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"Mnangagwa für ein neues Simbabwe"

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Von: Johannes Dieterich

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In Harare feiert man noch das Ende von 37 Jahren Staatsterror.
In Harare feiert man noch das Ende von 37 Jahren Staatsterror. © afp

In Simbabwe soll Mugabes ehemaliger Vize Emmerson Mnangagwa als Präsident vereidigt werden. Durch ihn wird der Einfluss Chinas in Afrika steigen.

Das Krokodil ist wieder aufgetaucht. Einen Tag nach dem Rücktritt des simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe ist dessen einst engster Vertrauter Emmerson Mnangagwa am Mittwochnachmittag auf dem Militärflughafen der Hauptstadt Harare gelandet. Dort wurde der Drahtzieher des Militärputschs gegen Mugabe von jubelnden Menschen wie ein Held empfangen. „Unser Heroe, unsere Hoffnung“, stand auf professionell bedruckten Plakaten: „Mnangagwa für ein neues Simbabwe“.

Es ist der erste öffentliche Auftritt des wegen seiner Verschlagenheit „Krokodil“ genannten Politikers seit seiner Absetzung als Vizepräsident Anfang des Monats. Die dramatischen Ereignisse der vergangenen Woche verbrachte Mnangagwa in Südafrika – und steuerte von dort aus mit. Am Freitag soll der 75-Jährige als Nachfolger Mugabes vereidigt werden: Dann ist das Krokodil an seinem Ziel angelangt.

Alleinherrschaft oder Mehrparteiendemokratie?

Zuvor müssen allerdings noch einige Lappalien erledigt werden: Etwa das Problem, dass nach dem Abtritt Mugabes eigentlich dessen Stellvertreter Phelekezela Mphoko derzeit Staatschef ist. Der gehört jedoch der falschen Fraktion der Regierungspartei Zanu/PF um die inzwischen isolierte Mugabe-Gattin „Gucci Grace“ an – und hält sich außerdem gegenwärtig in Japan auf.

Dem Vernehmen nach ist er um seine Sicherheit dermaßen besorgt, dass er gar nicht nach Hause zurückkehren will. Nun muss sich die „neue“ Zanu/PF, die eigentlich die alte ist, die Verfassung ein wenig zurechtbiegen, um das Krokodil auf die Schnelle auf den Thron hieven zu können. Kein Vertrauen erweckender Start ins „neue Simbabwe“.

Was das Krokodil jetzt eigentlich vorhat, ist die große Frage in Simbabwe: Wird der Ziehsohn Mugabes die Alleinherrschaft der gesäuberten Regierungspartei wiederherstellen oder den Raum für eine wirkliche Mehrparteiendemokratie öffnen? Und wie geht er mit dem Militär um, das sich seiner Macht jetzt noch bewusster ist als zuvor?

Simbabwe sei seit seiner Gründung vor 37 Jahren eigentlich ein Militärstaat, meint Pierre Pigou, Simbabwe-Experte der Internationalen Krisengruppe: Jede wichtige Regierungsentscheidung wurde von den Offizieren abgezeichnet. Mnangagwa ist ein alter Freund der Militärs und muss den Offizieren nun auch noch dankbar sein. „Seine Vergangenheit klebt ihm wie ein Kaugummi am Schuh“, sagt Pigou.

Dass der neue Präsident eine Übergangsregierung anbietet, wagt die Opposition weder zu hoffen, noch wäre es ihr überhaupt lieb. Morgan Tsvangirai, Chef der größten Oppositionspartei MDC, ist von einer Krebserkrankung gesundheitlich angeschlagen. Und seine Partei kann nach Erhebungen eines Umfrageinstituts höchstens mit 20 Prozent der Stimmen rechnen. Außerdem musste Tsvangirai schon einmal miterleben, wie seine Oppositionspartei in einer erzwungenen Koalition mit der Zanu/PF aufgerieben wurde: Als Mugabes Premierminister verlor der MDC-Chef viele Anhänger.

Schon jetzt wird in Simbabwe außerdem debattiert, wann – und unter welchen Umständen – die nächsten Wahlen stattfinden. Sie sind eigentlich bereits fürs kommende Jahr angesetzt: Doch Mnangagwa wird ein Interesse an der Verschiebung des Urnengangs um zwei Jahre nachgesagt. Offenbar meint der neue Präsident mindestens drei Jahre zu brauchen, um sowohl Simbabwe wie seine Partei wieder soweit zu stabilisieren, dass er an den Wahlurnen eine Chance hat.

Mit der bloßen Ausrichtung eines Urnengangs ist es allerdings nicht getan: Schließlich hat Mugabe schon zahlreiche Abstimmungen unter Einsatz seiner Schlägertruppen und Wahl-Manipulatoren gewonnen. Aktivisten fordern deshalb, dass erst einmal eine unabhängige Wahlkommission eingesetzt und Chancengleichheit beim Wahlkampf hergestellt wird: Zu solchen Details hat sich das Krokodil bislang nicht geäußert.

Das westliche Ausland sieht sich nach dessen Krönung vor einem Dilemma: Unterstützt es Simbabwe, unterstützt es Mnangagwa – hält es sich heraus, treibt es die ehemalige Kornkammer Afrikas noch weiter in die Arme Chinas. Peking wusste als einzige ausländische Regierung schon im Voraus vom Putsch in Simbabwe: Armeechef Constantine Chiwenga hatte den wichtigsten Partner ins Vertrauen gezogen.

Kein Zweifel, dass sich Mnangagwa, der einst in China militärisch ausgebildet wurde, eng an die Freunde aus dem Mittelreich halten wird. Die nehmen es auch mit der Demokratie nicht so genau.

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