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Muss einer von Frankreichs Bischöfen (oder alle) bald den Hut nehmen? (Archivbild)
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Muss einer von Frankreichs Bischöfen (oder alle) bald den Hut nehmen? (Archivbild)

330.000 Missbrauchsfälle

Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Frankreich: Beichtgeheimnis unter Beschuss

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
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In Frankreich wird nach Bekanntwerden von 330.000 Missbrauchsfällen, durch die katholische Kirche, der Ruf nach einem kollektiven Rücktritt der Bischofskonferenz lauter.

Paris - Offiziell folgte der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz, Eric de Moulins-Beaufort, einer „Einladung“ ins Innenministerium. Die Pariser Medien sprechen aber von „Vorladung“ – das ist mehr als eine Nuance. Der Bischof von Reims hatte gar keine andere Wahl, als am Dienstag bei Innenminister Gérald Darmanin anzutraben, um sich die Leviten lesen zu lassen.

Moulins-Beaufort hatte in einem Interview erklärt, die priesterliche Schweigepflicht im Beichtstuhl bleibe in jedem Fall aktuell – und sie stehe über dem republikanischen Recht. Konkret ging es um die Frage, ob ein Beichtvater einen bekennenden Verbrecher – etwa einen pädophilen Priester – anzeigen müsste. Vor einer Woche hatte eine unabhängige Untersuchungskommission erschreckende Zahlen vorgelegt: Rund 3000 Priester und kirchliche Laien sollen in den vergangenen 70 Jahren nicht weniger als 330.000 Minderjährige sexuell missbraucht haben.

Missbrauchsskandal in Frankreich: Kommission will Beichtgeheimnis reformieren

Zur Abhilfe regte die Kommission an, das Beichtgeheimnis zu reformieren. Moulins-Beaufort aber hält daran fest: Es erlaube Opfern, einen Ort des Vertrauens zu finden, wo sie einen ersten Schritt hin zu einer Anzeige unternehmen könnten. Die Aussage erinnerte an die Behauptung radikaler Imame, die Scharia stehe über französischem Recht.

Die Regierung ließ die Äußerung nicht durchgehen. Sprecher Gabriel Attal stellte klar: „Nichts ist stärker als die Gesetze der Republik.“ Auch intern geraten die Kirchenoberen unter Beschuss. Gläubige reagierten am Sonntag erbost, als sie bei der Messe um Spenden für die Missbrauchsopfer angehalten wurden. Das sei nicht Sache der Kirchenbasis, die unter dem Skandal leide, sondern des Klerus, so der Tenor. Die Bischofskonferenz hatte vergangene Woche eine Entschädigung von fünf Millionen Euro ins Spiel gebracht; Opferanwält:innen erachten eher fünf Milliarden für angebracht. Moulins-Beaufort gab zu bedenken, dass die katholische Kirche defizitär wirtschafte; seit 1789 sei sie nicht mehr Eigentümerin der Gotteshäuser und habe kaum andere Aktiva.

Missbrauchsskandal in Frankreich: Der Papst soll handeln

Progressive Kirchenkreise verlangen in einer Petition zudem personelle Konsequenzen. „Angesichts des Versagens ist die Demission der Bischöfe die einzige ehrenwerte Lösung“, heißt es in der Eingabe, die in wenigen Tagen mehrere Tausend Unterschriften auf sich vereinigt hat. Lanciert hatte sie die Theologin Anne Soupa, die vor einem Jahr – symbolisch – als Erzbischöfin von Lyon kandidiert hatte.

Die Petitionär:innen fordern Papst Franziskus auf, anstelle der Bischofskonferenz einen Legaten für Frankreich zu ernennen. In Chile seien die Bischöfe nach einem Missbrauchsskandal auch geschlossen zurückgetreten, und in Deutschland habe Kardinal Marx seine Demission angeboten.

Missbrauchsskandal in Frankreich: Die katholische Kirche müsse sich erneuern

In Frankreich hat die katholische Kirche zwar eine stärkere Stellung als in Deutschland. Obwohl sie durch die Trennung von Kirche und Staat vom politischen Machtzentrum entfernt wurde, verfügt sie weiter über viel Einfluss. Das jahrzehntelange Wegschauen gegenüber der „systemischen Pädokriminalität“ (so der Untersuchungsbericht) dürfte die Absetzbewegung aus der Kirche aber weiter verstärken.

Zu diesem Schluss kommt auch Macron, der sich seit langem um katholische Wähler:innen bemüht. Mit der Vorladung von Moulins-Beauforts bezieht er nun klar Stellung gegen die Bischöfe. Generell werden Stimmen laut, die katholische Kirche müsse sich erneuern – und bei der Synode 2023 in Rom klare und mutige Ideen für die Innovation der Kirche präsentieren. (Stefan Brändle)

Die Katholische Erwachsenenbildung Frankfurt (KEB) hat am 29. September, eine Podiumsdiskussion zu den Themen Kontrollwahn, Missbrauch und Harmoniebedürfnis in der katholischen Kirche veranstaltet. (Stefan Brändle)

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