Frankreich

Minister in Quarantäne

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Fünf französische Parlamentarier sind mit dem Coronavirus infiziert.

Die Staatsführung in Paris unternimmt alles zur Eingrenzung des Coronavirus – und hat sich nun selbst angesteckt: Virusherd war offenbar die Bar der Nationalversammlung. Fünf Parlamentarier der höchsten Kammer sind infiziert. Jetzt hat es auch die Exekutive erwischt: Am Montag musste Kulturminister Franck Riester bekanntgeben, dass er nach leichtem Fieber „positiv getestet“ worden sei; am Dienstag kam Justizministerin Nicole Belloubet in Erwartung eines Testresultates in Quarantäne.

Und der Staatschef? Offiziell wurde Emmanuel Macron bisher nicht auf das Virus getestet. Trotzdem herrscht im Elysée-Palast ein Anflug von Panik. Denn Riester kam bei Regierungssitzungen auch Macron körperlich nahe. Der Präsident versucht sich, so gut es geht, zu schützen, schüttelt keine Hände und vergibt weder Wangenküsschen noch Orden. Termine und Besuche sagt er so weit wie möglich ab – eine Aussprache auf höchster EU-Ebene am Dienstag fand als Videokonferenz statt. 

Wenn Macron im Elysée Sitzungen leitet, wird der Raum vor- und nachher desinfiziert. Ebenso jeder Kugelschreiber, Notizblock und Gegenstand, den der Präsident in die Hand nimmt. Sein Personal führt im Köfferchen nicht etwa den Atomcode mit, sondern Desinfektionsgel. Eine Sprecherin erklärte, die Regierung habe zum „obersten Ziel, die Kontinuität des Staates zu gewährleisten“. Und eine Weisung im Elysée ist ungeschrieben: Der Präsident darf auf keinen Fall infiziert werden.  

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