Kommentar

Moralisches Gespür verloren

Der Bericht der Wirtschaftsprüfer zeigt erschreckend klar: An der Spitze von Unicef Deutschland ist das Gespür für die ethischen Grenzen des Spendengeschäfts verloren gegangen. Matthias Thieme kommentiert am 15. Januar.

Von MATTHIAS THIEME

Spendenorganisationen müssen es sich gefallen lassen, nach anderen Kriterien beurteilt zu werden als Unternehmen in der freien Wirtschaft. Denn karitative Einrichtungen verkaufen keine Produkte, sondern handeln mit einem sehr zerbrechlichen Gut: ihrer Glaubwürdigkeit und Integrität.

Wer spendet, tut dies freiwillig und will damit meistens ein moralisch hochstehendes Vorhaben unterstützen. Deshalb muss sich jede Organisation, die mit geschenktem Geld arbeitet, an diesen Maßstäben messen lassen. Der Bericht der Wirtschaftsprüfer zeigt erschreckend klar: An der Spitze von Unicef Deutschland ist das Gespür für die ethischen Grenzen des Spendengeschäfts verloren gegangen. Dass in Köln Millionen-Beträge per Handschlag vergeben wurden, muss den 8000 ehrenamtlichen Spendensammlern wie eine Verhöhnung ihrer unentgeltlichen Arbeit vorkommen.

Wenn das Kinderhilfswerk seine Helfer und Spender nicht verlieren will, muss es aus dem alarmierenden Bericht der Wirtschaftsprüfer auch Konsequenzen ziehen.

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