerkennen",heißt es. Für mich ist das ist nur ein Lippenbekenntnis, ein Aussage ohne Wert, wenn gleichzeitig erklärt wird: "Die im Koran festgeschriebenen Pflichten und Verbote gelten für jeden Einzelnen und sind zeitlos." Da argumentieren sogar einige Ditip-Funktionäre mit dem islamischen Prediger Tariq Ramadan auf einer Ebene, der sagt: "Wir sind für die Integration, wir selbst müssen entscheiden, was das heißt. Ich halte mich an die Gesetze, aber nur solange sie mich nicht zwingen, etwas gegen meine Religion zu tun."

Ich bin sicher, dass die Muslime mit ihren Erwartungen auf ein gleichberechtigtes religiöses Leben in der Bundesrepublik ihren Platz haben. Ich bin der Meinung, dass dies zum überwiegenden Teil bereits heute möglich ist. Ich bezweifle aber, ob die "muslimische Gemeinschaft", ob um es konkret zu sagen, "der Islam" in eine demokratische Gesellschaft integrierbar ist.

Da die Vereine nicht in der Lage sind, positiv zu formulieren, wie er in der demokratischen Gesellschaft ankommen will, was sie dafür tun wollen, sollte meines Erachtens die aufnehmende Gesellschaft Kriterien formulieren, wie dieses Zusammenleben erreicht werden kann. Das kann sie, in dem sie klare Regeln aufstellt, die die Freiheit und Verantwortung des Einzelnen schützt und fördert. (?)

Folgende säkularen Einsichten könnten dabei hilfreich sein, wenn es darum geht, den Islam in die deutsche Gesellschaft zu integrieren:

Muslim ist nur, wer sich ausdrücklich zum Islam bekennt.

Durch die muslimischen Organisationen wird nur vertreten, wer in ihnen organisiert ist.

Die Verbände und Vereine legitimieren sich demokratisch und sagen sich vom Einfluß fremder Regierungen los.

Muslime akzeptieren die Freiheit und bekennen sich dazu, dass der Glaube Privatsache ist und niemand gezwungen werden darf, dem Glauben anzugehören und niemand Nachteile erleiden darf, der sich vom Glauben abwendet.

Die individuelle Verantwortung und Selbstbestimmung und nicht die Umma ist Maßstab des gesellschaftlichen Miteinanders unter den Muslimen.

Muslime begreifen sich als Teil der demokratischen Gesellschaft und akzeptieren die Trennung von Religion und Politik.

Muslime wenden sich gegen die Scharia als Mittel der Rechtsfindung. Menschenrechte, Grundrechte und die Verfassung des demokratischen Staates sind unteilbar. Koran und Sunna spielen in der rechtlichen Ausgestaltung des Lebens keine Rolle, sondern dienen allein der persönlichen Religiosität.

Muslime erkennen die Gleichberechtigung von Mann und Frau in allen Bereichen an. (?)

Muslime bekennen sich zum Recht auf Kindheit und zur Chancengleichheit in der Schule. Jede Art von religiös begründetem Fernbleiben wird abgelehnt. Das Tragen von Kopftüchern von Kindern - vor allem in der Schule - wird abgelehnt

Muslime öffnen ihre Moscheen und Gebetshäuser für die gleichberechtigte Mitwirkung, Mitarbeit, gemeinsames Beten und soziale und politische Funktionen von Frauen.

Muslime fördern und betreiben die historisch-kritische Aufarbeitung der Schriften, des Koran, der Hadithe und der Geschichte des Islam. Sie wollen die Sakralisierung der Texte zugunsten eines zeitgemäßen Umgangs mit dem spirituellen Erbe aufgeben. Diskriminierung Andersgläubiger akzeptieren sie nicht.

Muslime erkennen ihre Identität als Muslime in den spirituellen Wurzeln ihrer Religiosität, sie verabschieden sich von der Funktion des Islam als "Glaubenspartei". (?)

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