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Die Bundesanwälte Herbert Diemer (von links), Anette Greger und Jochen Weingarten.

Beate Zschäpe

NSU mordete "Hand in Hand"

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Die Anklage zerlegt im NSU-Prozess die Version von Beate Zschäpe, sie sei innerhalb der Terrorgruppe isoliert gewesen.

Im Münchner NSU-Prozess setzte am Mittwoch die Bundesanwaltschaft ihr Plädoyer fort. Erneut bekräftigte Oberstaatsanwältin Annette Greger, dass Beate Zschäpe ein gleichberechtigtes Mitglied der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) gewesen sei. Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt und Zschäpe hätten im „Dienst der gemeinsamen Sache“ gestanden, sagte Greger. Jedem kamen dabei bestimmte Aufgaben zu. 

Detailliert und präzise trug sie die Indizien zusammen, die aus Sicht der Anklage für eine Mittäterschaft Zschäpes an den Mordtaten ihrer Freunde Mundlos und Böhnhardt sprechen. Die beiden Männer seien – anders als es die Einlassungen Zschäpes im Prozess implizieren sollten – kein „psychopathisches Duo“ gewesen, das neben der Gefährtin her lebte und hin und wieder mordete.

Zschäpe: „herausragende Stellung“

Das Trio sei vielmehr eine eingeschworene Gemeinschaft mit „einer sehr engen, vertrauensvollen Bindung“ gewesen.

„Alle drei schweißte ein unbedingtes Vertrauen zusammen“, sagte die Anklägerin. „Sie arbeiteten einvernehmlich Hand in Hand zusammen und führten ihr Handeln in ein großes Ganzes ein.“ So habe Zschäpe unter anderem bei der Beschaffung von Aliaspersonalien, SIM-Karten für die Mobiltelefone der Gruppe und Ausweisdokumenten eine führende Rolle gespielt. Die Verwaltung der gemeinsamen Kasse des Trios bestätigt aus Sicht Gregers zudem Zschäpes „herausragende Stellung in der Gruppenhierarchie“.

Als weiteren Beleg dafür, dass die Hauptangeklagte entgegen ihrer Darstellung nicht in der Gruppe isoliert gewesen sei, führte Greger unter anderem den Umstand ein, dass der vom Trio hauptsächlich benutzte Computer frei und für jeden zugänglich in Zschäpes Zimmer in der Zwickauer Frühlingsstraße stand. Der Zugang zum Computer, auf dessen Festplatte sich auch Dateien aus dem sogenannten NSU-Bekennervideo befanden, sei unverschlüsselt gewesen. Auch auf den zweiten Computer der Gruppe – ein Laptop, das Mundlos und Böhnhardt bei ihrer letzten Fahrt nach Eisenach im Wohnmobil mitführten – konnte Zschäpe ungehindert zugreifen. 

„Herzstück der Gruppe“ sei ihre Wohnung gewesen, in der die Beute aus den Überfällen sowie Waffen, Handys und das Zeitungsarchiv zu den NSU-Morden für alle drei zugänglich herumlagen. Selbst der Zugang zum besonders gesicherten Keller, in dem sich unter anderem ein selbstgebauter „Schussapparat“ befunden habe, mit dem „in der Öffentlichkeit, unbemerkt, eine Salve von Schüssen“ hätte abgegeben werden können, sei Zschäpe nicht verwehrt gewesen. „Geheimnisse bestanden untereinander nicht“, sagte Greger.

Mehrfach unterstrich die Oberstaatsanwältin die Grundannahme der Anklage, dass der NSU ausschließlich aus dem Trio bestanden habe, „als kleine Zelle“ konzipiert gewesen sei, die „nur partiell“ auf Unterstützer zurückgegriffen hätte. Schon zu Beginn des Plädoyers am Dienstag hatte auch Bundesanwalt Herbert Diemer mögliche Indizien für ein größeres NSU-Netzwerk als „Spekulation“ abgetan. Zweifel an der Trio-Theorie und den von der Anklage präsentierten Ermittlungsergebnissen, die eine Mitverantwortung staatlicher Behörden am Entstehen des NSU konsequent aussparen, tat er dabei als „Irrlichter und Fliegengesumme“ ab. Das hatte anschließend zu heftiger Kritik insbesondere der Nebenkläger geführt, die ihre beharrlichen – und von der Bundesanwaltschaft wiederholt blockierten – Aufklärungsbemühungen im NSU-Prozess damit diskreditiert sahen.

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