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„Apokalypse“ in Bachmut: Ukraine ändert Strategie – ohne Rücksicht auf Verluste

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Von: Franziska Schwarz

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Ukraine-Krieg: Ukrainische Soldaten feuern am Stadtrand von Bachmut Mörser-Geschütze ab.
Aufnahme vom 30. Dezember: Ukrainische Soldaten feuern am Stadtrand von Bachmut Mörser-Geschütze ab. © Sameer Al-Doumy/AFP

Die ukrainische Armee begegnete den russischen Angreifern bislang mit „flinken Manövern“, so ein Bericht. Nun aber gehen die Soldaten anders vor und agieren dabei wohl brutaler.

New York/München - „Bachmut halten“ ist aktuell einer der wichtigsten Schlachtrufe der Ukraine. Seit Monaten belagert das russische Militär die Stadt in Donezk. Nun wechseln die ukrainischen Truppen dort von Abwehr auf Angriff. „Es sieht nach Apokalypse aus“, zitiert die New York Times (NYT) einen ukrainischen Soldaten, der sich aktuell in Bachmut aufhält. In Deutschland zuerst darüber berichtet hatte der Münchener Merkur.

Ein Wechsel der ukrainischen Strategie, wie die US-Zeitung glaubt. Die neuen offenen Schlachten bedeuteten aber auch „hohe Verluste auf beiden Seiten“. Ein NYT-Reporter in den Bachmuter Straßen zieht einen Vergleich zum Ersten Weltkrieg: Überall Einschlagskrater sowie verwesende Leichen der Kämpfer von Kremlchef Wladimir Putin.

Ändert Ukraine die Taktik? „Haben Wagner-Söldnern hohe Verluste zugefügt“

Die Einnahme von Bachmut wäre für Putin ein eher symbolischer Sieg. Strategisch ist die Stadt für die russische Invasion in das Nachbarland nicht so bedeutend wie Cherson oder Saporischschja. Durch die hohen Verluste sei Bachmut auch für die Angegriffenen ein nationales Symbol: für den Widerstand im Ukraine-Krieg.

Nach gut 100 Tagen mischt nun auch die russische Söldnertruppe „Wagner“ mit ihrem Chef Jewgeni Prigoschin bei der Schlacht um Bachmut mit. Prigoschin vermeldete am Dienstag (10. Januar) die Einnahme von Soledar, einer Stadt unweit von Bachmut. Unabhängig verifizieren ließ sich seine Angabe zunächst nicht.

Die direkten Kämpfe zwischen beiden Seiten müssen aber heftig gewesen sein, glaubt man den Angaben eines ukrainischen Militärangehörigen: Die Wagner-Söldner hätten in Soledar „hohe Verluste“ erlitten, obwohl sie „deutlich rücksichtsloser“ als Putins Soldaten vorgehen würden, sagte er der NYT. Russland müsse nun mehr Truppen in die Region nachschicken. Er wollte wegen sensibler militärischer Informationen anonym bleiben.

Kampf um Bachmut: „Einer der blutigsten Orte an der Front im Ukraine-Krieg“

Putins Amtskollege Wolodymyr Selenskyj wiederum kündigte ebenfalls an, mehr Soldaten in die Gegend um Bachmut zu schicken. Sie sei einer der „blutigsten Orte an der Front“, sagte der ukrainische Präsident in seiner Videoansprache vom Sonntag (8. Januar).

Die direkte Konfrontation mit einer hohen Anzahl an Opfern hielt Kiew zunächst für nicht zielführend, schreibt die NYT. Der US-Thinktank Foreign Policy Research Institute konstatiert aber in einer Analyse von Ende Dezember: „Hohen Schwund in Kauf zu nehmen, ermöglichte auch erfolgreiche Kriegsmanöver.“

Noch 7000 von vormals 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner halten sich aktuell in Bachmut auf, wie ein kommunaler Mitarbeiter der NYT sagte. Die meisten seien auf die westliche Seite des Stadtflusses geflohen. Die östlichen Bezirke bildeten inzwischen ein „Panorama aus eingestürzten und ausgebrannten Häusern“. (frs)

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