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Auf Bali können Plastikabfälle gegen Stolz, Würde und Reis getauscht werden.
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Auf Bali können Plastikabfälle gegen Stolz, Würde und Reis getauscht werden.

Corona

Mit Müll gegen die Krise

  • vonBarbara Barkhausen
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Auf Bali arbeitet mehr als ein Viertel der Bevölkerung im Tourismus. Dieser liegt wegen Corona brach. Viele Menschen werden kreativ.

Im Schatten unter dem Vordach stapeln sich unzählige weiße und schwarze Säcke, alle gefüllt mit Müll. Eine Gruppe junger Männer hat die Covid-Masken abgesetzt und strahlt in die Kameras. Auch eine gebrechlich wirkende alte Frau hält stolz eine gefüllte Tüte hoch.

Das neue Projekt „Plastic Exchange Bali“ – eine Art Plastikbörse – ist aus der Not der Balinesen heraus entstanden. Denn die internationalen Grenzschließungen im April haben die indonesische Urlaubsinsel in eine ernste wirtschaftliche Krise gestürzt. Ungefähr 1,2 Millionen Balinesinnen und Balinesen arbeiten im Tourismus, mehr als die Hälfte der 4,2 Millionen Einheimischen haben eine gewisse Verbindung zur Industrie. Hunderttausende haben ihren Job verloren oder erhalten derzeit kein Einkommen.

Wochenlang nur Reis

Michele Yoga von der wohltätigen Organisation Yayasan Team Action Amed arbeitet seit Monaten nur noch daran, Essenspakete zu verteilen und dort zu helfen, wo Not am Mann ist. „Viele aus den Touristengebieten sind heim in ihre Dörfer gegangen, aber da sie nicht wissen, wie man fischt oder farmt, ist die Arbeitslosigkeit hoch“, sagt sie. Auch ihre eigene Arbeit als Hochzeitsplanerin ist während der Pandemie versiegt, doch ihr australischer Arbeitgeber zahlt nach wie vor einige Stunden und unterstützt damit auch ihre wohltätige Arbeit für die Gemeinde. Yoga berichtet von Menschen, die Rechnungen nicht mehr bezahlen oder Kreditzahlungen nicht mehr erfüllen können. Ein 90-jähriger blinder Mann habe sich über Wochen nur noch von Sambal, einer Art Chillisoße, und Reis ernährt.

Gleichzeitig wehrt sich Yoga dagegen, die Balinesen als „arm“ oder „leidend“ zu beschreiben. Die Menschen hätten mit erstaunlicher Kreativität auf die Krise reagiert, berichtet die Australierin, die in Amed lebt, einem Fischerort im Osten der Insel in der Nähe des Vulkans Mount Agung. Sie erzählt von einem Schmuckhändler, der jetzt Fische züchtet und einem Journalisten, der einen Stand aufgemacht hat, an dem er die Hühnchenspieße Satay verkauft. Die Plastikbörse ist jedoch eine der bisher erfolgreichsten balinesischen Initiativen, die aus dem covidbedingten Zusammenbruch des Tourismus hervorgegangen ist.

Die Idee stammt von Janur Yasa, einem Restaurantbesitzer in Ubud, einem Ort im Inland Balis. Er kam auf die Idee, Reis gegen Plastik zu tauschen und dafür mit den sogenannten „Banjars“, einer Art Nachbarschaftsgruppe, zusammenzuarbeiten. Laut der lokalen Webseite „Threads of Life“ sammelten Menschen aus über 3000 Haushalten in etwa 100 Banjars innerhalb von drei Monaten 34 Tonnen Plastik und erhielten im Austausch dafür Reis. Das Konzept funktionierte so gut, dass es sich über Mundpropaganda wie ein Lauffeuer über die gesamte Insel verbreitete.

Grundsätzlich weist Yasa die einzelnen Banjars an, zuerst in den Gemeinden selbst zu sammeln, angefangen in den eigenen Häusern und Gärten, den Straßen und schließlich am Fluss und in der Umgebung. Die Börse nimmt auch Kühlschränke und andere Maschinen auf und recycelt sie. „Wenn ich zwei Millionen Dollar hätte, könnte ich ganz Bali sauber machen“, sagt Yasa.

Millionen Tonnen Plastik

Laut Mohamad Bijaksana Junerosano von Waste4Change erzeugt Indonesien täglich 175 000 Tonnen Abfall, etwa 14 Prozent davon sind Kunststoff. 81 Prozent der Abfälle bleiben dabei unsortiert, wie der Experte im Interview mit der World Bank im vorigen Jahr sagte. Dies erschwere das Recycling und führe dazu, dass Plastikmüll in der Erde oder im Ozean lande. Auch auf Bali lagern laut Janur Yasa mehrere Millionen Tonnen Plastik, doch der Balinese hofft, mit seiner Plastikbörse den „perfekten Mechanismus“ geschaffen zu haben, um die Insel endlich wieder sauber zu bekommen.

Der Kunststoff, der derzeit bei Plastic Exchange Bali abgegeben wird, wird noch auf Bali sortiert. Danach wird er zu Fabriken auf Java zum Recyceln transportiert. Aus Tetra-Packs werden beispielsweise neue Isolierungen für Dächer. Im Gegenzug für das gesammelte Plastik erhalten die Balinesen nicht nur Reis, sondern in gewisser Weise auch „ihre Würde und ihren Stolz zurück“, wie Michele Yoga sagt, die das Projekt von Amed aus ebenfalls unterstützt.

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