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Dag Hammarskjöld.

UN-Generalsekretär Dag Hamarskjöld

Mord am Himmel über Ndola

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Das Geheimnis um den Tod von UN-Generalsekretär Dag Hamarskjöld 1961 scheint aufgeklärt.

Wenn es nach den Autoren eines nächste Woche veröffentlichten Dokumentarfilms geht, ist eines der hartnäckigsten Rätsel des 20. Jahrhunderts gelöst – die Umstände, die vor mehr als 57 Jahren zum Tod von UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld führten.

In ihrem Werk, das beim Sundance Festival in den USA uraufgeführt wird, kommen der dänische Filmemacher Mads Brügger und der schwedische Privatdetektiv Göran Björkdahl zu dem Resultat, dass der belgische Söldnerpilot Jan van Risseghem die Maschine des UN-Chefs im Anflug auf den Flughafen im sambischen Ndola am 18. September 1961 abschoss. Sie stützen sich dabei auf die Aussagen eines Freundes des vor elf Jahren verstorbenen Piloten: Mehrmals will Pierre Coppens von seinem Kollegen gehört haben, dass dieser mit einem zum Kampfflieger umgebauten „Fouga Magister“-Trainer die DC6 des schwedischen Diplomaten angriff. „Manchmal musst du Dinge tun, die du nicht gerne tust“, soll der in England ausgebildete van Risseghem dabei gesagt haben.

Dass der Verkehrsflieger nicht etwa verunglückte, sondern tatsächlich abgeschossen wurde, hatte sich in jüngster Zeit immer deutlicher abgezeichnet. Angesichts neuer Erkenntnisse hatte eine Kommission prominenter Richter dem Staatenbund bereits vor fünf Jahren empfohlen, die Ermittlungen um den Tod Hammarskjölds wieder aufzunehmen. Kurz nach dem Absturz hatten britische Ermittler von einem Pilotenfehler als Unglücksursache gesprochen: Doch inzwischen stellt sich immer deutlicher heraus, dass London ein Interesse an der Verschleierung des Vorfalls hatte. Noch immer verweigere die britische Regierung jegliche Kooperation, klagte Tansanias ehemaliger Oberster Richter, Mohamed Othman, in einem von der UN beauftragten Bericht im September 2017.

Hammarskjöld wollte die Einheit des Kongos bewahren

Die Gründe für die britische Blockade werden in den Begleitumständen des Todes des „größten Staatschefs unseres Jahrhunderts“ (US-Präsident John F. Kennedy über Hammarskjöld) ersichtlich. Der UN-Chef hatte sich um eine Lösung im Konflikt um die Abspaltung der Katanga-Provinz von dem eben erst unabhängig gewordenen Kongo bemüht. Doch die Westmächte – allen voran Großbritannien, die USA sowie Belgien – unterstützten den Separatistenführer Moïse Tshombe, von dem sie sich ungehinderten Zugang zu den strategisch bedeutenden Uran- und Kobalt-Vorkommen versprachen. Hammarskjöld wollte dagegen die Einheit des Kongos bewahren.

Der damals 56-jährige UN-Chef machte sich am 17. September 1961 mit 14 seiner engsten Mitarbeiter in einem geheim gehaltenen Nachtflug auf den Weg von der kongolesischen Hauptstadt Leopoldville (heute Kinshasa) nach Ndola, um dort mit Tshombe zusammenzutreffen. Neun Kilometer vom Zielflughafen stürzte der Flieger dann in ein Waldstück. Fast alle Insassen kamen ums Leben. Nur ein Leibwächter überlebte schwer verletzt, starb aber fünf Tage später.

Örtliche afrikanische Augenzeugen, die von den britischen Kolonialbehörden nicht angehört wurden, erinnerten sich später an ein zweites Flugzeug sowie einen Feuerball, in den die „Albertina“ bereits vor ihrem Absturz eingehüllt gewesen sei. Bei Recherchen zu ihrem Buch „Who killed Hammarskjöld?“ machte die britische Autorin Susan Williams den US-Geheimdienstler Charles Southall ausfindig, der zum fraglichen Zeitpunkt über Funk die Sätze „Ich habe es getroffen. Es brennt. Es stürzt ab“ gehört haben will.

Diese Details stimmen mit den Erzählungen van Risseghems überein. Als von Tshombe angeheuerter Söldner habe er den Auftrag erhalten, die DC6 abzuschießen, wusste aber angeblich nicht, wer sich da an Bord befand. Experten sind sich einig, dass die volle Wahrheit über den Anschlag auf Dag Hamarskjöld in den Archiven der westlichen Geheimdienste zu finden sein werden.

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