Keine Ausreise

Moria: Griechenland stellt sich gegen Deutschlands Angebot an die Geflüchteten

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Die Bundesregierung verkündet, Geflüchtete aus dem Lager Moria aufzunehmen. Doch Griechenland verhindert den Plan - die Geflüchteten müssen bleiben.

  • 12.000 Menschen sind nach einem Feuer im Flüchtlingslager Moria obdachlos.
  • Angela Merkel und Horst Seehofer wollen etwa 1.500 Geflüchtete in Deutschland aufnehmen.
  • Griechenland lässt jedoch keinen der Geflüchteten ausreisen.

Athen - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) haben sich darauf verständigt, etwa 1.500 Geflüchtete aus Lesbos aufzunehmen. Nach dem Feuer im Flüchtlingslager Moria, das mehr als 12.000 Menschen obdachlos gemacht hatte, teilte Seehofer bereits am Freitag (11.09.2020) mit, dass 100 bis 150 unbegleitete Minderjährige nach Deutschland gebracht werden sollen.

Doch was will eigentlich Griechenland? Die Regierung um Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis könnte das Vorhaben Deutschlands verhindern.

Flüchtlinge auf Lesbos ziehen ihre Habseligkeiten hinter sich her.

Moria: Deutschland will Geflüchtete aufnehmen - Griechenland stellt sich quer

Viele Länder, Kommunen und mittlerweile auch die Bundesregierung haben sich für die Aufnahme von Geflüchteten aus dem Lager Moria ausgesprochen. Die Diskussion über Hilfen und eine „europäische Lösung" wurde jedoch über dem Kopf Griechenlands hinweg ausgetragen. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sprach am Montag (14.09.2020) Klartext. Die griechische Regierung werde keinen Geflüchteten ausreisen lassen. Stattdessen sollen sie ein neues Zeltlager beziehen, das in der Nähe von Moria aufgebaut wird.

„Es besteht kein Zweifel, dass Moria von einigen hyperaktiven Flüchtlingen und Migranten verbrannt wurde, die die Regierung erpressen wollten, indem sie Moria niederbrannten und ihre sofortige Umsiedlung von der Insel forderten“, sagte er. Dieses Vorgehen, mit einem Aufruhr Asyl zu erpressen, könne Nachahmer ermutigen, so Mitsotakis. 12.000 Geflüchtete müssen daher auf Lesbos bleiben.

Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis will Geflüchtete nicht aus Griechenland ausreisen lassen.

Aufgrund der katastrophalen Bedingungen in Moria weigern sich viele, in das neue Lager bei Kara Tepe einzuziehen. Bei einer Demonstration am Sonntag (13.09.2020) setzte die Polizei Tränengas gegen Geflüchtete ein. Etwa 3.000 Leute sollen in der „Zeltstadt“ Platz finden.

Moria: Griechenland lässt sich von Geflüchteten nicht „erpressen“, sagt Ministerpräsident Mitsotakis

Auch auf anderen griechischen Inseln, wie Samos, Chios, Kos und Leros, befinden sich überfüllte Lager, in denen Tausende dicht aneinander unter Plastikplanen und Hütten aus Holzpaletten verweilen, wie die „Tagesschau" berichtet. Aus Sorge um ähnliche Szenen wie in Moria wird keiner aus den Lagern ausreisen dürfen - auch nicht nach Deutschland.

In Gesprächen mit Angela Merkel soll sich Kyriakos Mitsotakis für die deutsche Unterstützung bedankt haben. Dabei äußerte er den griechischen Plan: „Möglich wäre, dass Deutschland Familien aufnimmt, die ihr Asylverfahren hier bereits abgeschlossen haben und anerkannt sind“, zitiert die „Tagesschau“ Mitsotakis.

Diese Familien befinden sich jedoch vor allem in Athen und auf keinen Fall in Moria oder anderen Flüchtlingslagern. Sie haben in Griechenland Asyl bekommen und durften die Lager verlassen. Heute leben viele auf der Straße und die Fürsorge um sie überfordernt die griechischen Behörden. Bei ihnen fühle sich die Regierung von der EU im Stich gelassen. Die Geflüchteten auf Lesbos werden jedoch weiterhin bleiben müssen, bis ihre Asylanträge genehmigt sind.

Rubriklistenbild: © Petros Giannakouris/AP/dpa

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