In den Morgenstunden wurde Rolf Heißler überrascht

Im Appartementhaus wohnten meist Ausländer / Fahrschulinhaber mußte Polizei seine Räume zur Verfügung stellen

Von Hans-Jürgen Biedermann und Ric Folz

Ein VW-Transporter der Frankfurter Polizei parkte auch am Sonntagmittag noch vor dem Haus Textorstraße 79, nur einige hundert Meter von den Sachsenhäuser Vergnügungsstätten entfernt. Autofahrer schauten denn auch neugierig an der Fassade des dreistöckigen Altbaues empor. Das Dienstfahrzeug signalisierte: Dies ist das Haus! Knapp 30 Stunden zuvor hatte man hier Rolf Heißler herausgetragen. Sein Kopf blutete und die Hände trugen Stahlfesseln. Für den Fahrschulinhaber Wolfgang Georg Zilch war es eine kurze Nacht zum Samstag. Gegen 2.30 Uhr meldete sich die Polizei über Telefon und eröffnete dem verdutzten Geschäftsmann, man brauche sofort seinen Unterrichtsraum in der Textorstraße 70. Fragen nach dem Warum blieben unbeantwortet.

Doch morgens um acht Uhr wollte Zilch dann doch genaueres wissen, In seiner Fahrschule traf er auf vier Zivilbeamte, die sich um ein Funkgerät scharten und eifrig durch die Gardine zur gegenüberliegenden Nr. 79 spähten. Den Mann, der kurz danach auf der anderen Straßenseite das Haus betrat, hat Zilch nicht gesehen. Er beobachtete lediglich, wie mehrere Beamte in die 79 stürmten. Das Haus beherbergt 25 Appartements, die vorwiegend von Ausländern bewohnt werden. Es besitzt den Grad von Anonymität, den die Mieter von konspirativen Wohnungen bevorzugen. Heißler hatte die Wohnung Nummer 2 im Erdgeschoß, zwei Fenster zur Straße belegt. Auf dem Briefkasten ein Schild mit dem Namen Riem. Darüber ein Aufkleber mit dem Text: 'Reklame-Einwurf und Vertreterbesuche verboten.'

Der Hausmeister, dessen Wohnung unter dem Dach liegt, wehrte hartnäckig alle Versuche ab, ihm Einzelheiten über den Mieter Rolf Heißler zu entlocken. Auch die Frankfurter Polizei blieb zugeknöpft und gab über eine dürre Pressemitteilung hinaus keinerlei Erklärungen ab. Man verwies an die Karlsruher Bundesanwaltschaft, die wiederum für den heutigen Montag eine Verlautbarung in Aussicht stellte.

Nachbarn und Passanten bildeten noch stundenlang Grüppchen vor dem Tatort. Allgemein glaubte man, Zeuge eines bedeutenden Ereignisses zu sein. Durch die Fenster der Heißler-Wohnung sah man die Spurensicherer bei der Arbeit. Deren Geräte waren zuvor schon in schweren Koffern aus einem Caravan, vorbei an einer Blutlache im Parterre-Korridor, in die Wohnung getragen worden. Von den Gesprächen in der Kulisse blieb die Feststellung einer Frau haften: 'Wieder ein Kopfschuß, und so was nennt man heutzutage Festnahme.'

Draußen in Niederrad, wo Rolf Heißler unterdessen die Genehmigung für eine Operation gegeben hatte, bauten sich im Foyer der Neurochirurgie drei Uniformierte auf. Außerhalb patrouillierten zwei Zivilbeamte um den Block. Dem einen hingen Handschellen aus der Gesäßtasche, der andere jonglierte mit einer Maschinenpistole. Deutliche Zeichen dafür, daß an einen schnellen Transport Heißlers nach Karlsruhe nicht zu denken war.

Die Polizei fand in der Textorstraße 79 kein Waffenarsenal. Statt dessen Zeitungen - von der 'Welt' über die 'Süddeutsche' bis zur Frankfurter Ausgabe der 'Bild'. Personen, die Heißler beim Kauf der Wochenendausgaben beobachtet haben, werden gebeten, das Bundeskriminalamt oder jede andere Polizeidienststelle zu informieren. Bei der Spurensicherung entdeckte die Polizei überdies eine leere Brötchentüte der Firma Lochner. Die Backwaren sind vermutlich in der Freßgass' gekauft worden.

In einer konspirativen Wohnung recherchierten Polizeibeamte in Frankfurt zuletzt im August 1977. Damals drangen die Ordnungshüter in ein Appartement in dem Hochhaus Wiener Straße 63 in Oberrad ein. Nach amtlichen Verlautbarungen ist von hier aus der Mord an dem Bankier Erich Ponto - in Oberursel - geplant worden. Der gleichen Quelle zufolge hatte Adelheid Schulz damals die Wohnung angemietet Nach ihr wird noch heute gefahndet.

FR vom 11. Juni 1979

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