Frankreich

Millionen folgen Streikaufruf

Paris. Mit mehr als 200 Demonstrationen und einem landesweiten Streik haben Frankreichs Arbeitnehmer am Donnerstag gegen die Wirtschafts- und Sozialpolitik

Von HANS-HELMUT KOHL

Paris. Mit mehr als 200 Demonstrationen und einem landesweiten Streik haben Frankreichs Arbeitnehmer am Donnerstag gegen die Wirtschafts- und Sozialpolitik von Staatspräsident Nicolas Sarkozy protestiert. Dem Aufruf der acht wichtigsten Gewerkschaften "Kampf für Beschäftigung und Kaufkraft" folgten Millionen Menschen.

Sie werfen Sarkozy und der Regierung um Premierminister François Fillon vor, bei der Bekämpfung der Wirtschaftskrise werde zu wenig auf die Interessen der abhängig Beschäftigten geachtet. Banken und Industrie würden durch das staatliche Konjunkturprogramm einseitig unterstützt.

"Wir fordern einen zweiten Konjunkturplan, der diesmal auf die Kaufkraft zielt", sagte der Chef der Gewerkschaft CFDT, François Chérèque. Außerdem wollen die Gewerkschaften die Stärkung der 35-Stunden-Woche und Arbeitsplatzgarantien in Unternehmen, die Staatshilfe erhalten.

Bereits am Vormittag hatten sich etwa in Marseille mehrere zehntausend Demonstranten versammelt. In der Hauptstadt Paris kamen die Teilnehmer am Protestzug zur Place de la Bastille, um von dort im Lauf des Nachmittags zur Oper zu ziehen. Im streikgewohnten Frankreich fielen an diesem Tag besonders die zahlreichen Protestdelegationen aus der Privatwirtschaft auf, in der üblicherweise Ausstände selten sind. Diesmal nahmen Mitarbeiter von Hightech- und Autofirmen, Stahlwerker und Banken die Gelegenheit ebenso wie ihre Kollegen aus dem öffentlichen Dienst wahr, um gegen die Regierungspolitik zu demonstrieren. Auch die Beschäftigten der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender schlossen sich an, die aktuellen Programme fielen überwiegend aus.

Dank der seit Tagen laufenden Vorbereitung hielten sich die Behinderungen bei Metro und Bussen, aber auch bei den Staatsbahnen SNCF und auf den Flughäfen des Landes in Grenzen. Auch die Auswirkungen des Streiks auf den Flugverkehr waren gering. Stark befolgt wurde der Streikaufruf dagegen in den Schulen.

Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der sich in der Vergangenheit mehrfach abfällig über die Gewerkschaften geäußert hatte, zog es diesmal vor, lediglich seine Minister öffentlich auftreten zu lassen. Er hatte eine geplante Afrikareise um einen Tag verschoben. Unter den Demonstranten befanden sich erstmals auch wieder zahlreiche Oppositionspolitiker. Die Gewerkschaften beraten am Montag über weitere Proteste.

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