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„Harmlose Missbrauchsfälle“ – Regensburger Bischof sorgt mit Äußerung für Eklat

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Von: Katja Thorwarth

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Bischof Voderholzer empört mit Äußerungen zu Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche.
Bischof Voderholzer empört mit Äußerungen zu Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. (Archivbild) © Armin Weigel/dpa

Nach der Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens findet in Frankfurt die Versammlung zum Synodalen Weg statt. Bischof Voderholzer sorgt für Empörung.

Frankfurt – Mit seiner ersten Wortmeldung bei der dritten Vollversammlung des Synodalen Wegs sorgte der konservative Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer für Schlagzeilen. Am Donnerstag (03.02.2022) hatte sich Voderholzer zum Münchner Missbrauchsgutachten und der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche geäußert und gleich für allgemeine Empörung gesorgt.

Der Bischof verwies darauf, dass eine Strafrechtsreform von 1973 Kindesmissbrauch nicht mehr als Verbrechen gewertet habe „und zwar auf der Basis von sexualwissenschaftlichen Urteilen, die davon ausgehen, dass für die betroffenen Kinder und Jugendlichen „die Vernehmungen wesentlich schlimmer sind als die im Grunde harmlosen Missbrauchsfälle“. Wenn man heute über die Kirche in den 1970er und 80er Jahre urteile, müsse dies berücksichtigt werden, erläuterte Voderholzer.

Verschiedene katholische Delegierte verurteilten Voderholzers Äußerung scharf. So sagte etwa der Bochumer Theologe Matthias Sellmann: „Ich bin Vater von drei Kindern und ich bin entsetzt, wenn ein Bischof der katholischen Kirche in Deutschland hier in dieser Öffentlichkeit sagt, die aufklärenden Gespräche mit Kindern seien schlimmer als der an sich harmlose sexuelle Missbrauch“.

Missbrauch in der katholischen Kirche: Bischoff äußert sich zu „im Grunde harmlose Missbrauchsfällen“

Daraufhin meldete sich der Bischof noch einmal zu Wort und versicherte, er sei missverstanden worden und habe sich die damals verbreitete Auffassung nicht zu eigen machen wollen. Er habe ein Zitat nicht hinreichend als solches kenntlich gemacht. Ihm sei es mit seinen Ausführungen darum gegangen, die von ihm zitierte Verharmlosung des Missbrauchs in den 1970er Jahren zu kritisieren, „Ich halte die Verharmlosung des sexuellen Missbrauchs für verheerend“, beteuerte er. Zur Causa äußerte sich auch die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Vorsitzende der Versammlung, Irme Stetter-Karp. Sie sei froh, dass er wenigstens versucht habe, seine Intention zu erklären. Andernfalls wäre seine Wortmeldung eine „Grenzverletzung dessen, was wir inhaltlich tolerieren wollen“.

Bischof Voderholzer stellt sich vor Ex-Papst Joseph Ratzinger („Benedikt“)

Bischof Voderholzer war jedoch schon am Mittwoch (02.02.2022) aufgefallen, als er sich schützend vor den ehemaligen Papst Joseph Ratzinger gestellt hatte. Der hatte zugegeben, entgegen vorheriger Darstellungen an der Sitzung im Januar 1980 teilgenommen zu haben, als über Pfarrer H. gesprochen wurde. Der hatte in Essen Kinder missbraucht.

Voderholzer gibt Ratzinger jetzt Rückendeckung. Als einen „aufrichtigen und grundehrlichen, auch einen sensiblen und liebenswürdigen Menschen“ habe er diesen kennengelernt, sagte er im Regensburger Dom. In diesen Tagen müsse „Benedikt“ miterleben, „wie von verschiedenen Seiten versucht wird, sein Lebenswerk zu zerstören“. Der Bischof verwies darauf, dass es ihm „nicht um Apologetik oder Mitleid, oder gar um eine erneute Leugnung von Schuld und Versagen“ gehe, sondern um das Festhalten von Gerechtigkeit.

Dabei ging er auch auf die Aussage Ratzingers zum Münchner Missbrauchsgutachten ein. Seine Aussage bezüglich der umstrittenen Ordinariatskonferenz sei ein Fehler, der aus „Versehen“ passiert sei. (ktho mit dpa/KNA)

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