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Brennpunkt Bosnien: Serben-Politiker verleiht Putin Orden – und zieht mit Parade Wut der USA auf sich

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Von: Patrick Mayer

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Am Rande Sarajevos: Polizeioffiziere der Republika Srpska marschieren am 9. Januar bei einer Parade zum 31. Jahrestag der Teilrepublik.
Am Rande Sarajevos: Polizeioffiziere der Republika Srpska marschieren am 9. Januar bei einer Parade zum 31. Jahrestag der Teilrepublik. © ELVIS BARUKCIC / AFP

Mirolad Dodik, Präsident des bosnischen Landesteils Republika Srpska, verleiht Moskau-Machthaber Wladimir Putin einen Orden und bringt mit einem Aufmarsch die USA gegen sich auf.

München/Banja Luka - Wie eng sind Belgrad und Moskau verbandelt? Wie nimmt Russland-Machthaber Wladimir Putin Einfluss auf dem Westbalkan? Und was heißt das für die ohnehin fragile staatliche Stabilität in Bosnien-Herzegowina? Während weit weg im Ukraine-Krieg die russische Armee offenbar bei Soledar im Donbass angreift und es ganz nah aus dem Kosovo Berichte gibt, russische Wagner-Söldner würden Unruhe stiften, rückt einmal mehr die Republika Srpska (RS) in den Fokus.

Bosnien-Herzegowina: Paramilitärische Polizisten der Republika Srpska marschieren in Sarajevo

Denn: Die Führung des serbischen Landesteils von Bosnien hat mit einer paramilitärischen Parade am Rande Sarajevos die bosnisch-kroatische Föderation (FBiH), das transatlantische Verteidigungsbündnis Nato und die USA provoziert. Konkret: 2000 Paramilitärs, Polizisten und Zivilbedienstete marschierten am Montag (9. Januar) in Ost-Sarajevo vor dem RS-Präsidenten Milorad Dodik und dessen Gästen.

Die Parade war Teil der Feiern zum sogenannten Tag der RS. Mehrere Tausend Serben waren vor Ort dabei und schwenkten die serbische Fahne. Sie taten dies nicht in der RS-Hauptstadt Banja Luka, sondern in Sarajevo, der Hauptstadt des gesamten Landes. Etwa von Putins Gnaden?

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Zur Einordung: Der russische Präsident unterstützt Abspaltungsgedanken der Republika Srpska offen, die mit geschätzt 1,16 Millionen Einwohnern die kleinere der beiden Entitäten neben der Föderation Bosnien und Herzegowina ist, in der etwa 2,08 Millionen Menschen leben. Während der Anteil der Serben in der Föderation verschwindend gering ist (keine drei Prozent), liegt er in der RS bei über 80 Prozent. Auch weit nach dem Bosnienkrieg (April 1992 bis Dezember 1995) gibt es in dem Land mit seinen rund 3,28 Millionen Einwohnern erhebliche Spannungen zwischen bosnischen Kroaten, Bosniaken und bosnischen Serben. Die sich Putin zunutze machen will?

Aleksandar Vucic: Serbien-Präsident schickt Sohn zu Sarajevo-Parade von Mirolad Dodik

Laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) stellte der jüngste Aufmarsch insbesondere für die bosniakische Mehrheitsbevölkerung in Sarajevo eine Provokation dar. Im Bosnien-Krieg war die Stadt (heute knapp 300.000 Einwohner) schließlich von den umliegenden Bergen aus mehr als drei Jahre lang durch serbische Truppen belagert worden.

Und heute? Ivica Dacic, Außenminister Serbiens, saß bei Dodiks Parade in der ersten Reihe. Der serbische Präsident Aleksandar Vucic, der wegen des Kosovo-Konflikts mit der Nato im Zwist steht, hatte seinen Sohn Danilo entsandt. Und: Lokale Mitglieder des Russland-nahen „Russian Night Wolves Motorcycle Club“ marschierten auf den Straßen Istočno Sarajevos mit (siehe Twitter-Video), jenem Stadtteil, der als einziger zur Republika Srpska gehört.

Damit nicht genug: Wie erst später bekannt wurde, hatte Dodik bereits am Sonntag (8. Januar) Putin in Abwesenheit den Orden der RS verliehen. Er werde ihn später persönlich überreichen, erklärte Dodik laut dpa. Beide gelten als enge Verbündete, was sich durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht geändert hat. Die US-Botschaft in Sarajevo verurteilte indes die Parade und Dodiks Abspaltungspolitik generell. „Die Serbische Republik wird nur sich selbst und jene um sie herum zerstören, wenn sie dem Irrlicht der Unabhängigkeit nachjagt“, hieß es in einer Mitteilung der Botschaft bei Twitter. Das Verhältnis zwischen Belgrad und Washington gilt seit Langem als angespannt.

Balkan: Verhältnis zwischen Serbien und den USA gilt als angespannt

Ein Rückblick: Im Kosovokrieg hatte die Nato unter Führung der USA ab dem 24. März 1999 in der „Operation Allied Force“ wochenlang militärische Einrichtungen, das Hauptgebäude des serbischen Rundfunks, das Verteidigungsministerium in Belgrad und zahlreiche Brücken des damals noch als „Jugoslawien“ firmierenden Staates Serbien bombardiert. Was bis heute völkerrechtlich nicht unumstritten ist. Putin wirbt indes beharrlich um einen seiner wenigen verbliebenen Verbündeten in Europa.

Einer von drei Präsidenten Bosnien-Herzegowinas: Mirolad Dodik (vorne) aus der Republika Srpska. Hier bei der Parade zum verbotenen Tag der RS.
Einer von drei Präsidenten Bosnien-Herzegowinas: Mirolad Dodik (vorne) aus der Republika Srpska. Hier bei der Parade zum verbotenen Tag der RS. © ELVIS BARUKCIC / AFP

Im August kamen zum Beispiel Vertreter der Republika Srpska und der russischen Regierung zusammen, um ein bilaterales Wirtschaftsabkommen zu vereinbaren. Wie der Direktor der Investitions- und Entwicklungsbank (IRB) der Republika Srpska, Drazen Vrhovac, laut Nachrichtenagentur Srna erklärte, stellte Russland der bosnischen Teilrepublik damals Investitionen in Höhe von 200 Millionen Dollar in Aussicht. Zuvor soll Dodik laut österreichischer Tageszeitung Standard im April bei einer Kundgebung in der bosnischen Stadt Bijeljina gerufen haben: „Es lebe Serbien, es lebe Russland, es lebe die Republika Srpska!“ Kurz darauf, am 17. Juni, lud wiederum Putin Dodik auf das Internationale Wirtschaftsforum in St. Petersburg ein.

Westbalkan: Russland-Machthaber Wladimir Putin weitet Einfluss in Serbien und Bosnien aus

Dass Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) fast zeitgleich erklärte, sechs Balkan-Länder - darunter Bosnien-Herzegowina, Serbien und den Kosovo - schnellstmöglich in die Europäische Union (EU) holen zu wollen, ging in der Republika Srpska gänzlich unter. Stattdessen weitet Putin seinen Einfluss offenbar aus - in Serbien und in Bosnien. (pm)

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