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Peru: Mindestens zwei Tote bei landesweiten Protesten – Boluarte kündigt Neuwahlen an

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Von: Stefan Krieger

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Bei Protesten gegen Perus neue Präsidentin Dina Boluarte kommt es in der Hauptstadt Lima zu Ausschreitungen.

Update vom 12. Dezember, 7.50 Uhr: Nach landesweiten Protesten mit zwei Toten hat sich Perus Präsidentin für vorgezogene Neuwahlen ausgesprochen. Sie werde dem Parlament einen Gesetzentwurf vorlegen, mit dem die Wahlen von 2026 auf April 2024 vorgezogen würden, sagte die erst kürzlich vereidigte Präsidentin Dina Boluarte in einer Fernsehansprache am Sonntag (11. Dezember).

Peru: Mindestens zwei Tote bei landesweiten Protesten

Erstmeldung: Lima – Bei Protesten gegen die neue Präsidentin Dina Boluarte in Peru sind in der südlichen Stadt Andahuaylas zwei Menschen getötet worden, darunter ein Teenager. Fünf weitere Menschen wurden verletzt, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Die Teilnehmer der landesweiten Kundgebungen verlangten am Sonntag (11. Dezember) Neuwahlen und die Freilassung des ehemaligen Präsidenten Pedro Castillo, der sich seit Donnerstag in Untersuchungshaft befindet. Sie forderten den Rücktritt seiner Nachfolgerin Boluarte und riefen zu einem landesweiten Streik auf.

Proteste in Peru
Nach der Amtsenthebung des Präsidenten in Peru gab es Protesten in mehreren Städten, darunter die Hauptstadt Lima. © Lucas Aguayo Araos/dpa

Proteste in Peru: Tausende Menschen gehen auf die Straße

„Wir bedauern den Tod von zwei Menschen (...) bei den Zusammenstößen. Ich bitte die Bevölkerung, ruhig zu bleiben“, sagte Innenminister César Cervantes am Sonntag im Radiosender RPP.

„Kein Peruaner sollte sein Leben für politische Interessen opfern müssen“, schrieb Präsidentin Boluarte, gegen die sich die Proteste richteten, im Onlinedienst Twitter. „Ich rufe erneut zum Dialog und zum Verzicht auf Gewalt auf“, fügte sie hinzu.

In Städten im ganzen Land gingen Tausende Menschen auf die Straße, darunter in Cajamarca, Arequipa, Andahuaylas, Tacna, Cusco und Puno. In Andahuaylas kam es zu Zusammenstößen. Dort griffen Demonstranten Polizisten mit Steinen an. Protestierende stürmten den Flughafen. Die Einsatzkräfte feuerten Tränengas ab. Am Samstag waren in der Stadt bei Protesten bereits 16 Zivilisten und vier Polizisten verletzt worden.

Andahuaylas in der Region Apurimac ist die Heimat von Boluarte. Die Polizeistation in Huancabamba, einer weiteren Stadt in Apurimac, wurde nach Angaben des Radiosenders RPP in Brand gesetzt.

Proteste in Peru: Forderung nach Neuwahlen

In der Hauptstadt Lima demonstrierten zwischen 1000 und 2000 Menschen vor dem Kongress und riefen „Castillo, du bist nicht allein, das Volk steht hinter dir“. Eine Not-Sitzung im Kongress zur Lage im Land war am Sonntagabend (11. Dezember) nach Handgreiflichkeiten unterbrochen worden. In Onlinediensten veröffentlichte Bilder zeigten, wie ein Mann einem anderen von hinten einen Fausthieb verpasst und es zu Gedränge kommt.

Castillo war am Mittwoch vom peruanischen Parlament wegen „moralischer Unfähigkeit“ des Amtes enthoben und später festgenommen worden. Seine bisherige Stellvertreterin Boluarte wurde kurz darauf als seine Nachfolgerin vereidigt. Am Donnerstag erklärte das Oberste Gericht des Landes, dass es sieben Tage Untersuchungshaft gegen Castillo verhängt habe. Dem linksgerichteten Politiker werden „Rebellion und Verschwörung“ vorgeworfen.

Proteste in Peru: Große Ablehnung in der Bevölkerung

Castillo war im Juli 2021 als politischer Außenseiter an die Staatsspitze gewählt worden. Seitdem befand sich der 53-Jährige in einem ständigen Machtkampf mit dem konservativ dominierten Kongress. Dieser hatte bereits zweimal vergeblich versucht, ihn wegen „moralischer Unfähigkeit“ des Amts zu entheben.

Die Forderung nach Neuwahlen geht mit einer überwältigenden Ablehnung des Kongresses einher: Umfragen vom November zufolge sind 86 Prozent der Peruaner mit dem Parlament nicht einverstanden. Die neue Präsidentin hatte am Freitag im Ringen um eine friedliche Lösung Neuwahlen nicht ausgeschlossen. Boluarte habe aber bisher die zentrale Frage nicht beantwortet, „ob sie eine Übergangsregierung führen oder bis 2026 an der Macht bleiben wolle“, sagte Politik-Analystin Giovanna Peñaflor der Nachrichtenagentur AFP. (skr/afp)

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