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Schöne Strände und gutes Wetter: Málaga ist bei Touristen beliebt.

Andalusien wählt

Málaga im Fokus der Investoren

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Am Sonntag wählt Andalusien ein neues Parlament. Die lange abhängte Region im Süden Spaniens um Malaga holt langsam auf.

Sandro Belvisi versteht die Frage gar nicht: Warum sich sein Unternehmen ausgerechnet in einer rückständigen Region wie Andalusien niedergelassen habe. Wieso rückständig?, fragt er überrascht zurück. Ach ja, die hohe Arbeitslosigkeit, das niedrige Pro-Kopf-Einkommen. „Wenn du hier lebst, nimmst du das nicht wahr“, sagt der Oracle-Manager. 

Als sich sein Arbeitgeber vor zehn Jahren auf Standortsuche für eine neue Niederlassung begab, suchte der Softwaremulti eine Stadt, die „Talent auf internationalem Niveau“ anziehe, und da habe sich Málaga als die beste unter mehreren europäischen Konkurrenten herausgestellt. „Ich vergleiche es mit dem Süden Italiens, der das selbe Klima hat. Aber hier sind die Infrastrukturen deutlich besser, die Transportnetze, der Zustand der Gebäude. Den Entwicklungsstand und die Lebensqualität, die es hier gibt, finde ich in Sizilien nicht. Ich als Italiener lebe lieber hier.“

So wie Belvisi geht es den meisten Besuchern Andalusiens: Sie sehen nur die schönen Seiten der 8,4-Millionen-Einwohner-Region im Süden Spaniens. Gutes Wetter, schöne Strände, zauberhafte Städte, alles in ordentlichem Zustand. Die Rückständigkeit springt einem nicht ins Auge. Sie ist aber Realität. Das andalusische Pro-Kopf-Einkommen erreichte im vergangenen Jahr gerade einmal 73,9 Prozent des gesamtspanischen, nur die benachbarte Region Extremadura ist noch ärmer. Andalusien gehört zu den zehn Regionen mit den höchsten Arbeitslosenraten in der EU. Im dritten Quartal dieses Jahres lag sie bei 22,8 Prozent, gut acht Punkte über dem spanischen Durchschnitt. 

Die meisten Andalusier reagieren etwas ungehalten, wenn sie auf die Situation ihrer Region angesprochen werden. „Ich glaube, dass wir uns schlecht verkaufen“, sagt Juan Marcelo Gaitán, Direktor des Innovation Center Smart City von der Telefongesellscahft Telefónica in Málaga. 

Gerade am Innovation Center und dem angeschlossenen Gründerzentrum „La Farola“ ist von der vermeintlichen Rückständigkeit nichts zu spüren. Hier entwickeln junge Unternehmer Geschäftsideen für morgen. Zum Beispiel Alejandro Martín, der kurz davor steht, mit „Ticloud“ an den Markt zu gehen: einem vielversprechenden System für elektronische Kassenbons. „In Andalusien gibt es viel Talent, wie überall in Spanien“, sagt der 31-Jährige, „und auch eine große Flucht von Talenten – aber ich glaube nicht, dass wir schlechter oder besser sind als andere Regionen.

Talente fördern, halten, anziehen

„Talent“ ist ein Wort, das im Gespräch mit  Unternehmern immer wieder fällt. Talente fördern, halten, anziehen: Das wäre der Ausweg aus dieser zehnjährigen Krise, die überall in Spanien zu spüren ist und in Andalusien ganz besonders. Málaga, mit 569 000 Einwohnern die sechsgrößte Stadt Spaniens, ist Hauptstadt einer der acht andalusischen Provinzen, und zwar die mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit der Region: knapp 17,9 Prozent. 

Dort sind in den vergangenen fünf Jahren fast 120 000 neue Arbeitsplätze entstanden. Málaga hat also für andalusische Verhältnisse eine Erfolgsgeschichte vorzuweisen. Zum Teil ist das Glück. Die Provinz profitiert vom Tourismusboom in Spanien, die Costa del Sol westlich und östlich von Málaga ist von Besuchern überlaufen, das bringt Geld und Arbeit. Zum andern Teil ist es kluge Politik, die Málaga in den Fokus internationaler Investoren gebracht hat. 

Die Stadt war im in den vergangenen Jahrzehnten ziemlich heruntergekommen und im Vergleich zu ihren andalusischen Schwestern Sevilla, Granada oder Córdoba nicht besonders attraktiv. Wer die Stadt zum letzten Mal vor zwanzig Jahren gesehen hat, erkennt sie heute nicht wieder. Schönheit, gutes Wetter und – dank des Massentourismus – beste Verkehrsverbindungen in den Rest Europas haben Málaga zu einem attraktiven Standort gemacht, für auswärtige wie für einheimische Unternehmen. Die Stadt fördert die einen wie die anderen. Einer, der sich für Málaga entschieden hat, ist Pablo Tapia mit seinem Unternehmen Tupl, das auf künstlicher Intelligenz basierte Prozessautomatisierungen entwickelt. „Ich bin in der Welt herumgekommen“, sagt Tapia. „Am Ende hängt alles davon ab, die angemessenen Bedingungen zu haben, um sich entwickeln zu können.“ In Málaga hat er die, findet er.

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