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Friedrich-Ebert-Stiftung

Studie zeigt: Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland rückläufig – Antisemitismus wächst

  • VonJan Lucas Frenger
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Eine Studie aus Berlin zeigt: Der Rechtsextremismus in Deutschland geht zurück – dafür weicht jedoch die Ablehnung gegenüber antisemitischen Einstellungen auf.

Berlin – Eine Botschaft, die glücklich stimmt: Der Rechtsextremismus in der Mitte der deutschen Gesellschaft geht zurück. Das zeigte nun eine am Dienstag (22.06.2021) in Berlin veröffentlichte Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Doch während die Untersuchung auf der einen Seite Grund zur Freude gibt, offenbart sie auf der anderen dafür einige Abgründe. Laut der Studie ist die gesellschaftliche Mitte „in Teilen offen für antidemokratische Positionen“, und auch die vormals klare Ablehnung von Antisemitismus „weicht auf“. Abwertende Meinungen gegenüber „Fremden“ oder sozial schwachen Gruppen seien demnach weiterhin verbreitet – ebenso populistische Meinungen.

Die sogenannte Mitte-Studie wird alle zwei Jahre von der Stiftung aus Berlin durchgeführt und untersucht dabei rechtsextreme sowie demokratiegefährdende Einstellungen in der deutschen Gesellschaft. Für die aktuelle Untersuchung befragte die Friedrich-Ebert-Stiftung 1750 Menschen im Januar und Februar dieses Jahres.

Studie aus Berlin: „Rückgang rechtsextremer und rechtspopulistischer Einstellungen“

Dabei konnten die Wissenschaftler „einen Rückgang rechtsextremer und rechtspopulistischer Einstellungen“ beobachten. Dies stehe demnach nur scheinbar in Widerspruch zum Anstieg rechtsextremer Ausbrüche, wie zuletzt auch in Hessens Polizei. „Denn die Mitte ist aufgewacht.“

„Zugleich zeigen sich zunehmend die demokratiegefährdenden Schlierspuren des Rechtspopulismus‘ bis weit in die Mitte hinein“, heißt es weiter in der Studie aus Berlin. So gebe es mittlerweile eine zunehmende Anzahl von Befragten, die selbst bei hart formulierten rechtsextremen Aussagen mit „teils/teils“ antworten. „Eindeutige Positionen und klare Zustimmungen sowie Ablehnungen gegenüber demokratiegefährdenden Meinungen sinken.“

Demokratie in Deutschland: Einige Befragte unsicher

Mit insgesamt 88 Prozent steht für die große Mehrheit der Befragten zwar die Würde und Gleichheit aller Personen in einer Demokratie an erster Stelle – klare Positionen weichen aber auf. „Nicht wenige Befragte äußern sich in Bezug auf Demokratie unsicher, widersprüchlich oder teilen gegebenenfalls auch latent demokratiefeindliche Einstellungen“, erklären die Studienautoren. So befürworten zwar nur 2,2 Prozent der Bevölkerung eine rechtsgerichtete Diktatur, doch mehr als 15 Prozent befinden sich im Graubereich zwischen Zustimmung und Ablehnung.

Eine Studie aus Berlin zeigt: Der Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft geht zumindest in Deutschland zurück. (Symbolbild)

Darüber hinaus offenbart die Studie, dass rund ein Viertel der Bevölkerung offensichtlich eindeutig offen gegenüber Populismus eingestellt ist. 13 Prozent der Befragten teilen deutlich rechtspopulistische Einstellungen, die sich nicht nur gegen „die Eliten“ in Deutschland, sondern auch gegen als „fremd“ empfundene Menschen wenden.

Mitte-Studie aus Berlin: Kleiner Teil rechtfertigt Gewalt – Antisemitismus wächst

Im Vergleich zur Vorgängerstudie vor zwei Jahren kann damit jedoch ein Rückgang verzeichnet werden. Demnach empfindet nur noch knapp ein Viertel der Bevölkerung Zuwanderung als Bedrohung für Deutschland – allerdings äußern sich nach wie vor 40 Prozent generell negativ über Asylsuchende. „Populismus ist auch in Teilen der Mitte anschlussfähig, und die Mitte kann bei dort schwelenden Ressentiments abgeholt werden“, schreiben die Wissenschaftler aus Berlin in ihrer Studie. Im Osten ist Rechtspopulismus zudem weiter verbreitet als im Westen.

„Nach einer Phase der Polarisierung und Radikalisierung am rechten Rand der Mitte verhärtet sich nun die Demokratiedistanz in Teilen der Mitte“, erklärte Studienleiter Andreas Zick von der Universität Bielefeld. Daraus speise sich „im schlimmsten Fall auch die Rechtfertigung von Bedrohung, Hass und Gewalt“. Ein kleiner Teil der Mitte rechtfertigt demnach sogar Gewalt als Mittel zur Durchsetzung eigener Ziele – auch gegen Politiker.

Ebenfalls bedenklich: Auch der Antisemitismus in Deutschland wächst. 13 Prozent der Befragten äußern demnach einen israelbezogenen Antisemitismus, 7,5 Prozent stimmen sogar offen antisemitischen Meinungen zu. „Die deutliche Ächtung des Antisemitismus weicht auf“, erklärte Co-Autorin Beate Küpper von der Hochschule Niederrhein.

Rassistische Einstellungen: 11 Prozent stimmen rassistischen Aussagen zu

In der aktuellen Studie aus Berlin wurden erstmalig auch rassistische Einstellungen gegenüber People of Colour in Deutschland erfasst. Nur elf Prozent der Befragten stimmen demnach rassistischen Aussagen zu – allerdings existiert auch in diesem Fall ein gewisser Graubereich, obwohl es laut Studienleiter Zick eigentlich „keinen ‚Teils/teils‘-Rassismus“ geben könne.

Das Forschungsteam der Friedrich-Ebert-Stiftung aus Berlin hebt in seiner Studie vor allem auch das zunehmende Vertrauen in die Demokratie und ihre Institutionen als positive Entwicklung hervor. Eine deutliche Mehrheit der Befragten erkenne im Rechtsextremismus demnach eine Bedrohung und fiele zudem nicht auf rechtspopulistische Propaganda herein. Die Untersuchung zeigt also, dass sich die Bevölkerung in Deutschland bereits in einigen Teilen weg von rechtsextremen und populistischen Einstellungen entwickelt – gibt aufgrund der offensichtlichen Aufweichungen in Bezug auf die Ablehnung von Antisemitismus in Deutschland jedoch auch Grund zur Sorge. (Jan Lucas Frenger mit afp)

Themen wie die Bekämpfung von Rechtsextremismus und Antisemitismus in Deutschland standen unter anderem auch bei der Konferenz der Innenminister in Rust auf der Agenda.

Rubriklistenbild: © www.AlexanderPohl.photography / via www.imago-images.de

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