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Provisorische Zelte, nur kaltes Wasser: Im Winter werden die Umstände in Moria noch unerträglicher sein.

Flüchtlinge in Griechenland

In Moria droht die humanitäre Katastrophe

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Human Rights Watch warnt vor den inhumanen Zuständen in griechischen Flüchtlingslagern. Vor dem Winter müssten die Lebensbedingungen der Asylsuchenden verbessert werden.

Farzaad hat 15 Euro für die beiden kleinen Campingzelte bezahlt, in denen er seit September mit seiner siebenköpfigen Familie auf der griechischen Insel Lesbos lebt, in einem Olivenhain gleich neben dem offiziellen Flüchtlingslager Moria. Weil Moria heillos überfüllt ist, wies die Polizei Farzaad an, sich eine Bleibe im „Dschungel“ zu suchen, wie viele das wilde Camp nennen. Aus den wenigen Duschen fließt nur kaltes Wasser. „Wenn der Winter kommt, wird das für die Kinder zum Problem“, sagte Farzaad den Mitarbeitern der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), die ihn jetzt in Moria besuchten.

In ihrem jüngsten Bericht warnt HRW vor einer „ausgewachsenen humanitären Katastrophe“, wenn das Lager Moria nicht schnellstens winterfest gemacht wird. Hier leben aktuell über 6800 Menschen, obwohl das Camp nur für 3100 Personen ausgelegt ist. „Tausende Menschen, die in Europa Schutz suchen, werden auf Lesbos ihrer elementarsten Rechte auf eine menschenwürdige Behandlung beraubt“, sagt Todor Gardos von HRW.

Die von der EU unterstützte Politik, wonach Asylsuchende auf den griechischen Inseln festgehalten werden, hätten Lesbos in ein „Freiluftgefängnis“ verwandelt, kritisiert Gardos. Human Rights Watch interviewte auf der Insel 26 Asylsuchende. Sie sahen in Moria gebrochene Abwasserleitungen und unkontrollierte Fäkalienströme, die zu Infektionskrankheiten führen können. In manchen Wohncontainern hausen 15 Menschen – einer pro Quadratmeter. Viele haben nicht einmal eine Matratze zum Schlafen.

Nach dem EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen sollen Neuankömmlinge so lange in den Insellagern bleiben, bis über ihre Asylanträge entschieden ist. Aber das kann Monate oder sogar Jahre dauern. Obwohl Schwangere, unbegleitete Minderjährige, Alte, Folteropfer oder Behinderte nach den Bestimmungen des Flüchtlingsabkommens aufs Festland gebracht werden dürfen, halten die griechischen Behörden nach Feststellungen der Uno-Flüchtlingsagentur UNHCR in den Insellagern rund 4000 dieser besonders schutzbedürftigen Menschen fest.

Human Rights Watch appelliert an die griechische Regierung, rechtzeitig vor dem Winter die Lebensbedingungen der Asylsuchenden auf Lesbos und den anderen Ägäisinseln zu verbessern, ihnen menschenwürdige Unterkünfte, sauberes Wasser und Schutz vor Übergriffen zu garantieren. Auch die EU nimmt HRW in die Pflicht: „Die widerwärtigen Bedingungen auf den Inseln sind eine kollektive Schande für Europa.“

Der griechische Migrationsminister Dimitris Vitsas hat jetzt versprochen, bis zum Ende des Jahres 6000 Asylsuchende von den Inseln in Unterkünfte aufs Festland zu bringen. Das war allerdings nicht die erste Ankündigung dieser Art. Bereits im Juni hatte Vitsas erklärt, bis zum September die Zahl der Menschen in den Insellagern auf 10.000 zu begrenzen. Tatsächlich leben dort fast 18.400 Asylsuchende.

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