Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wird sie die erste Präsidentin der USA?
+
Wird sie die erste Präsidentin der USA?

US-Wahl

Die Milliardenschlacht ums Weiße Haus

  • Damir Fras
    VonDamir Fras
    schließen

Der Wahlkampf Donald Trump gegen Hillary Clinton ist auch ein Duell der großen Geldgeber - und die nackten Dollarzahlen sprechen klar für einen der beiden Kandidaten.

Die Leistungsbilanz der Wahlkampf-Teams fällt zu Ungunsten des Populisten aus: Für Donald Trump sind die Wutbürger der USA, ein paar B-Promis, Hinterbänkler aus dem Parlament und ehemalige Spitzenpolitiker. Für Hillary Clinton dagegen sind die gebildeteren Weißen, die Frauen, die Minderheiten, die Hollywood-Stars, Silicon Valley, die Wall Street und der amtierende Präsident sowie dessen Frau. Sie hat das ganz große Geld zur Verfügung, er im Vergleich dazu deutlich weniger. Ihre Wahlkampfmaschine lief auf Hochtouren, seine stotterte mitunter gewaltig. Der Papierlage nach müsste das Duell um die Nachfolge von US-Präsident Barack Obama längst entschieden sein.

Denn die Unterschiede sind gewaltig: Hillary Clinton hat mehr als eine Milliarde US-Dollar für ihren Wahlkampf gesammelt. Auf eine ähnlich hohe Summe kam zuletzt Barack Obama während seines ersten Wahlkampfes im Jahr 2008. Donald Trumps Bewerbung um das höchste Amt im Staat wurde dagegen mit nur etwas mehr als einer halben Milliarde Dollar unterstützt. Viele potenzielle Geldgeber wandten sich im Laufe des Wahlkampfs von Trump ab, wegen seiner radikalen Vorstöße ebenso wie wegen der Vorwürfe, er habe Frauen sexuell belästigt.

Auf Clintons Seite standen viele Großspender. Mehr als 20 Millionen Dollar machte der Hedgefonds-Gründer Donald Sussmann locker, um sie zur ersten Präsidentin der USA zu machen. Für Trump spendeten der Kasinobetreiber Sheldon Adelson (10,5 Millionen Dollar) und der aus Deutschland stammende Internet-Unternehmer Peter Thiel (1,25 Millionen).

Clinton profitierte in diesem Wahlkampf stärker als Trump von einem Urteil des Obersten Gerichtshofs in Washington. Bereits vor Jahren erlaubten die Richter den sogenannten Super Pacs, also Lobby-Organisationen, unbegrenzt Geld von Unternehmen, Gewerkschaften oder Einzelpersonen einzusammeln und zur Unterstützung politischer Kandidaten zu verwenden. Einzige Bedingung: Diese sogenannten Aktionskomitees dürfen nicht direkt unter der Regie einer Partei stehen.

Zwar hat Hillary Clinton zuletzt mehrfach erklärt, dass diese Art der indirekten Kandidatenfinanzierung abgeschafft gehöre. Doch vorerst zahlte sich ihr seit Jahrzehnten sorgsam aufgebautes Netzwerk noch einmal aus. Clinton ist seit gut 30 Jahren ein bedeutendes Mitglied der politischen Klasse in Washington. So erklärt sich, dass mehr als 200 Millionen Dollar aus Super Pacs in ihre Wahlkampfkasse flossen. Donald Trump erhielt aus diesen Quellen nur 59 Millionen Dollar.

Ende Oktober hatte Clinton noch mehr als 170 Millionen Dollar in der Kriegskasse, Trump dagegen nur knapp 84 Millionen. Zumindest in den Wahlkämpfen der Vergangenheit war es für die Kandidaten wenige Tage vor der Abstimmung wichtig, über viel Geld zu verfügen, um etwa mit TV-Spots Wähler zur Stimmabgabe zu animieren. Erstmals könnte das in diesem Wahlkampf nicht so bedeutsam gewesen sein. Denn Donald Trump gelang es bereits in den vergangenen anderthalb Jahren mit schrillen und zudem kostenlosen Auftritten im Fernsehen viel Aufmerksamkeit zu erregen.

Spätestens seit dem Wahlkampf Obamas im Jahr 2008 sind die Kampagnen von Präsidentschaftskandidaten in den USA zudem stark von sogenannten „Big Data“ beeinflusst. Das sind gewaltige Mengen an Einzeldaten, die von Informationsunternehmen zusammengefasst werden, um Profile möglicher Wähler zu erstellen. Clintons Mann für „Big Data“ ist Elan Kriegal von der Firma BlueLabs, der monatlich 10 000 Dollar erhält, um die Datenmengen einzuordnen und für den Wahlkampf aufzubereiten.

Trumps Team hat für diesen Zweck allein im September fünf Millionen US-Dollar an die britische Firma Cambridge Analytica überwiesen. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben Daten von 230 Millionen Erwachsenen in den USA in seinen Computern gespeichert. Darunter sind zum Beispiel Informationen über Fitnessklub-Mitgliedschaften. Kundenkarten geben Hinweise auf die Konsumvorlieben der Leute, Abonnements unterschiedlicher TV-Sender geben Auskunft über das Fernsehverhalten.

Für sich allein sagen diese Daten wenig aus, auch werden sensitive Angaben wie Informationen zur Gesundheit oder Kreditkartenangaben angeblich nicht gesammelt. Aber wenn die Einzelinformationen miteinander kombiniert zu Wählerprofilen verbunden werden, ergeben sich daraus Hinweise auf politische Vorlieben. Dann werden Einzelne oder Gruppen zielgerichtet angesprochen. Damit hat schon Obama 2008 großen Erfolg gehabt. Clinton und Trump machen es ihm nach.

Dennoch hat die menschliche Komponente immer noch einen gewissen Stellenwert. Geht es nach der Zahl der Unterstützer, die sich offen zu einem Präsidentschaftsbewerber bekennen, dann liegt Hillary Clinton auch hier vor Trump. Hollywood-Stars wie George Clooney und Eva Longoria und Sängerinnen wie Katy Perry und Demi Lovato riefen ebenso dazu auf, Clinton zu wählen, wie es die meisten Zeitungen im Land taten. Auf Trumps Seite standen dagegen nur wenige bekannte Leute, unter ihnen Jon Voight, Oscar-Preisträger von 1979 und Vater von Angelina Jolie, sowie der ehemalige Boxweltmeister Mike Tyson.

Der Papierlage nach müsste die Wahl also entschieden sein. Dass es in diesem Jahr enger als gedacht ist, liegt vor allem am Phänomen Trump. Der Erfolg des Populisten hat alle Beobachter überrascht. Logik und Tradition gelten nichts mehr am Ende des bizarrsten Wahlkampfes, den die Amerikaner je erlebt haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare