Nach Großbrand in Moria

Moria: Angela Merkel und Horst Seehofer planen Aufnahme von 1.500 Geflüchteten aus Lesbos

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  • Mirko Schmid
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Das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos ist abgebrannt. Tausende sind obdachlos. Die Bundesregierung entscheidet über die Aufnahme von Migranten.

  • Das seit Jahren überfüllte Flüchtlingslager Moria auf Lesbos brennt fast vollständig aus.
  • Tausende Geflüchtete sind obdachlos und ohne Essen.
  • Die Bundesregierung entscheidet nun über die Aufnahme von Migranten.

Update vom Dienstag, 15.09.2020, 09.45 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) haben sich darauf verständigt, zusätzlich rund 1500 weitere Migranten von den griechischen Inseln aufzunehmen. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag von Innenpolitikern erfuhr, handelt es sich dabei um Familien mit Kindern. Nach dem Feuer im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos waren mehr als 12 000 Migranten obdachlos geworden.

Streit um die Aufnahme Geflüchteter aus Lesbos

Update vom Montag, 14.09.2020, 16.30 Uhr: Ein Feuer hat das Flüchtlingslager Moria fast gänzlich zerstört. Hunderte Geflüchtete sind in Zelten untergebracht, Tausende sind obdachlos.. Es mangelt an so gut wie allem. Nun will die Bundesregierung darüber entscheiden, Migranten aus Lesbos aufzunehmen.

Schon am Montag liefen Gespräche über die Aufnahme von Schutzsuchenden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will eine Entscheidung bis Mittwoch. Sie sei dabei in Abstimmungen mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Die Bundesregierung strebe weiterhin eine europäische Lösung an und wolle Griechenland unterstützen.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagt, Deutschland werde einen „substanziellen Beitrag“ leisten, da die Menschen auf Lesbos „in einer verzweifelten Situation“ seien. Es handle sich dabei um eine „besondere humanitäre Notlage“ mit „entsetzlichen“ und „unhaltbaren“ Zuständen, so Seibert weiter.

Die griechische Regierung habe aber verdeutlicht, die Verantwortung für die Menschen auf Lesbos liege in ihren eigenen Händen. Die SPD fordert zudem eine bundesweite Initiative für die Aufnahme von deutlich mehr Migranten aus dem abgebrannten Lager Moria als geplant – vermutlich Familien mit Kindern. Eine genaue Zahl wird aber nicht genannt.

Zudem plant Merkel, sich mit mit Bürgermeistern aus Deutschland treffen, die sich für die Aufnahme von Geflüchteten einsetzen. Hier gebe es auch Widersprüche. Einige Städte und Landkreise wollten Migranten zwar aufnehmen, dann fänden Bürgermeister aber keine Unterkünfte für Asylbewerber.

Lesbos: Migranten sollen in provisorisches Zeltlager ziehen

Der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis rief alle obdachlosen Migranten auf Lesbos auf, umgehend das neue, provisorische Zeltlager zu beziehen. Es sei ihre Pflicht, sagte Mitarakis. „Ab kommenden Montag werden Asylverfahren nur für jene bearbeitet, die im Lager sind“, sagte er im griechischen Radio.

Mitarakis warnte abermals Migranten, die andere daran hinderten, das provisorische Zeltlager zu beziehen, das die Behörden in den vergangenen Tagen gemeinsam mit Hilfsorganisationen errichtet haben. „Wir wissen genau, um wen es sich handelt“, sagte er mit Blick auf einen kleinen Teil der Migranten, die als Unruhestifter gelten. Sie hätten vergangene Woche das Feuer gelegt, dass das Lager Moria zerstört habe. Griechenland lasse sich aber nicht erpressen.

Lesbos: 300 Geflüchtete ziehen in neues Zeltlager, Tausende sind obdachlos

Update vom Sonntag, 13.09.2020, 8.30 Uhr: Nach dem Großbrand im Flüchtlingslager Moria sind auf der griechischen Insel Lesbos etwa 300 Migranten in ein neues Zeltlager eingezogen. Bei den meisten handelt es sich um Familien, wie der staatliche griechische Rundfunk ERT berichtete.

Vor ihrer Aufnahme ins neue Lager mussten alle einen Coronavirus-Schnelltest machen. Dabei sei bei sieben Geflüchteten das Virus entdeckt worden, berichtete der Sender unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Alle sieben seien zur Isolation in einen abgelegenen Teil des Zeltlagers von Kara Tepe gebracht worden.

Die Lage auf der Insel war auch am Sonntag höchst angespannt. Mehrere Tausende Migranten harren auf den Straßen aus. Es könnte Wochen dauern, bis nach dem Brand alle Menschen wieder ein Dach über dem Kopf bekommen. Die Behörden suchen nach weiteren Orten, wo Zeltlager eingerichtet werden können. Zahlreiche Migranten forderten, nach Westeuropa weiterziehen zu dürfen.

Im Laufe des Samstags war es immer wieder zu spontanen Demonstrationen und in der Folge auch zu Zusammenstößen zwischen Geflüchteten und Polizei gekommen.

Ein paar Familien bleiben im zerstörten Camp Moria.

Polizei setzt bei Protesten der ehemaligen Moria-Bewohner Tränengas ein

Update vom Samstag, 12.09.2020, 12.10 Uhr: Nach der Brandkatastrophe im Flüchtlingslager Moria ist die griechische Polizei mit Tränengas gegen protestierende Migranten auf der Insel Lesbos vorgegangen. Wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete, hatten Migranten zuvor Steine auf Polizisten geworfen. Hunderte ehemalige Lagerbewohner, die seit vier Tagen im Freien ausharren müssen, protestierten nahe der Inselhauptstadt Mytilini gegen ihre verzweifelte Lage.

„Wir schlafen im Dreck oder auf der Straße“, berichtete eine Gruppe ehemaliger Lagerbewohner auf Facebook. „Wir haben nichts, womit wir uns bedecken können, nicht einmal eine Jacke, die uns vor der nächtlichen Kälte und dem Wind schützt.“ Einige Flüchtige schliefen sogar unter den Bäumen des örtlichen Friedhofs.

Hinzu komme die Sorge vor einer Verbreitung des Coronavirus durch infizierte Lagerbewohner, die immer noch nicht gefunden worden seien, erklärte die Gruppe. Viele der Flüchtlinge wollen nicht länger auf Lesbos bleiben, sondern vor allem nach Deutschland. Aber auch viele Inselbewohner sowie der Bürgermeister der davon betroffenen Hafenstadt Mytilini lehnen die Errichtung eines neuen Lagers ab.

Angesichts der chaotischen Lage warnte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch vor „wachsenden Spannungen zwischen Anwohnern, Asylsuchenden und der Polizei“.

Tausende Flüchtlinge harren nach Brand weiter im Freien aus.

Flüchtlingslager Moria: Polizeiaufgebot auf Lesbos - Familien schlafen am Straßenrand

+++ 16.30 Uhr: Rund ein- bis zweitausend Geflüchtete haben dafür demonstriert, die griechische Insel Lesbos verlassen zu dürfen. Dabei skandierten sie unter anderem „Freiheit“ und „Deutschland“, als sie auf der Straße von dem abgebrannten Lager in Richtung des Hafens der Inselhauptstadt Mytilini marschierten. Der Zugang zum Hafen wurde von einem großen Aufgebot an Sicherheitskräften blockiert.

Moria: Mehr als tausend Geflüchtete demonstrieren dafür, die Insel Lesbos verlassen zu dürfen

+++ 13.00 Uhr: Nach der Brandkatastrophe im Flüchtlingslager Moria haben tausende Menschen auf der griechischen Insel Lesbos die dritte Nacht in Folge im Freien verbracht. Verzweifelte Familien, viele von ihnen mit kleinen Kindern, schliefen in der Nacht zum Freitag wieder am Straßenrand, weil sie weder Zelte noch andere Schlafmöglichkeiten hatten, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.
 

Update vom Freitag, 11.09.2020, 08.10 Uhr: Angesichts wachsender Spannungen nach dem Großbrand im Registrierlager Moria hat die griechische Regierung die Polizeikräfte auf der Insel Lesbos verstärkt. Wie das griechische Fernsehen zeigte, kamen am Freitagmorgen mehrere Busse mit zusätzlichen Bereitschaftspolizisten sowie zwei Wasserwerfern an Bord einer Fähre in der Inselhauptstadt Mytilini an.

Nach dem Brand herrschen auf der Insel chaotische Zustände. Mehr als 12 000 Migranten verbrachten die dritte Nacht in Folge im Freien. Manche legten immer wieder Feuer in den übrig gebliebenen Teilen des Lagers und den umliegenden Feldern und attackierten die Polizei.

Die Verstärkung der Polizeieinheiten richtet sich aber auch an die zunehmend aufgebrachten Inselbewohner. Viele, darunter fast alle Bürgermeister, wollen nach dem Brand in Moria keine Migranten mehr auf der Insel haben. „Sie müssen alle weg. Kein Lager mehr auf Lesbos“, erklärte der Gouverneur der Region Nordägäis, Kostas Moutzouris, im Fernsehen.

Kanzlerin Merkel signalisiert Bereitschaft zur Aufnahme von Kindern aus Moria

+++ 20.53 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich zur geplanten Aufnahme von 400 Kindern aus dem Flüchtlingslager Moria in EU-Länder geäußert. Der griechische Regierungschef Mitsotakis soll sie gebeten haben, die unbegleiteten Minderjährigen aufzunehmen, bestätigte die Kanzlerin am Donnerstag in Berlin. „Deutschland und Frankreich werden sich daran beteiligen“, teilte Merkel mit. Sie hoffe, dass „auch einige andere Mitgliedstaaten“ mitmachen.

Im Flüchtlingslager Moria „bündelt sich im Grunde wie in einem Brennglas die ganze Problematik der Migration“, sagte Merkel zudem. Man habe lange gewusst, dass die Menschen in Moria in unwürdigen Bedingungen leben. Nun müsse man unbedingt gemeinsam eine europäische Lösung finden.

Das Flüchtlingslager Moria ist bei einem Feuer komplett zerstört worden. Mehr als 12.000 Geflüchtete wurden obdachlos.

Feuer im Flüchtlingslager Moria: EU-Länder werden 400 Kinder aufnehmen

Update vom Donnerstag, 15:07 Uhr: Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron wollen nach den Bränden im griechischen Flüchtlingslager Moria mit anderen EU-Ländern 400 unbegleitete Kinder übernehmen. Die Zahl gilt nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin für alle teilnehmenden Länder. Wie viele davon Deutschland übernehmen würde, stehe noch nicht fest.

Die EU möchte 400 Kinder aufnehmen.

Flüchtlingslager Moria: Druck auf Bundesinnenminister Horst Seehofer wächst

Update vom Donnerstag, 14:09 Uhr: Nach der Brandkatastrophe im Flüchtlingslager Moria sind auf der Insel Lesbos noch tausende Menschen ohne Unterkunft und Nahrung. Verzweifelte Familien, oft mit kleinen Kindern, irrten nach einer zweiten Nacht im Freien über die Insel, wie AFP-Reporter berichten. Sie sind auf sich allein gestellt. „Man hat uns im Stich gelassen, ohne Essen, Wasser oder Arzneimittel“, sagte Fatma aus Syrien, ihr zweijähriges Kind im Arm. Die griechischen Behörden suchen dringend nach Lösungen.

Unterdessen wächst in Deutschland der Druck auf Bundesinnenminister Horst Seehofer von allen Seiten. Selbst Unionspolitiker rücken mittlerweile von Seehofers Position ab, die Aufnahme von einer EU-Einigung über die Verteilung der Geflüchteten abhängig zu machen. So schlug Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) vor, 2000 Menschen aus Moria aufzunehmen. Deutschland müsse innerhalb der EU in einer „Koalition der Willigen“ vorangehen, sagte Müller in der ARD. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) würde sich beteiligen.

Beim Koalitionspartner SPD stößt Seehofers Blockade-Haltung auf Unverständnis. „Wir können nicht warten, bis sich alle europäischen Partnerländer geeinigt haben - das wird Wochen und Monate dauern“, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) den Sendern „RTL“ und „n-tv“. Ärger hatte es auch darüber gegeben, dass sich der Innenminister mit der Entscheidung des Presserates über die „taz“-Kolumne beschwerte, anstatt sich um die Geflüchteten in Moria auf Lesbos zu kümmern.

Update vom Donnerstag, 07:45 Uhr: In dem durch eine Brandkatastrophe großteils zerstörten griechischen Flüchtlingslager Moria ist ein neues Feuer ausgebrochen. Die Flammen loderten nach Angaben eines AFP-Fotografen am Mittwochabend in einem Teil des Lagers, der von den vorherigen Feuern wenig betroffen gewesen war. Erneut kam es zu Chaos: Geflüchtete rannten aus dem Lager, während ihre Zelte verbrannten. In Deutschland demonstrierten unterdessen tausende Menschen für die Aufnahme von Geflüchteten aus dem Lager. 
 

Seehofer bleibt bei hartem Kurs - keine Aufnahme von Geflüchteten aus Moria

+++ 18.45 Uhr: Nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos gibt es Reaktionen aus der Politik. Innenminister Horst Seehofer (CSU) bleibt bei seinem harten Kurs in der Frage zur möglichen Aufnahme von Geflüchteten in Deutschland. Mehrere Bundesländer, darunter Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Berlin und Thüringen, haben angeboten, Geflüchtete aufzunehmen. Auf die Frage, ob Seehofer jetzt bereit sei, Ländern und Kommunen die Aufnahme zu genehmigen, antwortete sein Sprecher Steve Alter: „Die aktuelle Situation stellt uns vor Herausforderungen, aber das ist kein Grund, unsere bisherige Rechtsordnung infrage zu stellen.“

Finanzminister Olaf Scholz und Außenminister Heiko Maas (beide SPD) betonten im Bundestag, dass eine europäische Lösung für die Tausenden Bewohner des Lagers notwendig sei. Dazu gehöre auch die „Verteilung von Geflüchteten unter Aufnahmewilligen in der EU”, so Maas. SPD-Chefin Saskia Esken forderte sofortiges Handeln vor Ort in Moria, und dass die Bundesregierung den Weg freimache, um Kommunen die Aufnahme von Geflüchteten zu ermöglichen.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) verlangte schnelles Handeln der Europäischen Union. Die „menschenverachtenden Zustände in Moria” seien schon seit Jahren bekannt gewesen. Deutschland und Frankreich boten der griechischen Regierung Hilfe an. Das britische Innenministerium teilte mit, dass man die Lage in Griechenland zunächst weiter beobachte. Österreich lehnte die Aufnahme der Menschen hingegen strikt ab.

Feuer in Flüchtlingslager Moria: Deutsche Regierung bietet Griechenland Hilfe an

+++ 13.45 Uhr: Nach dem Feuer im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos hat Deutschland offiziell Hilfe angeboten. Das teile der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Steve Alter, auf Twitter mit. „Wir haben Griechenland in der Vergangenheit geholfen und wir werden selbstverständlich auch jetzt helfen“, so Alter. Innenminister Horst Seehofer soll die Hilfe angeboten haben. Wie genau diese Hilfe aussehen soll, wurde nicht mitgeteilt.

Nach dem Feuer im Flüchtlingslager Moria befinden sich Tausende Menschen auf der Straße. Etwa 12.600 Leute sollen dort in katastrophalen Zuständen gewohnt haben. Moria galt als größtes Flüchtlingslager in Europa.

Feuer im Flüchtlingslager Moria: Mögliche Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland ungewiss

+++13:12 Uhr: Wie Seawatch bekannt gegeben hat, ist das Feuer im Flüchtlingslager Moria mittlerweile wohl weitestgehend gelöscht worden. Allerdings seien Teile des Camps komplett zerstört worden. „Moria ist kein sicherer Ort, war es nie!“ schreibt der deutsche Verein.

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+++ UPDATE +++ Die Feuer sind wohl weitestgehend gelöscht, Teile des Camps sind komplett zerstört - Moria ist kein sicherer Ort, war es nie! --- +++ UPDATE +++ Most of the fires are apparently extinguished, parts of the camp are completely destroyed - Moria is not a safe place, never was! --- Heute Nacht brachen Feuer in Moria auf Lesbos aus. Fast das gesamte Camp steht in Flammen. Jahrelang ignorierte Europa die Hilferufe der Bewohner*innen und Aufforderungen, zu evakuieren. Selbst während einer Pandemie passierte nichts. Nun haben die Menschen das Camp verlassen und stehen auf der Straße, sie sind also noch lange nicht in Sicherheit. Deutschland muss JETZT handeln und die Menschen endlich aufnehmen! Denn #WirHabenPlatz! --- Tonight, fires broke out in Moria on Lesbos. Almost the entire camp is on fire. For years, Europe ignored the calls for help and evacuation of the inhabitants, even during a pandemic nothing happened. Now the people have left the camp and are stranded on the streets, so they are still far from being safe. Germany must act NOW and finally take the people in! Because #WeHaveSpace! --- 📷 @refocusmedialabs #LeaveNoOneBehind #moria #campmoria #moriacamp #moriarefugeecamp #moriabrennt #lesbos #lesvos #greece #europe #EU #defendsolidarity #noborders #openborders #refugeeswelcome #menschenrechte #humanrights

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Unklar ist aktuell, ob Deutschland überhaupt Menschen aus dem Camp aufnehmen wird. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat jedenfalls eine europäische Hilfsaktion gefordert. „Griechenland braucht Hilfe, die Menschen brauchen Hilfe und Lesbos braucht Hilfe“, sagte Ramelow am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Bereits vor dem Brand sei die Situation dort immer katastrophaler geworden. Das Lager sei durch den Brand faktisch geräumt, die Menschen seien aber alle noch da. „Nun braucht es eine europäische Hilfsaktion und Deutschland muss dort seinen Beitrag leisten“, sagte Ramelow. Es brauche eine „Entlastungsaktion für Griechenland und eine Umverteilung von Schutzsuchenden“.

Feuer im Flüchtlingscamp Moria - Kevin Kühnert: „Wer jetzt noch blockiert, handelt mit Vorsatz“

Auch Kevin Kühnert (SPD) fordert eine Aufnahme der Menschen auf Twitter. Moria müsste umgehend evakuiert werden. „Wer jetzt noch blockiert, handelt mit Vorsatz“, schreibt Kühnert. In ganz Europa hätten sich hunderte Kommunen und auch Bundesländer in Deutschland bereits erklärt, den Menschen zu helfen.

+++ 10.35 Uhr: Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl hat die Bundesregierung und EU für den Brand im griechischen Camps Moria auf Lesbos verantwortlich gemacht. „Die Katastrophe von Moria ist eine Folge der skandalösen und menschenverachtenden deutschen und europäischen Politik“, sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt am Mittwoch in Berlin. In dem Lager seien Tausende Menschen „psychisch zermürbt“ worden. Anstatt für faire Asylverfahren zu sorgen hätten alle EU-Staaten bis zur jetzigen Katastrophe zugeschaut.

+++ 09:30 Uhr: Die griechische Nachrichtenagentur ANA meldete, die Brände seien nach einer Revolte in dem Lager in Moria gelegt worden. Einige Geflüchtete hätten dagegen protestiert, dass sie isoliert untergebracht werden sollten, nachdem sie positiv auf das Coronavirus getestet worden seien oder direkten Kontakt zu Infizierten gehabt hätten.

„Die Insel Lesbos hat den Ausnahmezustand erklärt“, sagte ein Regierungssprecher dem Fernsehsender ERT. Am Morgen sei ein Treffen der Regierung geplant, „um die Situation in Moria und die nötigen Maßnahmen zu erörtern“.

Feuer in Moria: Menschen auf der Flucht von Polizei gestoppt

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete in der Nacht, auch ein außerhalb des Hauptlagers liegender Olivenhain mit Zeltunterkünften für Flüchtlinge brenne. Menschen sollen dem Fotografen zufolge zu Fuß in Richtung des Hafens der Inselhauptstadt Mytilini geflüchtet sein. Dabei seien sie jedoch von Polizeiwagen gestoppt worden. Die Flüchtlingshilfsorganisation Stand by Me Lesvos schrieb im Internetdienst Twitter: „Alles brennt, die Menschen fliehen.“ Augenzeugen berichteten der Organisation zufolge, dass Einwohner flüchtende Menschen daran gehindert hätten, ein nahegelegenes Dorf zu betreten.

Nach Angaben der Feuerwehr waren mehrere Brände innerhalb des Lagers wie auch in der Umgebung ausgebrochen. Der Präsident der Feuerwehrgewerkschaft sagte am Morgen, das Camp sei „zu 99 Prozent abgebrannt“. Das Feuer ihm zufolge jedoch weiter. Laut Feuerwehr waren 25 Feuerwehrleute sowie zehn Wagen im Einsatz. Es gebe keine Verletzten, aber mehrere Menschen mit leichten Rauchvergiftungen.

Feuer in Moria unter Kontrolle

+++ 09:00 Uhr: Der Großbrand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist nach Regierungsangaben seit dem frühen Mittwochmorgen weitgehend unter Kontrolle. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis habe für den Vormittag ein Krisentreffen in Athen einberufen, sagte Regierungssprecher Stelios Petsas dem staatlichen Fernsehsender ERT weiter.
 

+++ 08:40 Uhr: Nach dem Ausbruch mehrerer Brände im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos fordert der Nordrhein-westfälische Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) eine rasche Reaktion von Bund und EU. „Es ist erbärmlich, dass die EU so lange zugeschaut hat, bis es in Moria zu dieser Eskalation gekommen ist“, sagte Stamp am Mittwoch. Jetzt sei unmittelbares Handeln notwendig, um es nicht zur Katastrophe kommen zu lassen.

Die Länder hätten bereits Hilfe angeboten, sagte Stamp. „Der Bund muss die Koordination übernehmen. Horst Seehofer und Heiko Maas sind bisher untätig geblieben. Das muss sich sofort ändern.“ Da Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft inne habe, trage es eine besondere Verantwortung.

Feuer zerstört Flüchtlingslager Moria auf Lesbos fast vollständig

Erstmeldung: Athen - Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos steht nach dem Ausbruch mehrerer Brände in der Nacht zum Mittwoch fast vollständig in Flammen. Auch brennt es in der Landschaft der Umgebung. In den frühen Morgenstunden wütete das Feuer weiter, angefacht von Winden mit bis zu 70 km/h. Schon in der Nacht begannen die Behörden laut griechischen Medienberichten mit der Evakuierung des Lagers, nachdem Wohncontainer Feuer gefangen hatten. Über Verletzte oder gar Tote gab es zunächst keine Informationen.

Sondereinheiten der Bereitschaftspolizei und der Polizei waren im Einsatz. Videos in sozialen Netzwerken zeigten herumirrende, verängstigte Menschen und auch solche, die „Bye bye, Moria!“ sangen.

Moria auf Lesbos brennt - Geflüchtete fliehen in die Wälder

Viele der mehr als 12 000 Migranten und Geflüchtete, die zuletzt im Lager auf den griechischen Inseln lebten, flohen in die umliegenden Wälder und auf Hügel, andere machten sich auf den Weg zur Inselhauptstadt Mytilini, wie griechische Medien berichteten. Stellenweise sollen sich ihnen Inselbewohner entgegengestellt und ihnen den Weg versperrt haben.

Spannungen habe es in Moria immer gegeben, wegen der Corona-Problematik sei die Situation nun regelrecht explodiert, sagte Mytilinis Bürgermeister Stratos Kytelis dem griechischen Staatssender ERT. Man wisse nicht, wo die Menschen nun untergebracht werden sollten, Tausende seien obdachlos. Auch für die Einheimischen sei die Situation eine enorme Belastung.

Das Flüchtlingslager Moria auf den griechischen Inseln ist seit Jahren heillos überfüllt, zuletzt leben dort nach Angaben des griechischen Migrationsministeriums rund 12 600 Geflüchtete und Migranten - bei einer Kapazität von gerade mal 2800 Plätzen. (ktho/dpa)

Die EU und ihre Mitgliedsländer haben die explosive Lage im Lager Moria geduldet. Damit muss jetzt Schluss sein. Ein Kommentar.

Die EU will nur 400 von 13.000 Flüchtlingen von Lesbos bringen und setzt damit die kalkulierte Härte und die scheinheilige Flüchtlingspolitik fort. Ein Kommentar.

Rubriklistenbild: © John Macdougall

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