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Mohrenstraße in Berlin: Gericht weist Klage ab – Straße wird umbenannt

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Von: Moritz Serif

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Das Wort „Mohr“ stammt aus der Kolonialzeit
Das Wort Mohr stammt aus der Kolonialzeit (Archivbild). © Gerald Matzka/dpa/picture alliance

Ein Mann störte sich daran, dass die Mohrenstraße in Berlin bald nicht mehr so heißen wird. Das Gericht urteilt, er habe keine Klagebefugnis.

Berlin – Nur Anwohnende könnten sich gegen die Umbenennung einer Straße wehren. Mit dieser Begründung weist das Verwaltungsgericht Berlin die Klage eines Mannes ab, der sich darüber echauffierte, dass die Mohrenstraße künftig einen anderen Namen bekommt. Dem aus dem Stadtteil Lichtenberg stammenden Kläger fehle es an der Klagebefugnis, urteilte das Gericht laut Mitteilung. (VG 1 K 88/22).

Die Mohrenstraße liegt in Berlin-Mitte, also in einem anderen Bezirk der Hauptstadt. Straßenumbenennungen unterlägen der gerichtlichen Kontrolle nur, soweit ein Verstoß gegen das Willkürverbot oder die Verletzung verfassungsrechtlich geschützter Rechte vorliege. Eine solche Verletzung könne insoweit lediglich durch Anwohner geltend gemacht werden.

Kläger wollte verhindern, dass Mohrenstraße umbenannt wird

Laut Gericht wandte sich der Kläger im Juni vergangenen Jahres gegen die Entscheidung des Bezirksamtes Mitte, die Straße in Anton-Wilhelm-Amo Straße umzubenennen. Das Bezirksamt wies den Widerspruch zurück und erhob eine Gebühr in Höhe von 148,27 Euro, die vom Gericht als rechtmäßig eingestuft wurde. Gegen das Urteil kann der Kläger Berufung beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg einlegen

Wegen ihres Namens sollte die Mohrenstraße bereits zum 1. Oktober 2021 umbenannt werden. Anton-Wilhelm-Amo war im 18. Jahrhundert der erste bekannte Philosoph afrikanischer Herkunft in Deutschland. Der Wissenschaftler lehrte an den Universitäten Wittenberg, Halle und Jena . Wegen zahlreicher eingelegter Widersprüche ist die Umbenennung bisher nicht in Kraft getreten.

Wort „Mohr“ stammt aus der Kolonialzeit

Vor rund einem Jahr hatte ein Student die Aufarbeitung des „M-Begriffes“ aus der Kolonialzeit eingefordert. „Im deutschsprachigen Raum dient das M-Wort seit Jahrhunderten als Bezeichnung für Schwarze, die in der Kolonialzeit durch Weiße verschleppt und versklavt wurden. Wenn man wie ich als Schwarzer tagtäglich an so einer Apotheke vorbeiläuft, das tut schon weh“, sagte Jamal Coulibaly damals.

Das Wort Mohr stammt ursprünglich aus dem griechischen und bedeutet „mauros“ für „schwarz“, beziehungsweise im lateinischen „maurus“ (dt. schwarz, dunkel) und wurde während der Zeit der deutschen Kolonialisierung in Afrika für versklavte und verschleppte Menschen verwendet. (mse/epd)

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