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Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt in einer am 13.10.2021 veröffentlichten Studie eine Reform des Ehegattensplittings und von Minijobs.
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Kommt mit einer neuen Bundesregierung auch eine Reform des Ehegattensplittings? (Symbolfoto)

Studie

Minijobs und Ehegattensplitting: Steuerreform könnte 100.000 Jobs für Frauen schaffen

  • Julian Dorn
    VonJulian Dorn
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Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt das Ehegattensplitting zu reformieren. Damit sollen Frauen aus der „Zweitverdienerinnenfalle“ befreit werden. Wie soll das gelingen?

Berlin/Frankfurt - Es ist für viele Frauen und vor allem Mütter eine belastende Situation: Sie haben eine anspruchsvolle und nicht selten teure Ausbildung absolviert und können doch nie wirklich in der Arbeitswelt Fuß fassen. Sie stecken in der so genannten Zweitverdienerinnenfalle. Für sie lohnt sich derzeit die Aufnahme einer „substanziellen Beschäftigung“ nicht.

Denn: Aktuell seien diese auf dem Arbeitsmarkt durch die Kombination aus Ehegattensplitting und den steuer- und abgabenfreien 450-Euro-Jobs benachteiligt, kritisierte die Arbeitsmarkt-Expertin der Bertelsmann-Stiftung, Manuela Barisic.

Die Experten der Stiftung haben nun ein Konzept erarbeitet, um dieses Problem zu beheben und Berufstätigkeit auch für Zweitverdienerinnen attraktiv zu machen: Eine Kombireform von Ehegattensplitting und Minijobs soll es richten. Laut Bertelsmann Stiftung könnten so 124.000 Menschen in „gute“ Beschäftigung kommen. Davon würden vor allem Frauen profitieren, an die rund 108.000 dieser zusätzlichen sozialversicherungs- und steuerpflichtigen Jobs gehen könnten. Zu diesem Ergebnis kommen Berechnungen des beauftragten Ifo-Instituts, die die Stiftung in Gütersloh am Mittwoch (13.10.2021) veröffentlichte.

Experten empfehlen Kombireform von Ehegattensplitting und Minijobs

Aktuell haben von 7,6 Millionen Ehefrauen zwischen 25 und 60 Jahren den Angaben zufolge etwa drei Viertel, rund sechs Millionen Frauen, ein geringeres Einkommen als ihr Partner. Für diese Zweitverdienerinnen setze das Steuer- und Sozialversicherungssystem falsche Anreize. Sie müssten Einkommensteuer über dem üblichen Eingangssteuersatz von 14 Prozent zahlen. Grund sei das Ehegattensplitting, bei dem ein Ehepaar bei der Steuererklärung gemeinsam veranlagt wird. Das führe dazu, dass eine Zweitverdienerin in der Regel demselben Steuersatz unterliege wie der Erstverdiener.

Wie sollen die Frauen nun aus der „Zweitverdienerinnenfalle“ befreit werden? Die Stiftung empfiehlt laut Deutsche Presse Agentur (dpa) ein „Realsplitting“ vor bei dem beide Eheleute separat veranlagt werden. Der oft besser verdienende Ehemann dürfte einen Betrag in Höhe von 13.805 Euro - er orientiere sich an rechtlichen Vorgaben etwa zu Unterhaltspflichten und Scheidungsrecht - auf die Partnerin übertragen. Damit lasse sich die Steuerlast für die Zweitverdienerin abbauen, erläuterte Barisic von der Bertelsmann-Stiftung laut dpa.

Reform des Ehegattensplittings: Beschäftigung soll für Zweitverdienerinnen attraktiver werden

Zudem sollten Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt werden, indem vom ersten Euro an Abgaben gezahlt würden. Wichtig hier: Der Beitragssatz wäre zunächst sehr gering, würde langsam ansteigen - und erst bei 1800 Euro wäre volle Sozialversicherungspflicht erreicht. Es gehe nicht um eine Abschaffung von Minijobs, stellte Barisic klar. In der Pandemie habe sich aber noch einmal deutlich gezeigt, dass Minijobs in der derzeitigen Form „die großen Verlierer“ waren.

Mit der Kombireform werde für Zweitverdienerinnen eine Arbeit in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung attraktiver. Denn bisher entscheiden sich viele Zweitverdienerinnen für den Minijob, weil sich ein anderer wegen der Steuerlast nicht lohne, schilderte Barisic laut dpa. Das bisherige Ehegattensplitting rechnet sich vor allem für Paare, bei denen einer viel und der andere deutlich weniger verdient. Aber: „Arbeit muss sich für alle lohnen, insbesondere für Frauen und Mütter.“ Laut Stiftung würde die angestrebte Änderung insgesamt die unteren 40 Prozent der Einkommen entlasten.

Die Reform der Minijobs und des Ehegattensplittings könne ein wichtiger Schritt zu mehr Geschlechtergerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt sein. „Es muss uns gelingen, Frauen und Mütter aus der Zweitverdienerinnenfalle zu befreien“, zitiert die dpa Barisic. Es sei zu hoffen, dass eine neue Bundesregierung das Thema in den Vordergrund rücke. Für den Staat würde eine Umsetzung der Vorschläge keine zusätzlichen Kosten verursachen, so die Fachleute der Bertelsmann-Stiftung.

Im Steuerrecht ändert sich ohnehin regelmäßig etwas: Wer im Jahr 2020 wegen der Corona-Pandemie Kurzarbeitergeld bezogen hat, muss bis Ende Oktober 2021 eine Steuererklärung abgeben. In der Einkommenssteuererklärung 2020 muss einiges beachtet werden. Dazu zählt etwa auch eine mögliche Home-Office-Pauschale. (judo/dpa)

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