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Erik Prince im Oktober 2007 in Washington: Der Blackwater-Gründer rechtfertigt die Einsätze seiner Truppe im Irak.

Blackwater

Mord ist Mord - das gilt auch für Blackwater

Weil sie im Irak Zivilisten erschossen haben, müssen vier Blackwater-Söldner für Jahrzehnte ins Gefängnis. Ein Erfolg für die Angehörigen - und ein wichtiges Signal für die Glaubwürdigkeit der USA.

Von Thomas Spang

Als die Angeklagten in ihren blauen Hosenanzügen einer nach dem anderen vor Richter Royce Lamberth traten, ließen sie nicht viel an Schuldbewusstsein zu erkennen. Das Gericht habe nicht verstanden, wie gefährlich die Situation in Bagdad damals am 16. September 2007 gewesen sei. Stattdessen sei es in dem gesamten Verfahren bloß darum gegangen, unbescholtene Patrioten aus politischen Gründen zu verurteilen.

„Ich weiß sicher, dass meine Ehre wiederhergestellt wird; in diesem Leben und dem nächsten“, erklärte Paul A. Slough, der das Massaker an den irakischen Zivilisten mit den Umständen begründete, in denen er sich befunden hatte. „Ich kann ganz ehrlich nicht sagen, irgendetwas falsch gemacht zu haben,“ erklärte anschließend auch Dustin Heard, der den Tod der 14 Iraker zwar bedauerte aber für unvermeidbar hielt. „Gott ist mein Zeuge“, sieht sich auch Evan Liberty im Recht. Er habe nur auf den Beschuss durch Aufständische reagiert. So sieht es auch Nicholas Slatten, der das Blutbad mit einem gezielten Kopfschuss begonnen hatte: „Ich bin unschuldig, Sir.“

Richter Lamberth ließ sich weder von den Einlassungen der Angeklagten noch den 100 Unterstützern beeinflussen, die in Blackwater-T-Shirts im Gerichtssaal die weltweit mit Spannung erwartete Verhängung des Strafmaßes verfolgten. Selbst wenn sich die jungen Männer bis zu diesem Tag nichts hätten zuschulden kommen lassen, „kann so etwas nicht durch das Gericht geduldet werden“. Lamberth folgte im Fall Slattens der Forderung der Staatsanwaltschaft und schickte den Rädelsführer ein Leben lang hinter Gitter. Die drei anderen Angeklagten kamen mit 30 Jahren Haft davon.

Die Anwälte der Verteidigung kündigten an, Berufung einzulegen. Erleichterung machte sich dagegen bei den Angehörigen der Opfer breit. Mohammed Hafedh Abdulrazzaq Kinani, dessen neunjähriger Sohn bei dem Massaker ums Leben kam, hatte in seinem leidenschaftlichen Appell an den Richter wiederholt, was die 71 Zeugen, darunter auch ehemalige Blackwater-Mitarbeiter, in der Hauptverhandlung ausgesagt hatten: dass die Söldner unprovoziert das Feuer eröffneten. „Blackwater hatte eine Macht wie Saddam Hussein“, sagte Kinani. „Die Macht kam von den Vereinigten Staaten.“ Das Urteil werde zeigen, wer gewinnt: „das Recht oder Blackwater“.

Nach einem Verfahren, das über die vergangenen acht Jahre einer Achterbahnfahrt glich, behielt zuletzt die Unabhängigkeit der Justiz die Oberhand. „Was am 16. September 2007 passierte, war nicht weniger als eine Gräueltat“, erklärte sich Staatsanwalt T. Patrick Martin für die Ankläger befriedigt über den Ausgang.

Bushs Schattenkrieger

Für die US-Regierung sind die Urteile nicht nur ein juristischer Erfolg, sondern auch politisch ein wichtiges Signal, das hilft, verlorene Glaubwürdigkeit im Ausland wiederherzustellen. Das Massaker auf dem Nisour-Platz hatte in Irak eine ähnlich traumatische Wirkung wie der Gefangenenmissbrauch in Abu Ghraib und das Blutbad von Haditha.

Die Söldner-Truppe des in North Carolina gegründeten Unternehmens „Blackwater“ hielt in Irak eine Armee aus Schattenkriegern unter Waffen, die sich außerhalb der Kommandokette des US-Militär bewegten. Obwohl es viele Vorwürfe von Übergriffen und Fehlverhalten der Söldner gab, schützte die Regierung George W. Bushs die Männer.

Erst das Massaker auf dem Nisour-Platz führte zu einem Umdenken und der Kündigung der Verträge im Irak, die mehr als eine Milliarde Dollar in die Kassen des republikanischen Großspenders und Firmen-Gründers Erik Prince gespült hatten. Blackwater wechselte danach mehrfach den Namen und die Besitzer. Heute heißt es Academi. Und es verdient immer noch viele Millionen, weil es in Afghanistan gegen Drogenanbau und Handel vorgeht. Ihre Praxis bleibt intransparent.

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