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Modeintervention à la Macron

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Von: Stefan Brändle

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Frankreichs Präsidentengattin Brigitte Macron ist von Beruf Lehrerin. Sie findet Schuluniformen praktisch - auch weil man dann nicht jeden Morgen überlegen müsse, was man anziehen soll.
Frankreichs Präsidentengattin Brigitte Macron ist von Beruf Lehrerin. Sie findet Schuluniformen praktisch - auch weil man dann nicht jeden Morgen überlegen müsse, was man anziehen soll. © afp

Frankreichs Präsidentengattin unterstützt die Idee einheitlicher Bekleidung für den Schulbesuch – die Linke läuft Sturm

Sie ist die populäre Hälfte des Ehepaars Macron, und als ehemalige Lehrerin wird sie auch gehört, wenn sie sich zu schulischen Belangen äußert. Und das hat Brigitte Macron (69) diese Woche sehr deutlich getan. Sie habe als 15-jährige Schülerin eine Uniform getragen, erzählte sie beim Redaktionsbesuch der Zeitung „Le Parisien“. Marineblauer Rock und Pulli – „das stand mir gut“. Nicht nur deshalb sei sie generell für Uniform an der Schule, „sofern diese einfach bleibt und nicht trübselig“.

Die Debatte einheitlicher Schulbekleidung ist in Frankreich nicht neu, aber seit Jahren kommt sie nicht voran. Macrons Wortmeldung wirkt nun wie ein Stich ins schulpolitische Wespennest. Fast alle Parteien meldeten sich zu Wort – und die Mehrheit ablehnend. Schuluniformen werden in Frankreich vor allem mit den zahlreichen Privatschulen assoziiert. Aber auch einzelne öffentliche Schulen – bis in Überseegebiete wie Guadeloupe – haben sie eingeführt.

Brigitte Macron zählt die Vorteile gleicher Kleider für alle auf: „Sie merzen die Unterschiede aus und sparen Zeit, weil man sich nicht an jedem Morgen überlegen muss, was man anzieht.“ Und günstig seien sie auch.

„Le Parisien“ hat das in einer Schule in Provins (östlich von Paris) überprüft: Dort gibt es für 137 Euro vier Polohemden, zwei Pullover, ein Sweatshirt, zwei Hosen und je nachdem Shorts oder Rock. Das ist weniger als ein Paar Markenturnschuhe.

Der Zeitpunkt von Brigitte Macrons Intervention war mit Bedacht gewählt: Sie nahm damit der Rechtspopulistin Marine Le Pen, die am Donnerstag in der Nationalversammlung eigene schulpolitische Vorschläge lancierte, Wind aus den Segeln. Da Le Pen auch die Schuluniform erwähnte, wirft die Linke Macron nun vor, sie begebe sich auf extrem rechtes Terrain.

Brigitte und Emmanuel Macron vertreten in der Frage der Schuluniformen eine Bevölkerungsmehrheit: 63 Prozent – 67 Prozent Frauen, 60 Prozent Männer – sprechen sich einer Umfrage nach für das Tragen einer einheitlichen Schulkleidung aus. Dabei dürfte ein Argument mitspielen, das auch die First Lady nicht offen ansprach: Schuluniformen wären ein probates Mittel gegen „islamische“ Bekleidungsstücke wie das Kopftuch und das knöchellange Abaya-Überkleid. Und gegen die endlose Debatte, ob es sich dabei um religiöse Symbole handelt.

Nur Bildungsminister Pap Ndiaye schießt quer: Er will keine generelle Regel – lokale Ausnahmen seien aber zulässig.

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