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Nach knapp vier Monaten: Montenegros Regierung gestürzt

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Von: Nail Akkoyun

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In Montenegro hat das Parlament nach wenigen Monaten die Regierung gestürzt.
In Montenegro hat das Parlament nach wenigen Monaten die Regierung gestürzt. © Imago

Erst seit Ende April war Dritan Abazovic in Montenegro im Amt, jetzt stürzt das Parlament die pro-westliche Regierung. Grund ist ein umstrittener Vertrag.

Podgorica – Im Nato-Land Montenegro hat das Parlament die Regierung des erst seit dreieinhalb Monaten amtierenden Ministerpräsidenten Dritan Abazovic gestürzt. 50 von 81 Abgeordneten stimmten in der Nacht zum Samstag (20. August) auf Initiative der Partei DPS des Staatspräsidenten Milo Djukanovic und vier weiterer Fraktionen dafür. 

Der öko-liberale Abazovic hatte gut zwei Wochen zuvor den Staatschef verärgert, weil er einen umstrittenen Vertrag mit der serbisch-orthodoxen Kirche unterschrieben hatte. Vorerst dürfte Abazovic kommissarisch weiterregieren, bis über seine Nachfolge entschieden wird.

Trotz pro-westlicher Regierung: Kirchenvertrag räumt Serbien mehr Macht in Montenegro ein

Der 36-jährige Abazovic hatte sein Amt erst am 28. April angetreten, nachdem die mehrheitlich pro-serbische Vorgängerregierung im Parlament gestürzt worden war. Abazovic gilt ebenso wie Djukanovic als pro-westlich. Er hatte eine Minderheitsregierung geführt, mit einer bunten Koalition, bestehend aus seiner liberalen Partei URA, den Grünen, Sozialdemokrat:innen, ethnische Parteien von Albaner:innen und Bosniaken sowie eine pro-serbische Partei.

Der Kirchenvertrag gilt als umstritten, weil er der von Serbien aus gelenkten orthodoxen Kirche Sonderrechte einräumt. Deren Führung hat sich mit der staatlichen Unabhängigkeit Montenegros nie wirklich abgefunden. Die ehemalige jugoslawische Teilrepublik war 2006 – damals im Einvernehmen mit dem serbischen Staat – unabhängig geworden. Heute versucht die Regierung in Belgrad über die Kirche und lokale pro-serbische Parteien und Organisationen wieder mehr Einfluss im benachbarten Montenegro zu erlangen.

Die Spannungen zwischen Abazovic und dem Parlament hatten drei Tage zuvor auch dazu geführt, dass die Wahl von Mitgliedern für einen politisch unabhängigen Justizrat in der Volksvertretung scheiterte. Die EU-Kommission hatte diesen Schritt mehrfach angemahnt. Das kleine Land an der Adria ist seit 2017 Mitglied der Nato und strebt einen EU-Beitritt an. (nak/dpa)

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