Thüringen

Mohring auf Bewährung

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Der Thüringer CDU-Chef hat derzeit nicht viel Rückhalt. Das Wahldebakel und Sünden aus der jüngeren Vergangenheit tun das übrige. 

Es war dann doch noch ein Wahlsieg, aber gleichzeitig war es eine zweite Ohrfeige innerhalb kürzester Zeit: Mit nur 66 Prozent haben die CDU-Abgeordneten im Thüringer Landtag ihren Spitzenkandidaten Mike Mohring wieder an die Spitze der Fraktion gewählt. Der 47-Jährige startet also mit einer großen Hypothek in die nächste Wahlperiode: Die CDU hat nicht nur vor zwei Wochen unter seiner Führung die Landtagswahl verloren und ist nur noch auf dem dritten Platz gelandet. Mohring weiß nun auch ein Drittel seiner Fraktion gegen sich – und das in einer Lage mit schwierigen Mehrheitsverhältnissen, in der Teile seiner Partei offen eine Zusammenarbeit mit der AfD befürworten. In der auch noch der thüringische AfD-Chef Björn Höcke damit lockt, seine Partei würde eine Minderheitsregierung von CDU und FDP tolerieren können.

Es kommt da einiges zusammen: Das Wahldebakel lasten nicht wenige in der Thüringer CDU ihrem Vorsitzenden an. Der habe die Kampagne zu sehr auf sich selbst zugeschnitten und zu wenig Mannschaftsspiel zugelassen. Ein Schattenkabinett gab es bei Mohring tatsächlich nicht. Er versuchte, sich als Alternative zum Ministerpräsident Bodo Ramelow ins Spiel zu bringen, um die Rolle des größten Gegners nicht der AfD zu überlassen.

Mike Mohring, CDU-Landeschef.

Nicht nur das ist missglückt: In einem TV-Interview nach der Wahl zeigte sich Mohring bereit, mit Ramelow zu sprechen. Die CDU sei bereit, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Es mag der Versuch gewesen sein, sich als Staatsmann zu inszenieren, der über den üblichen parteipolitischen Ränkespielen steht. Verstanden wurde dies aber als Offenheit für eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei und damit als Bruch mit bisherigen Zusicherungen der CDU. Bundes- wie Landes-CDU standen Kopf. Mohring galt nun als machtversessen und prinzipienlos.

Seinen Gegnern in den eigenen Reihen kam das sicher zupass. Denn die Thüringen-CDU war schon vor der Wahl alles andere als geeint. Mohring galt als Gegenspieler der Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, ihm wurde vorgeworfen, an ihrer Ablösung nicht unbeteiligt gewesen zu sein. Nach Lieberknecht gab es dann keine CDU in der Landesregierung mehr. In der Bundespartei galt Mohring als böser Bube. Angeblich versuchte er, mit der AfD einen neuen Bündnispartner zu finden – so flog Mohring aus dem Bundesvorstand, vorübergehend.

Er hat dann versucht, sein Image als Falschspieler zu korrigieren, unter anderem mit Fleiß. Seit Jahren organisiert Mohring die Treffen der Unions-Fraktionschefs. Er arbeitete auch in der Grundrenten-Kommission mit. An seiner Spitzenkandidatur hielt er trotz Krebserkrankung fest, inzwischen gilt er als geheilt. Die Krankheit habe ihn gelehrt, offener zu sein, sagt Mohring. Man müsse bereit sein, zu denken, dass auch der jeweils andere recht haben könne.

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