IM WORTLAUT:

"Mörderisches Tauschgeschäft"

Drei prominente Theologen der Bundesrepublik und der Schriftsteller Heinrich Böll appellierten am Wochenende an die Entführer von Hanns-Martin Schleyer.

Drei prominente Theologen der Bundesrepublik und der Schriftsteller Heinrich Böll appellierten am Wochenende an die Entführer von Hanns-Martin Schleyer. Außer dem Nobelpreisträger Böll unterzeichneten der Berliner Bischof Kurt Scharf, Pastor Heinrich Albertz und der Theologieprofessor Helmut Gollwitzer folgenden Aufruf: "Wir appellieren an die Entführer von Hanns-Martin Schleyer: Seien Sie sich klar, daß weiteres Töten alles vernichtet, was Sie erreichen wollen und unabsehbare Folgen für unser ganzes Land haben wird. Auch für Ihre Freunde in den Gefängnissen. Lassen Sie Menschlichkeit über Ihre Planung siegen und geben Sie das mörderische Tauschgeschäft von Menschenleben gegen Menschenleben auf."

Die Unterzeichner legten gegenüber der FR Wert auf die Feststellung, daß sie sich zu diesem Appell entschlossen haben ohne Kenntnis der an sie gerichteten unnötigen Aufforderungen der Bundestagsabgeordneten Hermann Schmidt-Vockenhausen und Axel Wernitz.

Rund 80 linksstehende Wissenschaftler, Künstler und Theologen - unter ihnen Wolfgang Abendroth, Johannes Agnoli, Detlev Albers, Fritz Eberhard, Ossip Flechtheim, Helmut Gollwitzer, Wolfgang Fritz Haug, Werner Holtfort, Claus Offe, Eberhard Schmidt, Jürgen Seifert, Uwe Wesel, Erich Wulff und Gerhard Zwerenz sowie Repräsentanten der Vereinigten Deutschen Studentenschaften und des Liberalen Hochschulverbands - veröffentlichten am Sonntag folgenden Aufruf:

"Wir haben in der vergangenen Zeit die Grundrechte und andere Grundsätze der demokratischen Republik verteidigt. Wir werden auch in Zukunft in diesem Sinn für die strikte Einhaltung der Bürgerrechte eintreten; nach der Erfahrung mit dem Faschismus gehört dazu als wichtigste Errungenschaft das Grundrecht auf Leben. Wenn heute Staatsbürger, insbcsondere Justiz und Polizeibeamte, rücksichtslos niedergeknallt werden, dann sind solche Taten eine Gefahr für die demokratische Republik.

Solch brutales Vorgehen ist eine reale Bedrohung der Schutzrechte des Bürgers - auch weil auf diese Weise staatliche Organe dazu gebracht werden, als Reaktion demokratische Freiheitsrechte einzuschränken.

Indem die Täter die demokratisehe Republik in ihrer Substanz angreifen und glauben, mit solchen Verbrechen beweisen zu können, daß der im Grundgesetz proklamierte Rechtsstaat nur eine Illusion ist, sind sie zu einer außerordentlichen Gefahr geworden - auch und gerade für die Linke. Die Gegenwehr gegen autoritäre Tendenzen in Gesellschaft und Staat und die Möglichkeiten zu gesellschaftlichen Veränderungen in dieser Republik werden blockiert. Die Terroristen zerstören auch die Basis sozialistischer Politik."

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