Russland

Milliarden Rubel fließen auf die Krim

Kreml-Partei verspricht vor der Wahl einen Ausbau der Verkehrswege. Stimmungstest für Putin.

Jeden Tag ein neuer Kinderspielplatz“ und „Jeden Tag 1200 Meter neue Wege“ – die Kremlpartei Geeintes Russland verspricht einiges vor der Wahl des neuen Parlaments der Krim. Am 8. September wird auf der Schwarzmeer-Halbinsel wie in vielen Regionen Russlands gewählt – ein Stimmungstest auch für Kremlchef Wladimir Putin.

Fünf Jahre nach der international umstrittenen Vereinigung der Krim mit Russland kann die Regierungspartei mit einem haushohen Sieg rechnen. Und die Ukraine, der die Krim laut Völkerrecht gehört, muss zuschauen, wie Putin seine Macht ausbaut. „Die Dynamik der Entwicklung hier bei uns ist wahnsinnig“, sagt der Abgeordnete Juri Gempel im Parlamentsgebäude der Krim-Hauptstadt Simferopol. Er ist Mitglied von Geeintes Russland – Putins Machtbasis. „Natürlich muss auch noch viel passieren“, räumt der 62-Jährige ein. Er sitzt in einem kargen Zimmer, umgeben von den Flaggen Russlands und der Krim und einem Porträt von Putin. Der für internationale Beziehungen zuständige Abgeordnete war wie fast alle auf der Krim früher ukrainischer Staatsbürger. Jetzt ist er Russe. 

„Von einem Rechtsraum in den nächsten zu kommen – natürlich war das schwer“, sagt Gempel. Spuren aus ukrainischen Zeiten sind kaum noch zu finden. Milliarden Rubel fließen seit nunmehr fünf Jahren auf die Krim. Keine russische Region erhält so viel Geld vom Staat wie die Halbinsel. Der Abgeordnete ist erleichtert, dass er sich damals für die „richtige Seite“ entschieden habe. 

EU-Sanktionen bleiben 

Was erreicht ist seither, das erzählen die Menschen auch fremden Besuchern auf der Straße nahezu euphorisch: ein neuer Flughafen, die Brücke von der Krim-Stadt Kertsch zum russischen Kernland inklusive der Autobahn Tawrida. In einem Jahr soll sie durchgängig vier- statt wie im Moment nur zweispurig sein. Für eine neue Bahnstrecke werden über die Kertsch-Brücke bis nach Simferopol gerade auch die Gleise verlegt. Im Dezember soll der erste Zug rollen. 

Die ukrainische Regierung dagegen, ist an jeder Ecke zu hören, habe früher alles verkommen lassen – und nicht einmal in Wasserleitungen und Straßen investiert. Diese neue Realität sollte auch der Westen anerkennen, meinen Passanten bei den Straßengesprächen. Doch wird die Europäische Union diese Wahl am Sonntag – wie das Referendum vor fünf Jahren – nicht anerkennen. Und auch die Sanktionen gegen die Annexion bleiben. (dpa)

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