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Auf dem Foto ist Krestina Chatschaturjan im Bezirksgericht Basmanny zu sehen.

Vatermord

Russische Justiz und häusliche Gewalt: Wende in Ermittlungen gegen missbrauchte Schwestern

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Bei den Ermittlungen gegen drei junge Schwestern in Russland, die nach jahrelangem Missbrauch ihren Vater getötet haben, gibt es eine überraschende Wende.

  • Wende in Ermittlungen gegen drei Schwestern, die ihren Vater getötet haben
  • Staatsanwaltschaft sprach sich gegen Anklage wegen Mordes aus
  • Debatte um Umgang mit häuslicher Gewalt und Missbrauch in Russland

Moskau - Laut Aussage des Anwalts der drei jungen Frauen, Alexej Parshin, wolle die Staatsanwaltschaft die Ermittlung in diesem Fall einstellen. Darüber hinaus soll sie das Ermittlungskomitee aufgefordert haben, den Vorwurf wegen Mordes fallen zu lassen. Der Vize-Generalstaatsanwalt Viktor Grin habe es abgelehnt, die erhobenen Vorwürfe gegen die Schwestern Krestina, Angelina und Maria Chatschaturjan weiter bestehen zu lassen. Grin soll dies mit der Aussage begründet haben, dass der jahrelange Missbrauch durch den Vater in den Ermittlungen nicht berücksichtigt worden sei. Bis zum jetzigen Zeitpunkt äußerten sich jedoch weder die Generalstaatsanwaltschaft noch das Ermittlungskomitee offiziell zu den Aussagen des Anwalts.

Justiz in Russland: Staatsanwaltschaft fordert Anklage wegen Mordes

Die Tötung von Michail Chatschaturjan durch seine drei Töchter erregte in Russland und im Ausland viel Aufsehen. Krestina, Angelina und Maria Chatschaturjan, die zum Tatzeitpunkt  17, 18 und 19 Jahre alt waren, töteten ihren Vater im Juli 2018 mit Hammerschlägen und Messerstichen. Noch im Dezember 2019 hatte das Ermittlungskomitee gefordert, die beiden älteren Schwestern wegen Mordes und Verschwörung zum Mord anzuklagen. In diesem Falle drohen den zur Tatzeit volljährigen Schwestern Haftstrafen von bis zu 20 Jahren. Im Falle der jüngeren Schwester empfahlen die Ermittler eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie.

Russland: Jahrelanger Missbrauch der Töchter durch den Vater

Der Anwalt der Schwestern gab an, dass diese fast täglich von ihrem Vater geschlagen und regelmäßig sexuell missbraucht worden waren. Darüber hinaus soll er sie mit einer Luftpistole beschossen und mit Pfefferspray besprüht haben. Die älteste Tochter wäre dabei im Jahr 2018 beinahe wegen Erstickung ums Leben gekommen. Im Rahmen der Untersuchungen in diesem Fall wurde bekannt, dass Nachbarn und Verwandte sich bereits wegen des Missbrauchs der Töchter an die Polizei gewandt hatten. Diese nahm die Meldungen jedoch nicht ernst und leiteten deshalb keine weiteren Schritte ein. Laut dem Anwalt der Schwestern habe Michail Chatschaturjan gute Beziehungen zu mehreren Beamten der Straverfolgungsbehörden gehabt. Nachdem die jüngste der drei Schwestern versucht hatte, sich das Leben zu nehmen, beschlossen die älteren Mädchen die gemeinsame Tötung des Vaters.

Wladimir Putin: Dekret mildert Strafen im Falle von häuslicher Gewalt in Russland

Im Jahr 2017 hatte der russische Präsident Wladimir Putin ein Dekret erlassen, durch welches die Strafe für Misshandlungen im Familienkreis herabgesetzt wurde. Statt einer Haftstrafe erhalten Ersttäter seit damals nur noch eine Geldstrafe. Das Dekret und der Fall um die Schwestern Chatschaturjan hat viel Kritik am Vorgehen der russischen Polizei hervorgerufen. Menschenrechtsaktivisten prangern den Umgang der russischen Justiz mit häuslicher Gewalt an.  

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afp/Astrid Theil

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