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Bernie Sanders ist das wohl putzigste Puppenkonterfei im US-Wahlkampf.

Demokraten

Mögliche Gegenkandidaten zu Donald Trump

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Die Demokraten suchen einen Spitzenkandidaten, der es mit US-Präsident Donald Trump aufnehmen kann. Die FR stellt die möglichen Konkurrenten vor.

Zahlreiche US-Demokraten wollen sich als Präsidentschaftskandidaten für die Wahl im nächsten Jahr in Stellung bringen. Doch die Partei muss abwägen, wer die größten Chancen gegen den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump hat. 

Es geht um die grundsätzliche Kursfrage: Wie lassen sich die Anhänger begeistern, ohne potenzielle Wechselwähler zu verprellen? Die FR stellt die aussichtsreichsten Kandidaten vor.

Kamala Harris - die „Antithese zu Trump“

Kamala Harris

„Wenn sie eine Aktie wäre, würde ich sie kaufen“, sagt Jim Messina, Ex-Kampagnenmanager von Barack Obama, über Kamala Harris. „Sie ist die Antithese zu Trump“. 

Tatsächlich bringt die Senatorin von Kalifornien gute Voraussetzungen mit, um in den kommenden Monaten noch mehr Unterstützung zu sammeln: Sie ist als Tochter eines Wirtschaftsprofessors aus Jamaika und einer indischstämmigen Ärztin attraktiv für weibliche und migrantische Wähler, mit 54 Jahren deutlich jünger als viele Mitbewerber und entzieht sich einer ideologischen Zuordnung. Bei der Kavanaugh-Anhörung hat sie zudem ihre rhetorische Brillanz bewiesen. 

Joe Biden - der Alt-Star

Joe Biden

Tritt er an oder tritt er nicht an? Joe Biden, der Alt-Star im Rennen ums Weiße Haus, macht es spannend. Seit 45 Jahren ist der Sohn eines Autoverkäufers in der Politik aktiv. Er diente Präsident Barack Obama als Stellvertreter, verzichtete nach dem Krebstod seines Sohnes aber auf eine Bewerbung um die Nachfolge. 

Der 76-jährige Mann der Mitte kommt bei der Arbeiterschaft gut an. Sein kumpeliger Stil mit Umarmungen und Küssen bereitet ihm allerdings Probleme, nachdem sich mehrere Frauen darüber beschwert haben. Trotzdem wäre er wohl Spitzenreiter. Die Auguren erwarten, dass er nach Ostern seinen Hut in den Ring wirft.

Beto O‘Rourke - der Charismatische

Beto O‘Rourke.


Überraschend taucht er in Coffeeshops auf, steigt auf einen Stuhl und begeistert die Zuhörer mit einer Stegreifrede. Beto O’Rourke, der im Herbst knapp einen Sensationserfolg bei den Senatorenwahlen in Texas verpasste, hat sein Charisma nicht verloren. Allerdings ist der 46-Jährige nicht mehr das einzige frische Gesicht in der Bewerberschar. 

Seine auf die eigene Geschichte zugeschnittene Kampagne mit einer Personality-Story in „Vanity Fair“ macht ihn menschlich sympathisch, nährt aber Zweifel an seiner politischen Substanz. Auch dass er Ölbohrungen im Golf von Mexiko nicht verbieten wollte, hat ihm Kritik eingebracht.

Bernie Sanders - der sozialistische Exot

Bernie Sanders.

Seine Anhänger feiern ihn als Vorkämpfer der Gerechtigkeit. Seine Gegner sehen in dem 77-jährigen parteilosen Senator aus Vermont einen wütenden Sozialisten. Bernie Sanders polarisierte schon 2016, als er im Vorwahlkampf gegen Hillary Clinton unterlag. 

Inzwischen sind die Demokraten nach links gerückt, und seine Forderungen nach einer steuerfinanzierten allgemeinen Krankenversicherung, kostenlosem Studium und höheren Steuern auf Erbschaften klingen nicht mehr so exotisch. Doch Sanders hat Konkurrenz von jüngeren Linken bekommen, und bei den schwarzen Wählern kommt er nicht so gut an.

Elisabeth Warren - die Durchdachte

Elisabeth Warren.

Wer mit Elizabeth Warren diskutiert, sollte die Fakten präsent haben. Von allen Bewerbern fährt die Professorin und Senatorin von Massachusetts die Kampagne mit der meistens Substanz. 

Die 69-Jährige steuert auf linkem Kurs, aber ihre Vorschläge zur Bankenregulierung, Zerschlagung von Internetgiganten oder einer siebenprozentigen Unternehmenssteuer sind bis ins Detail durchdacht. Trotzdem hatte Warren einen schwachen Start und konnte nur ein Drittel der Spenden von Sanders einsammeln. 

Ihr missglückter Versuch, eine Abstammung von den Cherokee-Ureinwohnern nachzuweisen, hat ihr Spott eingebracht.

Pete Buttigieg - der Authentische

Pete Buttigieg.

„Er ist dieselbe Person im Privatleben wie im Wahlkampf“, sagt sein Ehemann Chasten über Pete Buttigieg. Der 37-Jährige wäre bei einer Wahl nicht nur der jüngste, sondern auch der erste offen homosexuelle US-Präsident. 

Weil sein Vater zudem aus Malta einwanderte und Buttigieg sich nicht vor dem Militärdienst drückte, sondern in Afghanistan diente, verkörpert der Bürgermeister der Kleinstadt South Bend in vielerlei Hinsicht das Gegenbild zu Donald Trump. 

Seine natürliche, moderne Art und seine Internetpräsenz haben ihm viele Sympathien eingebracht. Kritiker halten ihn gleichwohl politisch für zu unerfahren.

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